Grafiken von Jürgen Peters

Grafiken von Jürgen Peters

Juergen_Peters_Quart_1973_Copyright_K.Peters
Einst berühmt, heute von der Kunstwelt vergessen: der Grafiker Jürgen Peters („Quart“, 1973, Copyright: K. Peters)

In den späten 1970er-Jahren war der Grafiker Jürgen Peters berühmt. Der gebürtige Hamburger war mit seiner Frau einige Jahre zuvor nach Kalifornien gezogen und legte eine rasante Karriere hin: Seine Werke hingen in großen Galerien, zierten etliche Schulbücher und im oscarprämierten Hollywood-Film „Kramer gegen Kramer“ (1979) stritten Meryl Streep und Dustin Hofmann vor einem Peters-Bild. In den 1980ern verblasste der Ruhm und es folgte ein jäher Absturz, begleitet von Alkohol, Streit und Trennung. Verarmt kehrte Jürgen Peters nach Deutschland zurück, war kurzzeitig sogar obdachlos. 1997 ist er mit nur 60 Jahren gestorben und ist heute nahezu vergessen – es gibt nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag.

Die wahlberliner Künstlerin und Dokumentarfilmerin Katarina Peters, Tochter von Jürgen Peters, hat nun im „Elternhaus“ in Dreieich-Sprendlingen eine Ausstellung mit Werken ihres Vaters kuratiert. Erstmals seit 19 Jahren sind nun wieder Arbeiten des ehrenvoll gescheiterten Grafik-Genies zu sehen – in einem Reihenhaus der 1950er-Jahre, tatsächlich das Elternhaus der befreundeten Künstlerin Anjali Göbel und heute Ausstellungsraum. Einziger Wermutstropfen: Sie müssen sich sehr beeilen, denn die Ausstellung endet leider am kommenden Wochenende (19. Juni). Geöffnet ist das „Elternhaus“ Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. (db, 15.6.16)

Alles neu!

Alles neu!

Alles Neu Futura (Bild: MAK)
Frankfurter Kreation: die Futura (Bild: Museum Angewandte Kunst Frankfurt)

Beim „Neuen Frankfurt“ denken Architekturliebhaber wohl zuerst an die avantgardistischen Bauprojekte, welche die Mainmetropole in den 1920er Jahren prägten. Doch auch auf anderen Gebieten hatte die Stadt die Nase vorn, etwa bei Typografie und Grafik. Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt widmet diesen beiden Feldern bis zum 21. August 2016 die Sonderausstellung „Alles neu! 100 Jahre Neue Typografie und Neue Grafik in Frankfurt am Main“. Im Fokus stehen die 1920er Jahre, doch auch die Nachkriegszeit, die 1980er sowie die Gegenwart werden beleuchtet.

Ausgangspunkt ist eine umfangreiche Sammlung von Geschäfts- und Privatdrucksachen aus dem Nachlass Philipp Albinus‘. Als Fachlehrer für Typografie und Werkstattleiter für Schriftsatz an der Städtischen Kunstgewerbeschule war er ein entscheidender Akteur auf dem Weg zu einer modernen Typografie Frankfurter Provenienz. Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurden in Drucksachen gebrochene Schriften verwendet, die noch auf die Zeit der Erfindung des Buchdrucks zurückgingen. In den 1920ern zog die Gestaltungsmoderne innerhalb weniger Jahre in die Typografie ein. Die wahrscheinlich bekannteste Frankfurter Schrift ist die Futura, die 1927 von Paul Renner entwickelt wurde und weltweit Verbreitung fand. Zur Durchsetzung verhalfen der neuen Typografie auch die Schriftgießereien des Rhein-Main-Gebiets, die auf die modernen Schrifttypen setzten. (jr, 19.4.16)

Kyrillische Avantgarde

„Eine Ohrfeige für den bürgerlichen Geschmack“ nannten es die russischen Avantgardisten selbstbewusst. Tatsächlich erlebte ihre Kunst im revolutionären Russland eine tiefgreifende Umwälzung. Dies äußerte sich nicht nur in konstruktivistischer Architektur oder den progressiven Kinofilmen Sergej Ėjzenštejns, sondern auch bei Grafik, Typografie und Plakatdesign. Die Unterschiede zwischen Hoch- und Alltagskultur sollten eingeebnet, eine politisch relevante Synthese aus Sprache, Schrift und Bild entstehen. Im Gegensatz zum Umsturz der Bol’ševiki wirkte diese ästhetische Revolution grenzübergreifend stilbildend und wirkt auch heute noch modern.

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig greift dieses Thema mit der Ausstellung „SchriftBild. Russische Avantgarde“ auf. Sie versammelt die Arbeiten zahlreicher russischer KünstlerInnen – darunter Vladimir Majakovskij, Alexandr Rodčenko, Natalija Gončarova, Pavel Tret’jakov und Varvara Stepanova. Die Schau wurde im Rahmen des „Jahres der deutsch-russischen Literatur“ mit dem Staatlichen Museums- und Ausstellungszentrum ROSIZO in Moskau konzipiert. Begleitend erscheint unter demselben Titel ein Bilder- und Lesebuch. Die Ausstellung ist bis zum 4. Oktober 2015 zu sehen. (jr, 13.6.15)

„Neu! Hinschauen!“ – lassen diese Werbelesezeichen Rodtschenkos überhaupt eine Wahl? (Bild: Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Archiv von A. Rodtschenko und W. Stepanowa, Moskau)