Gottfried Böhm

Essen-Katernberg, Heilig-Geist-Kirche (Bild: Wiki05, gemeinfrei, 2008)

Essen: Böhm-Kirche soll verkauft werden

Anfang Februar hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Stadtplanung beschlossen, die Heilig-Geist-Kirche in Essen-Katernberg mit den dazugehörigen vier Gemeindebauten auf die Denkmalliste zu setzen. Auch die Initiative „Big Beautiful Buildings“ hatte die Kirche in die Reihe der ausgezeichneten Objekte aufgenommen. Der 1958 geweihte Bau entstand ebenso wie zahlreiche seiner Ausstattungsstücke nach Entwürfen des Architekten Gottfried Böhm. Der Pritzker-Preis-Träger überspannte den mit Back- und Naturstein verkleideten Baukörper mit einem gläsernen „Zelt“, aufgehängt an Stahlbeton-Dreieckspylonen. Der Neubau ersetze eine 1934 geweihte Kirche, die man in einer ehemaligen Fabrikhalle eingerichtet hatte.

Zum Ensemble gehören neben dem Kirchenraum heute ein Pfarrhaus, ein Jugendheim, ein Kindergarten und ein Küsterhaus – alle ebenfalls entworfen von Gottfried Böhm. Die Glasgestaltung von Helmut Lang wurde Mitte der 1980er Jahre um Werke von Joachim Klos ergänzt. Mitte Februar gab die Gemeinde bekannt, den Kirchenbau am Meybuschhof verkaufen zu wollen. Dem Bistum wie der Gemeinde sei, wie man der Presse gegenüber erklärte, „der besondere Wert der Kirche bewusst“. Die neue Nutzung für das Kulturdenkmal in Nachbarschaft zur Zeche Zollverein solle „möglichst dem besonderen Wert des Gebäudes entsprechen“. Noch läuft die Suche nach einem geeigneten Käufer. (kb, 28.2.19)

Essen-Katernberg, Heilig-Geist-Kirche (Bild: Wiki05, gemeinfrei, 2008)

Paul Böhm mit seinem Vater Gottfried, dessem älteren Bruder Paul Böhm (*1918) und seinem eigenen Bruder Stephan bei der Filmpremiere von „Die Böhms – Architektur einer Familie“ in Köln (Bild: Shedow373, CC BY SA 4.0, 2015)

Einen Schnaps auf Gottfried Böhm

Sie können wahlweise auch ein Glas Kinderpunsch erheben, aber gratulieren sollten Sie unbedingt: Gottfried Böhm wird heute 99 Jahre alt. Geboren wurde er am 23. Januar 1920 in Offenbach. Nach Kriegsende arbeitete der ausgebildete Architekt und Bildhauer gemeinsam mit seinem Vater, dem Baumeister Dominikus Böhm. Als erstes eigenständiges Werk gilt die Kölner Kapelle „Madonna in den Trümmern“ (St. Kolumba, 1947/57, erweitert 2007 von Peter Zumthor zum Diözesanmuseum). Es folgten über die Jahrzehnte betonplastische Ikonen wie der Mariendom in Neviges (1968) oder das Rathaus in Bensberg (1972). Nicht zuletzt setzte er mit seiner Frau, der Architektin Elisabeth Haggenmüller (1921-2012) und seinen Söhnen Stephan, Peter und Paul erfolgreich die künstlerische Familientradition fort.

Schon lange genießt Gottfried Böhm hohes internationales Ansehen: 1986 etwa erhielt er den renommierten Pritzker-Preis. Doch selbst seine Kirchen blieben nicht völlig verschont von Schließung und Umnutzung: Das Gesamtkunstwerk St. Ursula in Hürth-Kalscheuren (1956, mit Dominikus Böhm) wurde 2006 profaniert, dient heute als Kultur- und Ausstellungsraum. In Bochum wurden gleich zwei seiner Gottesdiensträume geschlossen, in Oberhausen diskutiert man aktuell die Aufgabe der Klosterkirche Zu unserer Lieben Frau (1957). (kb, 23.1.19)

