Neuperlach 50+

Große Stadtentwicklungsprojekte führen fast immer zu intensiven Debatten über Fragen wie Wachstum, Dichte, architektonische Qualität, Urbanität und mehr. Neben der Online-Veranstaltungsreihe “MODERNE Strukturen und Ideen im Wandel” (mR ist Medienpartner!) beschäftigt sich auch die Evangelische Stadtakademie München mit “Ideen zur Stadtentwicklung” – und zwar regional: Es wird überlegt, was man von anderen Großsiedlungsprojekten im deutschsprachigen Raum für die Stadtentwicklung in München lernen kann. Wien Alt Erlaa war bereits im Oktober Thema einer Abendveranstaltung, 2022 geht es noch nach Freiburg-Dietenbach (20.1.) und Hamburg Oberbillwerder (3.2.). Die nun aber folgende Veranstaltung am 25. November bleibt ganz in der Nähe: “Nicht perfekt, aber gut erhalten” heißt der Untertitel des Vortrags/ Podiumsdiskussion zu Neuperlach, dem auf der Grünen Wiese erricheten südöstlichsten Stadtteil der Bayrischen Landeshauptstadt.

Am 11. Mai 1967 wurde der Grundstein für die „Entlastungsstadt Perlach“ gelegt, die der damaligen Wohnungsnot in der bayerischen Landeshauptstadt Einhalt gebieten sollte. Heute gibt es in diesem Stadtteil etwa 22.000 Wohnungen für 55.000 Menschen und vielfältige Arbeitsplätze. Das Image der „Satellitenstadt“ war indes nicht immer das Beste – sehr zu Unrecht, wie viele Bewohner*innen meinen, die mit ihrer Wohn- und Lebenssituation weitgehend zufrieden sind. Dennoch gibt es Anlässe für Sanierungen: weg von den großen Autoverkehrsschneisen, hin zum noch immer fehlenden Zentrum, zudem gibt es aufzuarbeitende Defizite bei Kultur und Gewerbe. Der Livestream aus dem kulturhaus Neuperlach bietet einen Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Hild (TU München), auf dem Podium sitzen Thomas Kauer (Vorsitzender Bezirksausschuss 16/Ramersdorf-Perlach), Florian Ring (Vorsitzender Bezirksausschuss 13/Bogenhausen), Ulli Knauer (KulturBunt Neuperlach). Beginn ist um 19.00 Uhr, anmelden kann man sich hier. Kooperationspartner sind die Münchner Volkshochschule, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Münchner Initiative für Soziales Bodenrecht. (db, 17.11.21)

München, Neuperlach (Bild: Tobiwankenobi, CC0)

Treffpunkt Einkaufszentrum

Der nächste Teil der Veranstaltungsreihe „MODERNE Strukturen und Ideen im Wandel“, bei der moderneREGIONAL Medienpartner ist, widmet sich dem Miteinander: „Komm‘, wir gehen ins … Einkaufszentrum?“ – wenn man Großwohnsiedlungen als neue Städte auffasst, musste dort öffentlicher Raum geplant und geschaffen werden. Seit Beginn des Baus solcher Siedlungen ist dies ein Thema, und scheint aktuell brennender denn je: Ist es gelungen, den in der europäischen Stadt prägenden öffentlichen Raum in den neuen Siedlungen zu reproduzieren? Konnte man das Versprechen einlösen, Begegnungs- und Aufenthaltsräume, soziale Angebote und Konsum zu verbinden? Wie werden Missstände reguliert? Die Beiträge dazu kommen aus historischer, architektonischer und denkmalpflegerischer Sicht, aber auch aus dem Stadtteilmanagement und aus der Sozialraumkoordination. Los geht es am 18. November um 16 Uhr online via Zoom.
 
