Frischzellenkur in Magdeburg

Wie macht man ein Denkmal zu einer Multifunktionsarena? Die Stadt Magdeburg will es vormachen, denn die dortige Stadthalle von 1926/27 wird nun mit finanzieller Unterstützung des Landes umgestaltet, wie Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) unlängst ankündigte. Das Investitionsvolumen beträgt 70 Millionen Euro. Anfang September wurde die Halle in die dreijährige Umbau- und sanierungsphase verabschiedet. Zuvor gab es einen Flohmarkt, auf dem ein Teil des Interieurs, teils noch aus DDR-Zeiten stammend, verkauft wurde. Einige Anbauten werden zwar abgerissen, insgesamt scheint der Umbau aber in behutsamen Händen zu liegen: Das Büro Gerkan, Marg und Partner (gmp) hat die Aufgabe übernommen.

Die Stadthalle entstand einst als Herzstück der Deutschen Theaterausstellung 1927. Vor 1945 waren hier Erika und Klaus Mann, Pamela Wedekind und Gustav Gründgens mit der „Revue zu Vieren“ zu Gast, es gab Konzerte unter der Leitung unter anderem von Wilhelm Furtwängler und Otto Klemperer. Geplant haben den monumentalen Backsteinbau die Architekten Johannes Göderitz und Wilhelm Deffke. Nach Kriegsschäden war er erst 1966 wiederhergestellt – inklusive konzeptioneller Veränderungen und einer ostmodernen Innenraumgestaltung. Zur DDR-Zeit traten hier das Hazy Osterwald Sextett, Gilbert Bécaud, Udo Lindenberg und Katja Ebstein auf. Nach der Wiedervereinigung ging der Betrieb bis 1. Juli 2020 weiter. (db, 13.10.20)

Magdeburg, Stadthalle (Bild: Johan Bakker, CC BY-SA 3.0)

Finanzamt Oldenburg kommt weg

Auch wenn so mancher davon träumt, dass die Bagger seinem zuständigen Finanzamt den Garaus machen: In diesem Fall ist es durchaus bedauerlich, und hier hilft auch nicht, dass es sich um das Gebäude namhafter Architekten handelt. Das ehemalige Finanzamt Oldenburg (1974/75) wird abgerissen. Errichtet wurde es nach Plänen des Büros von Gerkan, Marg und Partner (gmp). Vor einem Jahr hat die Behörde das sanierungsbedürftige Gebäude verlassen. Der Abriss war da bereits beschlossene Sache: Nach ausführlichen Untersuchungen der Fassadenplatten kam man zum Schluss, dass eine Sanierung, wenn überhaupt, nur bei optimalem Verlauf günstiger als ein Neubau wäre.

Im Raum steht, dass der Altbau asbestbelastet sei – der Schadstoff sei mit dem Klebstoff für die Wärmedämmung aufgetragen worden. Aktuell werden der Abriss noch planerisch vorbereitet und die Arbeiten ausgeschrieben, die Umsetzung soll Ende diesen Jahres erfolgen. Die Abrisskosten werden vom Finanzministerium mit 15,5 Millionen Euro beziffert, da mit besonderen Schutzmaßnahmen vom Einhausen bis zum Absaugen gearbeitet werden muss. Im Anschluss soll das Grundstück in Innenstadtlage zum Verkauf angeboten werden – es gebe schon Interessenten. Wo genau der Neubau des Finanzamts, das aktuell in einer Container-Zwischenlösung eingerichtet ist, stehen soll, ist noch unklar. (db, 21.4.18)

Finanzamt Oldenburg (Bild: Edfyr, CC BY-SA 4.0)

Herzlichen Glückwunsch, Herr Marg!

Herzlichen Glückwunsch, Herr Marg!

Berlin, Flughafen Tegel (Bild: Avda, CC BY-SA 4.0)
Aus der Zeit, als Flughäfen noch eröffnet wurden: Berlin Tegel (Bild: Avda, CC BY SA 4.0)

Er ist das m in gmp: Volkwin Marg gehört zu einem der wohl einflussreichsten deutschen Architekturbüros der letzten Jahrzehnte. Geboren wurde er 1936 in Königsberg, verbrachte die Kindheit in Danzig und gelangte nach Kriegsende über Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern nach Westberlin. Während seines Studiums an der TU Braunschweig lernte er seinen späteren Büropartner Meinhard von Gerkan kennen, mit dem er sich 1964/65 selbständig machen sollte.

Gut 50 Jahre später kann „Gerkan Marg und Partner“ (gmp) auf eine respektable Zahl von Großprojekten zurückblicken: vom Flughafen Berlin-Tegel (1975) über den Berliner Hauptbahnhof (1995) bis zum Umbau des Berliner Olympiastadions (2004), hinzu kommen internationale Vorhaben bis hin nach China. Volkwin Marg selbst, der für all diese Büroerfolge mitverantwortlich zeichnet, stand lange dem Bund Deutscher Architekten (BDA) vor, lehrte in Aachen, wirkt im Beirat der Bundestiftung Baukultur und erhielt den Ehrendoktor der HafenCity Universität Hamburg. Für Hamburg-Begeisterte erwarb Marg seinen größten Verdienst jedoch im Jahr 1976: Damals begründete er mit anderen Hanseaten den Museumshafen Övelgönne. Am 15. Oktober diesen Jahres feierte Marg seinen 80. Geburtstag – mR gratuliert! (kb, 19.10.16)