Oben: Gute Gene – Paul Böhm mit seinem Vater Gottfried, seinem Onkel Paul (* 1918) und seinem Bruder Stephan bei der Filmpremiere von „Die Böhms“ (Bild: Shedow373, CC BY SA 4.0, 2015)

Neviges, Mariendom (Bild: seier+seier, CC BY SA 2.0, 2008)

50 Jahre Mariendom Neviges

Im Sommer 1968 wurde das Böhmsche Betongebirge in Neviges geweiht, kurz darauf eröffnete Erzbischof Joseph Kardinal Frings die Wallfahrt zur Kirche „Maria, Königin des Friedens“. Den Anfang nahm der brutalistische Bau mit einem Modell, das den halb erblindeten Frings beim Ertasten überzeugt haben soll. Er ließ den eigentlich schon entschiedenen Wettbewerb zu Gottfried Böhms Gunsten neu auflegen. Daraufhin schuf der Kölner Baumeister einen Raum für bis zu 6.000 Pilger. Manche erinnert die Großform an ein Kristall, andere an ein Gebirge oder Zelt.

Von Böhm stammen auch weite Teile der Ausstattung wie die farbstarken Fenster, die u. a. das Mariensymbol der Rose aufgreifen. Zurückgeführt wird die Wallfahrt auf eine Marienerscheinung im 17. Jahrhundert. Bis heute kommen Menschen aus vielfältigen Gründen, zunehmend auch wegen der architektonischen Reize der begehbaren Plastik – vor allem zum 50. Jahrestag, der mit der aktuellen Wiederentdeckung des Brutalismus als Kunstform zusammenfällt. Wer den Jubiläumsgottesdienst verpasst hat, kann ihn online nachholen. Am 8. Juli begeht der Domchor sein 50. Jubiläum um 10 Uhr mit einem musikalischen Festgottesdienst, am 26. August wird die „Äußere Feier des Patronatsfests“ ausgerichtet. Das Feierjahr wird beschlossen durch eine Licht- und Toninstallation am 8., 10. und 11. November jeweils um 20 Uhr. (kb, 5.6.18)

Neviges, Mariendom (Bild: seier+seier, CC BY SA 2.0, 2008)

Saarbrücken, St. Albert (Bild: Maren Dittmann)

Die langen Wellen der Utopie

Für eine kurze Zeit verfügte das Saarland nach dem Krieg – im Weichgebiet zwischen Frankreich und der sich formierenden BRD – über eine Art von Selbständigkeit. Damals entstanden bemerkenswerte Bauwerke, die das Beste aus beiden Traditionen zu verbinden wussten: der Langwellensender „EUROPE 1“ bei Saarlouis, der Pingusson-Bau (ehemalige Französische Botschaft) in Saarbrücken, Fertigteil-Wohnungsbauten der Forbacher Werk der Firma Dietsch wie Behren bei Forbach und die Folsterhöhe in Saarbrücken oder jüngere Siedlungsprojekte wie Le Wiesberg von Émile Aillaud in Forbach – und nicht zuletzt Kirchenbauten wie St. Albert in Saarbrücken von Gottfried Böhm oder Maria Königin von Rudolf Schwarz, beide in Saarbrücken.

Dieses grenzüberschreitende Kulturerbe nehmen der Werkbund, das Ministerium für Bildung und Kultur Saarland sowie K8 Institut für strategische Ästhetik forschend, inszenierend und vermittelnd zum Thema ihres Echy-Beitrags „Resonanzen – Die langen Wellen der Utopie“. Sie werden mit einer Veranstaltungsreihe gewürdigt, wie z. B.: eine Performance im Pingusson-Bau am 9. August und im Sender Europe am 11. August, eine Ausstellung im Pingusson-Bau vom 29. September bis zum 30. November, die Ringvorlesung „Erinnerung und Aufbruch“ im Pingusson-Bau in diesem Sommersemester (jeweils mittwochs 18 Uhr, freier Eintritt). (kb, 1.6.18)

