100 Stunden Brutalismus in Marl

100 Stunden Brutalismus in vier Tagen? Doch, irgendwie wird das funktionieren: Von 27. bis zum 30. Juli bietet die Initiative Ruhrmoderne ein ambitioniertes Programm rund um “großartige und fatale Beispiele” des Brutalismus im nördlichen Ruhrgebiet an. Zu den Ausgewählten zählen neu geschaffene Städte und Stadtzentren, experimentelle Wohnstrukturen und weitere geglückte wie gescheiterte Planungen. Als Unterkunft für die Teilnehmer dient das “Hotel Ruhrmoderne” – die ehemalige Hauptschule von Günter Marschall (1967). Seit 2009 steht sie leer, auch wenn sie zwischenzeitlich zum – nie genutzten – Erstaufnahmelager umgestaltet wurde. Für vier Tage (bitte rechnen: das macht 96 Stunden) kehrt nun wieder Leben ein.

Die Exkursionen der Veranstaltung führen zu weiteren Bauten in Marl sowie durch die Neue Stadt Wulfen, in der unter anderem das grandios gescheiterte Habiflex (noch) steht. Und da die Fahrrad-Metropole Münster nahe ist, wird dort per Pedale die aktuell laufende Kunstschau “Skulpturen Projekte” erkundet. Ergänzend gibt es Vorträge und Diskussionen sowie das Symposium “Brutiful Life” zur Moderne der 60er und 70er Jahre mit Theo Deutinger, Inke Arns, Georg Elben, Constantin Alexander und Oliver Elser. Alle Veranstaltungen können auch einzeln wahrgenommen werden. Das “Hotel Ruhrmoderne” ist kostenfrei, die Teilnahme insgesamt kostet 100 Euro (60 Euro für Studenten). Die Anmeldung läuft bis 23. Juli, Obacht: begrenzte Teilnehmerzahl! (db, 11.7.17)

Das “Hotel Ruhrmoderne” (Bild: Thorsten Arendt/Veranstalter)

Habiflex im Sonderangebot!

Habiflex im Sonderangebot!

Dorsten, Habiflex, Juli 2015 (Bild: Jan Kampshoff)
Großes Haus für kleines Geld: Das verrammelte Habiflex in Dorsten ist nun zu verkaufen (Bild: Jan Kampshoff)

Hamse mal nen Euro? Damit haben Sie die Chance, Großgrundbesitzer in Dorsten-Wulfen zu werden. Und über eines der ungewöhnlichsten Siebziger-Jahre-Bauwerke der Region zu verfügen: Das 1974 errichtete “Habiflex” ist zu verkaufen. Der seit acht Jahren leerstehende, teils verwüstete Wohnkomplex wird derzeit von der Adaxio AMC GmbH aus Wiesbaden für den theoretischen Kaufpreis von 1 Euro angeboten. Gar so billig wird er aber nicht zu haben sein, denn das Angebot wird als “Interessenbekundungsverfahren” geführt – heißt: Es werden Gebote entgegengenommen. Doch der angesetzte Startpreis lässt durchaus Rückschlüsse zu. Sehr teuer wird das zur Ruine verkommene Habiflex wohl nicht werden.

Bei ihrer Einweihung 1975 galt die Wohnanlage als zukunftsweisend. Verschiebbare Fensterfronten, ungewöhnliche Grundrisse und die auch in den Innenräumen präsenten Waschbeton-Oberflächen standen für eine neue Wohnkultur. Bautechnisch ist das Projekt leider völlig in die Hose gegangen: Das Kondenswasser floss bald in Strömen, und nach 35 Jahren problembehafteter Nutzung gab man den Bau schließlich auf. Auch bei moderneRegional war das Habiflex schon Thema: Jan Kampshoff hat das futuristische Waschbeton-Meisterwerk 2015 besucht, seine Fotostrecke finden Sie hier. Wer weiß: Vielleicht bringen die Bilder Sie ja auf den Geschmack … (db, 8.4.16)

FOTOSTRECKE: Habiflex

von Jan Kampshoff (Fotos) (16/1)

“Eine zukunftsweisende Idee, ein tolles Konzept und eine Architektur, deren Reize heute wieder erkannt werden. Aber bauphysikalisch ist leider alles schief gegangen, was schief gehen konnte.” Nachdem Jan Kampshoff im Sommer 2015 alles gesehen hatte, war sein Urteil deutlich: Für das 1974 errichtete Experimentalhaus “Habiflex” in Dorsten-Wulfen (Architekten Richard Gottlob und Horst Klement) gibt es wohl keine Rettung. Seit 2008 steht das Kondenswasser-Wunder leer und kann nicht abgerissen werden, da einige der letzten Wohnungs-Eigentümer pleite oder unauffindbar sind. “Hier kann auch draußen gewohnt werden. Keine ängstliche Abkapselung, sondern freizügige Durchblicke wie in den liebenswürdigen Vororten holländischer Städte. Chancen für unverkrampfte Nachbarschaft”, schwärmte “Der Spiegel” 1975. (db)

Mehr zum Habiflex

Neue Stadt Wulfen, Wulfen-Wiki, Barkenberg am See, sosbrutalism, und für Freunde des Kleingeistigen: Adrenalinschwangere Teenager sehen nach, wo der Hund begraben liegt …

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