Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhmes

Einmal wagte es ein Radiojournalist, Walter Gropius als einen der Väter des Bauhauses zu titulieren: „Ich bin DER Vater des Bauhauses“, folgt prompt die Retoure. Um ein weiteres Mal hatte der Altmeister seine Rolle in der Kunst- und Architekturgeschichte unterstrichen. Doch was steckt wirklich hinter der Heldenfigur Gropius? Pünktlich zum Jubiläum rüttelt der Künstler und Publizist Bernd Polster am Bauhausthron. Sein neues Buch „Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhmes“ erschien diesen Monat im Carl Hanser Verlag. 

Das große Talent von Gropius war demnach weniger entwerferischer Natur. Nach dem abgebrochenen Architektur-Studium baute er sich einen Kreis von talentierten Mitstreitern auf – ohne dabei jemals zu vergessen, seinen eigenen Namen in den Vordergrund zu schieben. Auch bei der Betrachtung seines Bauhauses lassen sich Parallelen ziehen. Es entstanden große Marken, hinter denen nicht selten wichtige Einzelprotagonisten verschwanden. Bis zu seinem Ende in Boston, strickte Gropius an seinem eigenen und am Bauhaus-Mythos. Auch dort galt er bis zuletzt als der Heilsbringer, der die Moderne aus der alten in die neue Welt transferierte. Als jedoch offenbar wurde, dass nicht alle Versprechen gehalten werden konnten, bröckelte die strahlend weiße Fassade. (jm, 24.3.19)

Walter Gropius 1955 zur Einweihung der Hochschule für Gestaltung Ulm (BIld: René Spitz, CC BY SA 3.0)

Bauhaus Lab 2018: The Universal Connector

„Im Winter 1941 haben Walter Gropius und ich in Lincoln Mass. beschlossen, in möglichst umfassender Weise ein System der Baukonstruktion im Sinne industrieller Forderungen zu entwickeln, das später unter dem Namen General Panel System bekannt wurde.“ Dabei ging es Konrad Wachsmann um ein universelles Bausystem aus Standardverbindungen und Standardprofilen. Es wurde 1944 in den USA patentiert und wurde zum Teil einer neuen Raumarchitektur großer Spannweite. Wachsmann träumte von einem neuen, die Schwerkraft überwindender Raum, befreit von der Masse und Monumentalität konventioneller Baukunst. Standardisierung sollte so zu größtmöglicher Flexibilität führen.

Das diesjährige Bauhaus-Lab – das inzwischen traditionsreiche, dreimonatige, Internationales Forschungsprogramm – wird sich 2018 dieser hochaktuellen Vision widmen unter dem Titel: „The Universal Connector: Building Systems after the Bauhaus“. Die Teilnehmer untersuchen die hierin gebündelten Elemente und Diskurse. Die gemeinsam erarbeitete Ausstellung im Bauhaus in Dessau bietet dann Anknüpfungspunkte für das Zusammenbauen gegenwärtiger Behausungen. Bewerben können sich bis zum 15. März 2018 (das Bauhaus Lab findet vom 7. Mai bis zum 9. August 2018 in den USA und Deutschland statt) internationale Berufseinsteiger und Postgraduierte aus Architektur und Design sowie junge Kuratoren und Designforscher. Abschließend werden die Ergebnisse in einer gemeinsamen Ausstellung am Bauhaus in Dessau präsentiert. (kb, 11.2.18)

Konrad Wachsmann/Walter Gropius, General-Panel-System, 1942/43 (© VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: George H. Davis)

Gropius to Go

Gropius to Go

"Gropius to Go" - Screenshot der neuen App des Landesdenkmalamts Berlin
„Gropius to Go“ – Screenshot der neuen App

„Walter Gropius ist der Architekt des 20. Jahrhunderts, der mehr als jeder andere moderne Baukünstler auf der Welterbeliste vertreten ist und als einer der Wegbereiter der Moderne für das UNESCO-Welterbe gelten darf.“ So fasst der Berliner Landeskonservator Jörg Haspel die Motivation für die neueste Errungenschaft der Berliner Denkmalpflege zusammen: Die kostenlose App „Gropius to Go“, geeignet für Android- und iOS-Geräte, wurde als digitaler Gropius-Stadtführer vom Landesdenkmalamt Berlin in Kooperation mit visitBerlin und freundlicher Unterstützung des Bauhaus-Archivs/Museum für Gestaltung entwickelt.

Der digitale Helfer führt ein in Biografie und Werk von Walter Gropius, bietet einen Überblick der Bauten und Projekte von Walter Gropius in Berlin und informiert darüber mit Fotografien und Kurzbeschreibungen. Für die Nutzer werden Touren zu Großprojekten und UNESCO-Welterbesiedlungen der Moderne von Walter Gropius in Berlin vorgeschlagen und interaktives Kartenmaterial zu allen Bau- und Bildwerken von Walter Gropius in Berlin bereitgehalten. Anlass zur Entwicklung der App gab die Triennale der Moderne. 2016 stand die Veranstaltung im Zeichen des 90-jährigen Jubiläums des Bauhaus-Gebäudes in Dessau von Walter Gropius. Der Berliner Themenschwerpunkt lautete: „Walter Gropius und das Erbe der Moderne“. Die App kann bei Google Play und für IOS im App-Store heruntergeladen werden. (kb, 2.11.16)