Nach Graz zum Superstudio

Wenn Sie etwas Zeit entbehren können und den (möglicherweise) goldenen Oktober nutzen wollen, hätten wir einen Vorschlag für Sie: Fahren Sie doch mal ins schöne Graz. Dort läuft im Rahmen des Kulturfestivals steyerischer herbst ’19 und der Future Architecture Platform im HDA noch bis zum 8. November 2019 die Ausstellung „Sorry, the file you have requested does not exist. Liebe Grüße aus Graz von Superstudio“. Die Architektuen- und Künstlergruppe Superstudio existiert zwar seit Ende der 1970er nicht mehr und hat auch nie gebaut, doch sie schuf Bilder und Ideenskizzen, deren Einfluss bis in die Architektur der Gegenwart anhält.

Die Grazer Schau stellt das Werk des 1966 in Florenz gegründeten Superstudio den Positionen von zeitgenössischer Kunst und Architektur gegenüber. Heute würde man die Gruppe wohl „Think-Tank“ nennen – ähnlich wie ihre Zeitgenossen von Archigram (1960-74) und den ebenfalls in Italien gegründeten Archizoom (1966-74). Sie alle hinterfragten provokant die Rolle der Architektur in der Gesellschaft und übten dabei mal mehr mal weniger deutlich Konsum- und Kapitalismuskritik. In Graz hinterfragen nun auch die aktuellen Künstler die Rolle der Architektur und suchen nach Zukunftspotentialen. (db, 8.10.19)

Superstudio, „Frühjahrsputz“, 1971 (Bild: MAXXI National museum of 21st century arts, Rom)

Fotografien aus den NS-Lagern

Fotografien aus den NS-Lagern

Mahn- und Gedenkstätte KZ Ravensbrück - Wohnhaus für die SS-Wachmannschaft (Bild: Norbert Radtke)
Eine Tagung in der Mahn- und Gedenkstätte KZ – Ravensbrück – hier ein Foto vom Wohnhaus für die SS-Wachmannschaft – gab den Anstoß zur geplanten Tagung in Graz (Bild: Norbert Radtke)

2015 stellte sich die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück dem Thema „Fotografie in Konzentrationslagern“. Mit einer über fünf Tage angelegten Sommer-Universität wurde die Spannbreite von Täterbildern, SS-Alben, privaten Knipser-Aufnahmen sowie der Alliierten Fotografie bei der Befreiung der Lager diskutiert. Nicht zuletzt regten die in Ravensbrück aufgeworfenen Fragen dazu an, das Thema mit einer Konferenz weiterzuverfolgen. In Graz bereitet das dortige universitäre Centrum für Jüdische Studien daher für den 10. und 11. November 2016 die Tagung „Fotografien aus den Lagern des NS-Regimes“.

Für die Konzentrationslager galt ein striktes Fotografieverbot. Der immense Bestand an überliefertem Fotomaterial zeigt etwas, was es nach Anweisung der Lagerkommandanten nicht geben sollte – oder nur so, wie es autorisiert war. Für die Konferenz sind Studien willkommen, die ihre Bildquellen präzise bestimmen und in eingegrenzten Fallstudien präsentieren. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Organisatoren bemühen sich darum, dass Reise- und Aufenthaltskosten übernommen werden können. Themenvorschläge (ein kurzes Exposé (max. 500 Wörter) für einen Vortrag (25 Minuten) sowie einen kurzen Lebenslauf (max. 1000 Zeichen)) können bis zum 15. April 2016 eingereicht werden unter: hildegard.fruebis@uni-graz.at. (kb, 2.4.16)

Der Gummineger muss gehn

Der Gummineger muss gehn

Graz, Gummi-Neger (Bild: D. Bartetzko)
Ein Grazer Traditionsgeschäft: der Gummineger (Bild: D. Bartetzko)

Bitte mailen Sie uns nicht! Der Gummineger ist keine politisch bedenkliche Sprachschöpfung der Redaktion, sondern ein Laden in Graz. Vor gut hundert Jahren wurde er für Kautschukprodukte („Gummi“) aus Afrika („Neger“) in der Grazer Herrengasse gegründet und 1926 kam ein Laden in der Annenstraße hinzu. Zeitweise umfasste die Produktpalette allerlei Nützliches vom Parfüm bis zur Puppe. In den letzten Jahren hatte sich der Familienbetrieb auf maßgeschneiderte Schaumstoffprodukte spezialisiert.

In Mainz muss die Dachdeckerfirma Ernst Neger mit Kritik kämpfen, weil das Firmenlogo des Familienbetriebs einen hammerschwingenden „Eingeborenen“ (hier sind die Anführungszeichen wirklich mal angebracht) zeigt. In Graz erklärt der Gummi-Neger-Geschäftsführer Heinz Siegl den – für unsere politisch korrekten Ohren anstößigen – Ladennamen historisch: Man grenzte sich vom Konkurrenzladen ab, der seinen Kautschuk aus Amerika bezog und sich Gummi-Indianer nannte. Siegl sieht das Ganze pragmatisch: „Früher war Gummi Neger noch ein geschützter Name!“, zitiert ihn das Onlineportal Annenpost. „Aber ich zahle nichts mehr ein, denn wer würde sich heute noch freiwillig so nennen?“ Dass das Traditionsgeschäft nun seinen eigenen Ausverkauf organisiert, hat aber keine politischen Gründe. Altersbedingt will der 72-jährige Siegl sein Metier künftig nur noch als Hobby für Stammkunden betreiben. (db/kb, 8.1.16)