Laboratorium des modernen Lebens

Es gab mehr als (das eine) Bauhaus, das kann man nach 2019 nicht oft genug sagen und schreiben. Dieser Botschaft hatte sich im vergangenen Jahr auch ein internationales Symposium verschrieben, das vom Slowakischen Design-Zentrum im Goethe-Institut in Bratislava ausgerichtet wurde – als Beitrag zum Bauhausjahr und als Abschlussveranstaltung einer Ausstellung zur Kunstgewerbeschule in Bratislava.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfolgten die Reformströmungen in verschiedensten Ländern Zentraleuropas, so die These der Fachtagung, ein gemeinsames Ziel: eine praxisbezogene Kunstausbildung für die moderne Zeit. Die Beiträge des Symposions sind nun als zweisprachiges Buch erschienen: „Škola ako laboratórium moderného života/School as a Laboratory of Modern Life (Schule als Laboratorium des modernen Lebens)“. Hier werden die Besonderheiten der Kunstgewerbeschule von Bratislava in der frühen Moderne herausgearbeitet und zugleich in den europäischen Kontext gestellt. Und da das Ganze mit EU-Mitteln gefördert wurde, kann das Ergebnis online und gratis eingesehen und heruntergeladen werden. (kb, 23.10.20)

Studentinnen der Modeklasse an der Kunstgewerbeschule (ŠUR) in Bratislava, 1930er-Jahre, Autor unbekannt (Bild: Slowakisches Design Museum, Archiv von Iva Mojžišová)

Der Meister des farbigen Bauens

Bruno Taut gilt nicht nur als Pionier der klassischen Moderne, sondern auch als Vorreiter auf dem Gebiet des farbigen Bauens. Mit seinem „Bunten Magdeburg“ erlangte der Architekt in den frühen 1920er Jahren überregionale Bekanntheit. In den Jahren 1924 bis 1931 schuf er mit den Berliner Siedlungen sein Hauptwerk. Auch hier überzeugten seine Bauten durch teils expressive Farbkonzepte. Sechs der Ensembles, darunter die berühmte Hufeiesensiedlung, wurden 2008 als UNESCO-Welterbe anerkannt.

Die Ausstellung „Bruno Taut – Meister des farbigen Bauens in Berlin“ wirft bis zum 17. Oktober im Prager Goethe-Institut einen umfassenden Blick auf Tauts Arbeit in Berlin. Dabei beleuchtet sie sowohl die (Bau)geschichte der Siedlungen als auch die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen. Die Schau wurde von der Berliner Sektion des Deutschen Werkbundes in Zusammenarbeit mit Studio Brenne Architekten konzipiert. Das Büro ist seit den 1990er an der denkmalgerechten Sanierung der Berliner Siedlungen beteiligt. Anlass der Ausstellung sind der 125 Geburtstag Tauts sowie das 25. Jubiläum des Prager Goethe-Instituts. (jr, 29.9.15)

Bruno Tauts moderne Farbkonzepte in der Berliner Hufeisensiedlung (Bild: sansculotte, CC-BY-SA 3.0)