Hamburgs Kulthochhäuser werden 70

Am 12. Juli 1946 wurde feierlich der erste Spatenstich gesetzt für einen “Hochhauskomplex” der besonderen Art: zwölf bis zu 15-stöckige verklinkerte Riegel mit Flugdach in Hamburg-Harvestehude. In den Straßenzügen Grindelberg, Hallerstraße, Brahmsallee und Oberstraße entstand bis 1956 eine großzügig durchgrünte Anlage auf einem Gebiet, wo unter dem Namen “hamburg project” zunächst die britischen Alliierten unterkommen sollten. Bis sich diese mit den Amerikanern für Frankfurt entschieden und das Grindelareal zum bundesdeutschen Vorzeige-Wohnprojekt avancierte.

Die ersten vier Häuser entstanden in Stahlskelett-, die folgenden in der günstigeren Stahlbetonbauweise, im Untergeschoss Laden- und Praxisflächen, darüber Wohnraum satt. Als Planer wurden gezielt Architekten gewonnen, die sich im Nationalsozialismus gar nicht oder nur im Industriebau hervorgetan hatten. Zur “Gruppe der Grindelberg-Architekten” gehörten Bernhard Hermkes, Bernhard Hopp, Carl Karpinski, Rudolf Lodders, Rudolf Jäger, Albrecht Sander, Ferdinand Streb, Fritz Trautwein und Hermann Zess. Heute steht das denkmalgeschützte Ensemble vielen für die elegante Form der Moderne, als schmucke Hochhausriegel noch von viel Grün umgeben hohe Wohnqualität boten. (kb, 2.8.16)

Hamburg, Grindelhochhaus (Bild: Ajepbah, CC BY SA)

TofD: Einfach mal wieder auftanken

Auch für Freunde des automobilen Kulturguts hat der Tag des offenen Denkmals vom 11. bis zum 13. September einiges zu bieten. Alleine in Hamburg gibt es fünf denkmalgeschützte Tankstellen. Das jüngste vorgestellte Projekt ist die Sanierung der Zapfstation an den Grindelhochhäusern, die 1953 durch die Architektengemeinschaft Grindelberg errichtet wurde. Der Benzinverkauf wurde schon in den 1980er Jahren eingestellt, lange residiert dort eine Autohändlerin. Nach kurzem Leerstand beherbergt der Bau seit 2014 eine Fahrradwerkstatt samt Kaffeebar zum Auftanken von Koffein. Der Verein Freunde der Denkmalpflege e. V. bietet hier am Sonntag (13. September) von 13 bis 16 Uhr Führungen.

Auch die bundesweit bekannte Tankstelle Brandshof, 1953 von Wilhelm Mastiaux und Ulrich Rummel entworfen, öffnet wieder ihre Pforten für Architektur-Interessierte. Hier gibt es zwar heute kein Benzin mehr, doch werden Besucher garantiert einige Oldtimer zu sehen bekommen: Die heutigen Betreiber führen dort eine kleine Gastronomie und ein Ingenieurbüro – und laden regelmäßig zu Oldtimertreffs ein. Samstag und Sonntag (12. und 13. September) gibt es von 11 bis 17 Uhr Kaffee und Kuchen; jeweils um 12 Uhr findet eine Führung durch die todschicke “Gasolin”-Station statt. (db, 25.8.15)

Die 2014 als Fahrradwerkstatt wiedereröffnete Ex-Tankstelle an den Hamburger Grindelhochhäusern kann beim TofD ebenfalls besichtigt werden (Bild: Stadt Hamburg)