Schlagwort: Grafikdesign

Israel-Plakat mit dem Ben-Gurion-Haus in Tel Aviv, 1975 (Bild: Verlag Hermann Schmidt)

70 Jahre Israel in 70 Plakaten

Vor 70 Jahren, am 14. Mai 1948, wurde Israel als Staat begründet. Zum Jubiläum gingen die Deutsche Henrietta Singer und die Israelin Sara Neumann in die Archive und suchten Plakate aus diesen sieben Jahrzehnten. Sie besuchten die Gestalter, soweit sie noch leben. Sie führten Interviews mit Zeitzeugen und eröffneten damit einen neuen Blick auf das Land, das so beständig mit Krisennachrichten durch die Medien geistert.

Im Spiegel des Grafikdesigns tauchen immer die großen Themen auf, die den jungen Staat und seine Bewohner bis heute begleiten: Einwanderung und Tourismus. In hebräischen Schriftzügen sprechen sie von Pioniergeist und Frieden. Sie zeigen drei Religionen und ihre Konflikte. Das Buchformat bleibt klein, denn – so die beiden Autorinnen – „Israel ist ja auch klein!“. Die Plakate werden um 90 Grad gedreht im Querformat abgebildet und fordern damit zum genauen Hinschauen, zum Perspektivwechsel heraus. (kb, 2.11.18)

Singer, Henrietta/Neumann, Sara, 70 Jahre Israel in 70 Plakaten, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2018, 336 Seiten, 11,1 x 16,2 cm, Hardcover, ISBN 978-3-87439-906-7.

Titelmotiv: Israel-Plakat mit dem Ben-Gurion-Haus in Tel Aviv, 1975 (Bild: Verlag Hermann Schmidt)

Rodtschenko, Lengiz (Bild: Bröhan-Museum, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

The Paper Revolution

2017 feierte die Russische Oktoberrevolution ihren 100. Geburtstag, nicht nur in Russland erinnerten zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen daran. Wer das Jubiläum noch ein bisschen länger begehen möchte, hat bis zum 21. Januar in Berlin die Gelegenheit dazu. So lange ist die Ausstellung „The Paper Revolution. Sowjetisches Grafikdesign der 1920er und 1930er Jahre“ im Bröhan-Museum noch zu sehen. Die im November 2017 eröffnete Schau ist eine Kooperationsveranstaltung mit dem Moscow Design Museum.

Nach der Revolution gewährte die junge UdSSR avantgardistischen Künstlern große Entfaltungsfreiheit, umgekehrt begriffen viele Kulturschaffende den radikalen gesellschaftlichen Wandel als Inspirationsquell. Der Konstruktivismus setzte ästhetische Maßstäbe, die weit über die Grenzen des Staates hinaus große Beachtung fanden. Sogar kommunistische Propangandaplakate avancierten zu anspruchsvollen Kunstwerken. Die Ausstellung versammelt grafische Arbeiten, darunter Plakate, Bücher, Zeitschriften und Postkarten von Künstlern wie Aleksandr Rodčenko, Varvara Stepanova, Gustav Klutsis, Ėl‘ Lisickij oder Anton Lavinskij. (jr, 7.1.18)

Aleksandr Rodčenko: „Lengiz“ (Bild: Bröhan-Museum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Es folgt: Die Werbung

Continental-werbung (Bild Railweh 10, cc-by-sa-3.0)
Das ideale Accessoire zur autogerechten Stadt (Bild: Railweh 10, cc-by-sa-3.0)

Nur echt mit 52 Zähnen – diesen Slogan eines Hannoveraner Plätzchenbäckers kennt wohl jeder. Und dies ist nicht die einzige Werbung aus der niedersächsischen Hauptstadt, die im Kopf der Vor- und Nachkriegsgenerationen geblieben ist. Auch Firmen wie Continental, Pelikan oder Sprengel machten mit breit angelegten Kampagnen auf ihre Produkte aufmerksam.

Die Ausstellung „Reklamekunst aus Hannover“ lässt Klassiker der Werbung aus den Jahren 1900 bis 1970 Revue passieren, die Produkte aus der Stadt an der Leine anpriesen. Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete sich in Deutschland mit der Werbung ein neues Berufsfeld für Gafiker und Designer. Dabei war keineswegs ausgemacht, dass Reklame nur eine Banalität des Alltags sei. Viele sahen in ihr vielmehr eine potentiell anspruchsvolle Form der angewandten Kunst. Die Ausstellung versammelt Werbung nach Entwürfen von Künstlern aus Hannover, aber auch von renommierten Ge­brauchsgrafikern aus ganz Deutschland, unter anderem Änne Koken, Ferdy Horrmeyer und Paul Rademacher und Martel Schwichtenberg. Sie ist bis zum 29. Januar 2017 im Museum August Kestner zu sehen. (jr, 3.10.16)