Gorbitz hat gleich fünf Gründe zum Feiern

Vor drei Jahren erschien in einem kleinen Verlag ein umfangreiches Buch, das die besondere Geschichte eines Stadtteils im Westen Dresdens nachzeichnet. Unter dem Titel “Gorbitzer Höhenpromenade” präsentiert Mathias Körner in einer Mischung aus Materialsammlung und Oral History hier ein Neubaugebiet, das während der 1980er Jahre als Fortsetzung zum Stadtteil Prohlis für geplant 45.000 Bewohner errichtet wurde. Der Zeit entsprechend, entstanden Wohnungen in typisierter industrieller Bauweise.

Die Hanglage sowie die Ambition des Planungsteams um Jörg Bösche führten in Neu-Gorbitz zu einzigartigen baulichen Lösungen, denen nun anhand von fünf Beispielen der Denkmalschutz zuerkannt wurde. Dass u. a. ein WBS-70-Wohnblock, der Gorbitzer Krug und der Märchenbrunnen bewahrt bleiben, wird für den erwähnten “Stadtteilkümmerer” (Sächsische Zeitung) Mathias Körner ebenso ein Grund zur Freude sein wie für den ganzen Stadtteil, der heute mit Abwanderung, Überalterung, Stigmatisierung und Entmischung zu kämpfen hat. Am 21. August wird die Unterschutzstellung dieser identitätsstiftenden Zeugen der Ostmoderne ab 18.30 Uhr im Gorbitzer Gemeindezentrum (Leutewitzer Ring 75) unter dem Motto “Denkmal feierlich”, nun ja, eben gefeiert. Wer tiefer einsteigen will, kann dies am 28. August um 18 Uhr am dortigen Merianplatz bei einer Führung von Mathias Körner. Oder er besucht die frisch geschützte Kirche am Tag des offenen Denkmals. (bk, 21.8.18)

Dresden-Gorbitz, Märchenbrunnen, 1980er Jahre (Bild: Matthias Körner)

Zeitreise – G81

Zeitreise - G81 (Bild: Go BI, Gorbitzer Bürgerinitiative)
Zeitreise – G81 (Bild: Go BI, Gorbitzer Bürgerinitiative)

Um mit einem Bekenntnis zu beginnen: Die Herausgeber von moderneREGIONAL würden geschlossen jede architekturkundige Stadtführung links liegen lassen für eine gediegene Retro-Straßenbahnfahrt. Am 27. Januar 2015 wäre diese Wahl in Dresden-Gorbitz überflüssig, denn es gibt beides. Bei “Zeitreise – G81” trifft man sich an einen typischen Gorbitzer Haus aus den 1980er Jahren, erhält hierzu interessante Informationen, macht danach mit einer alten TATRA-Straßenbahn eine Stadtrundfahrt und erlebt in einer Ausstellung das Dresdener Plattenbauviertel Gorbitz von 1981.

Gorbitz ist bunter geworden. Neben vielen ausländischen Studenten finden auch Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung ihre Heimatländer verlassen haben, Zuflucht im grünsten Stadtteil Dresdens. Bei der “Zeitreise – G81” kann man einfach und über schöne Dinge ins Gespräch kommen. Die “Zeitreise” startet am 27. Januar 2015 um 15:00 Uhr in der Harthaer Straße 20. Die Veranstaltung endet um ca. 16:30 Uhr am Bahnhof Mitte bzw. gegen 17:00 Uhr am Albertplatz. Der Eintritt ist kostenfrei, Kontakt erfolgt über Mathias Körner, 0179/ 748 24 66. “Zeitreise – G81” ist ein Projekt der Go BI, der Gobitzer Bürgerinitiative zur Förderung der Kommunikation zwischen Gorbitzern und Flüchtlingen, unterstützt durch die Gagfah. (kb, 18.1.15)

Pantoffelkino

Bundesarchiv, Bild 183-1987-0212-010/CC-BY-SA-3.0-de, via Wikimedia Commons
Dresden-Neu-Gorbitz im Jahr 1987 im Schnee (Foto: M. Hiekel, Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0212-010/CC-BY-SA-3.0-de, via Wikimedia Commons)

Novemberblues? Dann ab aufs  Sofa und einen kuscheligen Betonfilm schauen. Unter dem Schlagwort “Pantoffelkino” hat Gobi – die Gorbitzer Bürger Initiative – eine kleine, aber feine Auswahl an Videos zusammengestellt. Die Plattensiedlung Neu-Gorbitz wurde 1979 als größtes Bauvorhaben Dresdens in Angriff genommen. 1982 konnten bereits die ersten Mieter einziehen.

Zu diesem ehrgeizigen Siedlungsprojekt ist noch bis zum 25. Januar 2015 die Ausstellung “Dresdens vergessener Schatz” im Kulturrathaus Dresden zu sehen. Noch mehr zum Thema Plattenbau bietet die kleine virtuelle Filmsammlung: Die Videos reichen von der ZDF Dokumentation aus dem Jahr 1972 über Reportagen zur Einweihung vom Palast der Republik bis hin zu Filmbeiträgen der letzten Jahre. Also: Ab auf die Couch! (kb, 21.11.14)