Einmal rund um Gottfried Böhm

In diesem Fall bringt ein vorzeitiger Glückwunsch sicher Glück: Rings um das Auditorium widmet sich das Deutsche Architekturmuseum (DAM) Frankfurt in einer konzentrierten Ausstellung der Wallfahrtskirche in Neviges – „so umfassend wie bisher noch nie“, sagt das Museum selbst. Verdient hat es das brutalistische Bauwerk, gilt es doch als eines der wichtigsten Werke von Gottfried Böhm, der 1986 den renommierten Pritzkerpreis erhielt. Derzeit wird der „Beton-Dom“ einer innovativen Instandsetzung unterzogen, deren technische Details in der Ausstellung ebenfalls Thema sein werden.

Gottfried Böhms Planarchiv wird seit 2004 in der Sammlung des DAM verwahrt. Und daher ist die runde Ausstellung zum hundertsten Böhm-Geburtstag (am 23. Januar 2020) in Frankfurt bestens aufgehoben. Die Vernissage wird gefeiert am 17. Januar. Es sprechen Peter Cachola Schmal (Direktor Deutsches Architekturmuseum/DAM), Mike Josef (Planungsdezernent Stadt Frankfurt am Main) sowie Oliver Elser und Miriam Kremser (Kuratoren der Ausstellung). Im Anschluss ist die Schau „Böhm 100. Der Beton-Dom von Neviges“ zu sehen bis zum 26. April 2020. Im Begleitprogramm sprechen u. a. die drei Söhne Gottfried Böhms, die ebenfalls als Architekten tätig sind. Zudem soll der Film „Die Böhms – Architektur einer Familie“ gezeigt werden. (kb, 12.1.20)

Neviges, Wallfahrtskirche „Maria, Königin des Friedens“ (Gottfried Böhm, 1968) (Foto: Inge und Arved von der Ropp/Irene und Sigurd Greven Stiftung, ca. 1976)

Trier: Böhm-Kirche zur Disposition?

Dass ein großer Architektenname nicht vor Abriss oder Umnutzung schützt, ist hinlänglich bekannt. Doch dass kurz vor dem bevorstehenden Gottfried-Böhm-Jubiläumsjahr – der Großmeister wird 2020 hundert – eines seiner Werke scheinbar zur Disposition gestellt wird, ist dann doch überraschend. In Trier erweiterte Gottfried Böhm, Sohn von Dominikus und Vater von Peter/Paul/Stefan, eine Kapelle aus dem 11. Jahrhundert. 1960/61 entstand so ein moderner Saal, ein Stahlbetonskelettbau mit kupfergedecktem Faltdach.

Aus dem umfangreichen Gottfried-Böhm’schen Werk standen oder stehen auch weitere Kirchen auf den Kürzungslisten. Für Heiligkreuz scheint sich ein Hoffnungsstreif am Horizont abzuzeichnen. Im vergangenen Jahr wurde ein Förderverein gegründet, der nun zur Einwerbung der Sanierungskosten die Trommel rührt. Nach dessen Aussage steht die Kirche auf der Bistumsliste geplanter Profanierungen – auch ein Abriss könne drohen. Dies „will das Bistum auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds zwar so nicht bestätigen“, die Sorge um den Kirchenbau ist nach Einschätzung eben jener Zeitung jedoch berechtigt. In jedem Fall ist dem Förderverein 2020 viel öffentliche Aufmerksamkeit zu wünschen, um für ihr Vorhaben Mittel und Unterstützung einzuwerben. (kb, 4.12.19)

Trier, Heiligkreuz (Bilder: oben: Elke Wetzig, GFDL, CC BY SA 3.0, 2009; unten: Berthold Werner, GFDL, CC BY SA 3.0, 2009)

Böhm sakral

Gleich drei Generationen der rheinischen Architektenfamilie Böhm prägen seit annähernd 100 Jahren den Kirchenbau in Deutschland und darüber hinaus: In den 1920er Jahren machte Dominikus Böhm den Anfang mit ikonischen expressionistisch-gotischen Baukörpern wie St. Engelbert (1932) in Köln-Riehl („Zitronenpresse“). Ihm folgte sein Sohn Gottfried, der als gelernter Bildhauer zu betonplastischen Raumschöpfungen wie dem Mariendom in Neviges (1968) fand. Bis heute führt die Enkelgeneration mit Peter und Paul Böhm die Familientradition fort. Druckfrisch im Schnell-und-Steiner-Verlag erschienen, stellt ein neuer Fotoband diese Bandbreite des Kirchenbaus vor.

Die „kommentierte Foto-Dokumentation zum modernen Kirchenbau in Deutschland“, so der Verlag, verbindet Fotografien von Hartmut Junker. mit Texten der Kunsthistorikerin Stefanie Lieb. Das Buch wird vorgestellt am 23. Oktober 2019 um 19 Uhr in der Gottfried-Böhm-Kirche St. Gertrud in Köln (Krefelder Straße 57, 50670 Köln), es sprechen die Kunsthistorikerin Dr. Stefanie Lieb und der Fotograf Hartmut Junker, anwesend ist der Schnell-und-Steiner-Verlagschef Albrecht Weiland. Im Anschluss wird bei Wasser und Wein zum geselligen Ausklang geladen. (kb, 23.10.19)

Lieb, Stefanie (Text)/Junker, Hartmut (Fotos), Sakralbauten der Architektenfamilie Böhm, Schnell und Steiner, Regensburg 2019, 300 Farbabbildungen, 480 Seiten, 23 x 30 cm, Hardcover, ISBN 978-3-7954-3347-5.

Titelmotiv: Buchcover (Bild: Schnell und Steiner, Detail)