Vogel im Haus im Haus

Mit dem 1984 eröffneten Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main erschuf Oswald Mathias Ungers einen einzigartigen Museumstypus. Ins Zentrum einer entkernten Gründerzeitvilla stellte er einen Baukörper ein, der auf einem quadratischen Grundriss mit vier Stützen basiert. Über die Geschosse der Villa wächst der Baukörper zum stilisierten Ideal eines Hauses heran, ein Haus im Haus, das im Obergeschoss mit einem Satteldach abschließt. Ungers machte damit deutlich: Das Museum ist keine bloße Hülle für Architekturdarstellungen, es ist auch selbst Architektur im Maßstab 1:1. 

Ungers Schlüsselwerk findet anlässlich der Ausstellung “Einfach grün – Greening the City” eine ungewöhnliche neue Nutzung: als Nistkasten für Sperlinge, Meisen, Kleiber und Trauerschnäpper dient ein maßstabsgetreuer Nachbau des Haus im Haus. Die Ausstellung geht der Frage nach, was Grünflächen in der Architektur für Städte und ihre Bewohner:innen leisten können. Zu diesem Zweck ruft das DAM zum Einreichen von Projekten auf, die die Vielfalt an Möglichkeiten für Begrünungen im Bestand und Neubau widerspiegeln sollen. Eine Auswahl an nominierten Projekten kann bereits auf der Website eingesehen werden, weitere Einreichungen sind erwünscht. Die Ausstellung kann noch bis zum 11. Juli im DAM, sowie vom 31. Juli bis zum 12. September im StadtPalais – Museum für Stuttgart besucht werden. (re, 17.6.21)

Titelmotiv: Ungers Haus im Haus als Nistkasten (Bild: Deutsches Architekturmuseum Frankfurt)

Seouls Statt-Autobahn

Südkoreas Hauptstadt Seoul verabschiedet sich von der Idee der autogerechten Stadt – und zweckentfremdet die entsprechenden Planungen der 1970er. Jüngst wurde mit dem Seuollo 7017 Skypark eine innerstädtische Autobahn in einen linienförmigen Park verwandelt. Die ehemalige aufgestelzte Schnellstraße im Zentrum der Metropole soll es Spaziergängern künftig ermöglichen, einige Meter über dem tosenden Stadtverkehr durchs Grüne zu flanieren. Vorbild ist die High Line in New York, die das stillgelegte Hochbahnnetz der Stadt seit 2009 entsprechend nutzt.

Nach dem Koreakrieg wurde Seoul nach den Maßgaben der autogerechten Stadt transformiert und mit mehreren innerstädtischen Hochstraßen versehen. Seit einigen Jahren werden sie sukzessive rückgebaut oder, wie im Falle der Seoullo, einer neuen Nutzung zugeführt. Der neue Park erstreckt sich über fast einen Kilometer und bietet 24 000 Pflanzen Raum, die ehemalige Schnellstraße ist nun in mehrere Gartenareale unterteilt. Die Chiffre 7017 im Namen erklärt sich aus dem Baujahr der Straße (1970) und dem Jahr ihrer Umwidmung (2017). (jr, 3.6.17)

Seoulo 7017 Skypark, Seoul (Bild: Keneckert, CC BY SA 4.0)