Titelmotiv: Saarbrücken, St. Albert (Bild: Maren Dittmann)

Die Architekten Böhm am Modell der Wallfahrtskirche von Neviges. Gottfried Böhm mit seinen Söhnen Stephan, Paul und Peter Böhm (Foto: Jan Klein)

„Die Böhms“ gehen

Denken Sie jetzt nichts Falsches – die zweite und dritte Generation der großen Kölner Kirchbau-Dynastie sind wohlauf. Nur mit ihrer virtuellen Anwesenheit in Stuttgart ist bald Schluss. Noch bis zum 15. April 2018 ist die Ausstellung „DIe Böhms“ noch in der dortigen architekturgalerie am weißenhof zu sehen. Die Präsentation widmet sich den Architekten Dominikus Böhm, seinem Sohn Gottfried Böhm und dessen Söhnen Stephan, Peter und Paul Böhm. Ausgewählte Beispiele – Handzeichnungen und Fotografien – veranschaulichen ebenso die Gemeinsamkeit in der Familientradition wie die Eigenständigkeit der einzelnen Persönlichkeiten und ihrer Architektur.

Die Bauten der Böhms wurden zu Beginn häufig in Beton, später in Stahl und Glas ausgeführt – alle wirken sie wie begehbare Skulpturen. In der Fachliteratur werden dafür gerne Begriffe wie Expressionismus oder Brutalismus bemüht. Wolfgang Pehnt spricht vom „Böhm-Touch“ geprägt. Stephan Böhm selbst sieht das Typische der drei Generationen darin, „dass sie alle etwas neben der allgemeinen Architekturrichtung (Mainstream) liefen. Und das war nicht gewollt oder gar erzwungen, es hatte sich einfach so ergeben.“ Die Finissage zur Ausstellung findet am 15. April um 16 Uhr in der architekturgalerie am weißenhof (Am Weißenhof 30, 70191 Stuttgart) statt. (kb, 26.3.18)

Die Architektendynastie – Gottfried Böhm mit seinen Söhnen Stephan, Paul und Peter Böh m- am Modell der Wallfahrtskirche von Neviges (Foto: Jan Klein)

Bonn: Museum mit Chlor-Geruch?

Fenster_Viktoriabad (Bild: Hagmann, CC-BY-SA 3.0)
Die Fensterfront des Viktoriabades wurde von Gottfried Böhm gestaltet und steht seit 2013 unter Denkmalschutz (Bild: Hagmann, CC BY SA 3.0)

Seit 1998 sitzt das Bonner Stadtmuseum im Obergeschoss des alten Viktoriabades im Zentrum der Stadt. Das Schwimmbad steht seit der Schließung im Jahr 2010 leer, ein großangelegtes Bauprojekt für den umliegenden Wohnblock scheiterte jüngst. Nun schlägt Gisbert Knopp, der Direktor des Stadtmuseums, nach Informationen des Bonner Generalanzeigers eine neue Nutzung der verwaisten Schwimmhallen vor: Die ehemalige Badeanstalt soll gänzlich zum Museum umfunktioniert werden. Momentan ist den Besuchern auf Grund der beengten Platzverhältnisse nur ein Bruchteil der Sammlung des Stadtmuseums zugänglich.

Stadthistorisches Potential hat der Bau allemal. 1906 wurde er feierlich in Beisein der Namenspatronin Viktoria zu Schaumburg-Lippe, der Schwester Wilhelms II., als erstes Hallenbad der Stadt eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bad zwar beschädigt, konnte jedoch wieder aufgebaut werden. In den 1960ern entschied man sich schließlich, den historischen Bau abzureißen und an seiner Stelle das heutige Viktoriabad zu errichten. Es wurde 1971 eröffnet. Highlight des nüchternen Baus ist die 30 x 7,60 Meter große Fensterfront, die von Gottfried Böhm gestaltet wurde. Seit 2013 steht sie unter Denkmalschutz. (jr, 12.4.16)