Florian Mayr (Münchener Gesellschaft für Stadterneuerung) stellt die Entwicklungen in Neuperlach dar, hier vor allem die aktuelle Stabilisierung des Zentrums aus Sicht des Stadtteilmanagements. Heinz Tibbe (PLANWERK, Berlin) gibt einen Überblick über drei Berliner Projekte seit den 1990er Jahren: die Marzahner Promenade, die „Helle Mitte Hellersdorf“ und die Siedlung Neu-Hohenschönhausen in Lichtenberg. Jascha Braun (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Brauweiler) vergleicht die Zentren in Berlin-Marzahn und Köln-Chorweiler aus historischer und denkmalpflegerischer Sicht. Benjamin Stieb (Leiter der Sozialraumkoordination im Bürgerzentrum Köln-Chorweiler) berichtet über die sozialen Verhältnisse und Projekte in der dortigen Großwohnsiedlung. Die Veranstaltungsreihe findet online via Zoom statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Link: https://rwth.zoom.us/j/99120829780?pwd=NlBKZ2JiTUw2d2pFV1ZFYk9ra1lxZz09, Meeting-ID: 991 2082 9780, Kenncode: 771578. (mR, 15.11.21)

Köln Chorweiler (Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0)

Von Drinnen nach Draußen

Es wird Grün: Teil zwei der achtteiligen digitalen Veranstaltungsreihe “MODERNE Strukturen und Ideen im Wandel” – in Medienpartnerschaft mit moderneREGIONAL – stellt die Freiraumgestaltungen als selbständiges Element der Großwohnsiedlungen in den Fokus. Am 14. Oktober von 16 bis 18 Uhr geht es via Zoom einerseits um das Herausstellen zeitgenössischer Gestaltungsideale, andererseits um die Frage, wie man mit diesen Räumen in Gegenwart und Zukunft umgehen kann: aus Sicht von Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Denkmalpflege. Welche gestalterischen, sozialen und planerischen Werte gibt es, und warum werden Freiräume heute oft als reine Baulandreserven missverstanden? Liefern nicht gerade sie interessante Antworten auf drängende Fragen, nicht nur angesichts des Klimawandels?

Landschaftsarchitektin Susanne Weisser (Wuppertal) nimmt die im rheinischen Westen fast schon legendäre Großsiedlung Düsseldorf-Garath in den Blick und berichtet über „Eindrücke und Aspekte“ . Die Rostocker Denkmalpfleger Uta Jahnke und Peter Writschan stellen unter dem Titel „Städtebau im Rostocker Nordwesten (1960-1980) und Beispiel(e) visionärer Freiraumgestaltung(en)“ nicht weniger legendäre Pendants aus der DDR vor. Kirsten Angermann, Wiss. Mitarbeiterin an der Bauhaus Universität Weimar (Professur Denkmalpflege und Baugeschichte), berichtet von der Denkmalerfassung für die Berliner Anlage Ernst-Thälmann-Park und über die unterschiedlichen Blickwinkel auf Architektur und Grün. „Je grüner desto besser?“ fragt kritisch Stefanie Rößler, Wiss. Mitarbeiterin am Dresdner Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung. Sie stellt „Potenziale und Grenzen der Freiraumentwicklung für eine sozial-ökologische Transformation von Großwohnsiedlungen“ zur Diskussion. Die Moderation übernehmen Prof. Dr. Carola Neugebauer von der RWTH Aachen und Dr. Martin Bredenbeck (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland/Verband Deutscher Kunsthistoriker) und laden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, sich in die offene Diskussion dieses Formats einzubringen. Die Reihe ist interdisziplinär und dialogisch angelegt und lebt vom Input aller Mitwirkenden. (mR 4.10.21)

Der Zoom-Link: https://rwth.zoom.us/j/99120829780?pwd=NlBKZ2Ji
TUw2d2pFV1ZFYk9ra1lxZz09
, Meeting-ID: 991 2082 9780, Kenncode: 771578.

Berlin, Ernst-Thälmann-Denkmal (Bild: Max Schwalbe, CC BY-SA 4.0)