Gerettet: Veddeler Fischgaststätte

Wie die Presse an diesem Wochenende meldet, ist der Abriss der bedrohten Veddeler Fischgaststätte in Hamburg vom Tisch. Noch im November letzten Jahres sah es schlecht aus für die Kultlokalität. Im Stadtteil Veddel soll rund um die Elbbrücken statt Zollhafen, Speditionen und Industriegeländen ein neuer “Eingang zur Stadt” entstehen. Dem stand aber die “Veddeler Fischgaststätte” im Weg, die hier seit 1932 ihr Domizil hat und jedem, der aufgeschlossen gegenüber Mayonnaise und Panade ist, sehr leckere Backfischgerichte bietet. Mittlerweile ist sie eine der letzten klassischen Fischbratküchen. Und auch die Tatsache, dass sie im Lauf der Jahrzehnte in eine Insellage zwischen Autobahn, Bahngleisen und Einfallstraßen geriet, hatte sie bislang nicht um die Existenz gebracht. Doch dem sollte ein Ende gesetzt werden: „Der zukünftige Betrieb der ‘Fischgaststätte’ war und ist immer Teil der Planungen“, erklärte Susanne Enz, Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde, damals gegenüber der Hamburger Morgenpost. Die Umsetzung des Rahmenplans werde aber voraussichtlich eine Verlegung erforderlich machen, hierzu habe es Gespräche mit den Betreiber:innenn gegeben. Denkbare Lösungen wären “ein Neubau an der Prielstraße oder ein Umzug in die Zollhallen”.

Eröffnet hat die Veddeler Fischgaststätte 1932, wurde durch Bombentreffer 1943 stark beschädigt und nach Kriegsende wieder aufgebaut. Bis heute ist sie in der Gestalt von 1946 erhalten. Zur Ausstattung zählt auch der Hochtemperatur-Ofen aus den 1920er Jahren, der heute keine Betriebserlaubnis mehr erhalten würde, hier aber Bestandsschutz genießt. Nachdem das drohende Ende der (nicht denkmalgeschützten) Gaststätte bereits in zahlreichen Medien Thema war, wurde eine Online-Petition für ihren Erhalt gestartet. Initiiert hat sie der Betreiber Christian Butzke, der die Gaststätte vor Kurzem von seiner Mutter übernommen hatte. Mit Erfolg, wie das jetzige Umschwenken der Politik zeigt. Die Hamburger Baubehörde sicherte den Verbleib der Veddeler Fischgaststätte zu, man volle den weiteren städtebaulichen Entwicklungsprozess nicht weiter belasten. (kb, 6.6.2)

Hamburg, Veddeler Fischgaststätte (Bild: willytown, via mapio.net)

TIPPS ZUM TOFD: Juvenil kopfnickend durch Hamburg

In Hamburg feiert man dieses Jahr gleich drei Tage lang den Tag des offenen Denkmals, Grund genug hat man ja: Vor 100 Jahren, am 1. Januar 1921, trat das Denkmalschutzgesetz für die Stadt in Kraft. Das Programm der teils digitalen, teils analogen Veranstaltungen kann bereits jetzt online abgerufen werden, teils ist eine frühe Anmeldung erforderlich. Am Sonntag, 12. September, geht es um 11, 14 und 17 Uhr auf besondere Art durch die Speicherstadt – bei der Führung „Beats, Rhymes & History mit Sherlock F.: Eine post-koloniale Rap-Führung“. Der Treffpunkt wird nach Anmeldung unter www.welterbefest.hamburg mitgeteilt). Versprochen wird ein „auditives Erlebnis, bei dem Wissen vermittelt, aber auch zum rhythmischen Kopfnicken eingeladen wird.“

Das junge Publikum kann sich – nur nach Anmeldung bei kulturkran@muhahar.de – am Sonntag, 12. September, zwischen 10 und 18 Uhr an Familienführungen am Peiner Kran (Lotsekai Ost, Harburger Binnenhafen) und am Liebherr Portralkran (Lotsekai, Harburger Binnenhafen) beteiligen. Unter dem Motto „Kinder dürfen einmal Kranführer sein“ gibt es u. a. einen Sackkarren-Parcours für den Sackkarren-Führerschein oder Übungen zu Seemannsknoten. Wer ein Fan junger Baukunst ist, kommt im Hanseviertel auf seine Kosten. 1980 vom Hamburger Büro von Gerkan, Marg und Partner fertiggestellt, gibt es hier in der Einkaufspassage Postmoderne satt. Am Samstag, 11. September, um 12 Uhr, führt der Architekt Volkwin Marg persönlich. Eine Anmeldung ist erforderlich bis zum 3. September (sjoebsch@gmp.de). Weitere Führungen am Sonntag, 12. September, um 11 und 14 Uhr, auch hier ist eine Anmeldung erforderlich (info@hanseviertel.de). (Veranstalter: CBRE GmbH, von Gerkan, Marg und Partner – Architekten, Große Bleichen 30/36, das Hanseviertel ist offen: Freitag, 10. September, und Samstag, 11. September, von 10 bis 20 Uhr). (kb, 21.8.21)

Hamburg, Hanseviertel (Bild: Uwe Rohwedder, CC BY SA 4.0, 2021)

Der Columbusbahnhof soll fallen

Der Columbusbahnhof soll fallen

Bremerhaven, Columbusbahnhof (Bild: Garitzko, gemeinfrei)
Hier landete 1958 Elvis Presley an: im Columbusbahnhof in Bremerhaven (Bild: Garitzko, gemeinfrei)

Da wir alle wissen, dass ER nicht gestorben ist, sondern immer noch (wenn auch verborgen) unter uns lebt, da wir das also wissen, ist dieses Stück Bremerhaven heiliger Boden: Hier, am Columbusbahnhof, oder der Columbuskaje, betrat Elvis Presley 1958 als amerikanischer GI deutschen Boden.

Der Kern der imposanten Anlegestelle für Passagierschiffe entstand schon in den 1920er Jahren, als hier Oberbaudirektor Heinrich Tillmann bis 1927 einen würdigen Hafen für den “Luxusdampfer” Columbus der Norddeutschen Lloyd verwirklichte. Von hier konnte man direkt vom Schiff auf die Schiene (oder umgekehrt) – ein Bahnhof mit Meerzugang eben. Nach Kriegszerstörungen wurde der Columbusbahnhof bis 1952 wiederaufgebaut und 1962 nochmal um die Fahrtgastanlage II erweitert. Bereits in den 2000er Jahren wurde die Anlegestelle mit Geschichte zum Terminal ausgebaut, damit hier auch die großen Kreuzfahrtschiffe halt machen können. Doch 2017 sollen dafür nun, erklärte die Hafengesellschaft Bremenports, endgültig auch die inzwischen historischen Bauten weichen. Der Unterhalt der bestehenden Hallen koste jährlich rund 300.000 Euro, dies sei zu viel – zudem wolle man jährlich bald bis zu 200.000 Passagiere bedienen. Die Kosten für den Umbau zum “Columbus Cruise Center” werden auf 60 Millionen Euro geschätzt. (kb, 29.11.16)