Köln ist traurige Spitze

Gegen Jahresende ziehen auch die Modernisten einen Strich unter Gewinne und (drohende) Verluste. Der europäische Denkmalschutz-Verbund Europea Nostra hat aktuell seine Shortlist mit den zwölf meistgefährdeten Bauten veröffentlicht, aus denen 2021 dann die sieben wirklich am meisten meistgefährdten Orte gekürt werden. Das Kultur-Dutzend enthält nur zwei moderne Highlights, darunter eine deutsche Nennung: das Kölner Grünsystem, nominiert vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Schon in den 1920er Jahren setzte sich (der spätere Bundeskanzler) Konrad Adenauer dafür ein, die ehemalige Wallanlage in ein grünes Band zwischen locker bebauten Wohnsiedlungen umzuwandeln. Aktuell droht das innovative Konzept jedoch von einer sich verdichtenden Metropole aufgefressen zu werden.

Nicht minder aufsehenerregend ist die Bedrohung für ein weiteres Kölner Kulturzeugnis: der Siemens-Bau in der Franz-Geuer-Straße. Der luftig gestaffelte Betonriegel wurde 1971 nach Entwürfen der Siemens-Bauabteilung (F. Pöhlmann mit D. Petersen) fertiggestellt. Im letzten Wintersemester hatten sich bereits Architekturstudierende der örtlichen TH mit dem ehemaligen Siemens-Areal auseinandergesetzt, das in eine Wohn-Gewerbe-Mischnutzung mit Kindertagesstätte umgewandelt werden soll. Für den Siemens-Bau könnte dies den Abriss bedeuten. Noch ist das Rennen nicht verloren: Das städtebauliche Konzept wird am 14. Dezember 2020 ab 19 Uhr öffentlich vorgestellt werden – coronabedingt als “Echtzeit-Online-Dialog”. (kb, 12.12.20)

Köln, Siemensgebäude in der Franz-Geuer-Straße (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, via wikimedia commons, 2020)