Big Heritage?

Big Heritage?

Big_Heritage_Bild_WDWMMit „Big Heritage?“ stellt der Forschungsverbund „Welche Denkmale welcher Moderne?“ an den beiden Polen der Republik, in Halle-Neustadt und in Marl, eine Ausstellung vor, die anhand ausgewählter deutscher und internationaler Beispiele die Denkmal-Debatte zu nachkriegsmodernen Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren und Campus-Universitäten beleuchtet. Dabei geht es den Austellungsmachern weniger um die Alternative „Erhalt oder Abriss“. Vielmehr soll sich die Gesellschaft der Frage stellen, ob und wie sie an das utopische Versprechen der Moderne über die Architektur hinaus anknüpfen will.

Die Ausstellung ist in Halle-Neustadt (Neustädter Passage 13, 06122 Halle/Saale) vom 12. September bis zum 3. Oktober 2016 zu sehen, die Vernissage wird am 11. September 2016 um 17 Uhr gefeiert. Am 14. September 2016 gib es um 15 Uhr die Projektpräsentation „Wie weiter in Halle-Neustadt“. Ergänzend sind für den 23. September ab 20 Uhr eine Lange Filmnacht und am 24. September  die Veranstaltung „Marl meets HaNeu. Initiativen aus Marl (Westfalen) zu Gast in Halle-Neustadt“ vorgesehen. In Marl (Rathausgalerie, Creiler Platz 1, 45768 Marl; Marler Stern, 1. OG, Bergstraße 228, 45768 Marl) ist die Ausstellung vom 11. November bis zum 4. Dezember 2016 zu sehen. Zum Begleitprogramm zählen die Vernissage am 10. November um 17 Uhr, am 26. November die Veranstaltung „HaNeu meets Marl. Die Geschichtswerkstatt Halle-Neustadt zu Gast in Marl“, eine Lange Filmnacht am 26. November 2016 um sowie am 3. Dezember 2016 die Projektpräsentation „Wie weiter in Marl“. (kb, 10.8.16)

Geschichten aus HaNeu

2014 feierte Halle-Neustadt, kurz HaNeu, seinen 50-jährigen Geburtstag. Die sozialistische Siedlung war die einzige deutsche Großstadt in Plattenbauweise, bis sie 1989 ein Stadtteil von Halle wurde. Nach der friedlichen Revolution erlebte die einst begehrte Wohngegend einen Exodus, viele Einwohner verließen HaNeu. Das Radiofeature „Diese Stadt stand in einem anderen Land – Geschichten aus HaNeu“ des Journalisten Anselm Weidner hat den Stadtteil 2015 ausführlich porträtiert.

Es wird am 16. März 2016 in der Berliner Max-Lingner-Stiftung um 19 Uhr erneut aufgeführt. Hörproben gibt es hier. Das einstündige Feature nimmt den Stadtteil in 21 Geschichten mit 27 Protagonisten in den Blick. Dabei wird sowohl die historische Entwicklung als sozialistische Musterstadt beleuchtet als auch die Entwicklung nach 1989 nachgezeichnet. Teile der Plattenbausiedlung wurden nach der friedlichen Revolution saniert, andere abgerissen. Der Stadtteil „differenziert“ sich in wohlhabende und ärmere Wohngegenden. Dennoch wächst auch das historische Bewusstsein für HaNeu: im letzten Jahr wurde die Errichtung eines Denkmals für die Ostmoderne beschlossen, dass sich auf die für die DDR-Architektur ikonische HP-Schale beziehen soll. (jr, 15.3.16)

HaNeu von oben aus gesehen (Foto: Gerald Knizia)

Bleiben alle Scheibenhochhäuser?

Nachdem die Zeichen lange eher auf Abriss standen, scheint es nun, als könnten alle fünf Scheibenhochhäuser in Halle-Neustadt erhalten bleiben. Die 1970-75 errichteten zentralen Hochhäuser des Viertels erleiden seit 1990 ein wechselvolles Schicksal. Die Scheiben A und B stehen leer. Der Eigentümer ist pleite, ein Ansprechpartner ist nicht erreichbar. Die Stadt hat  2014/15 etliche Sicherungsmaßnahmen durchgeführt und finanziert. Für die ebenfalls leere Scheibe E gebe es zumindest Nachfragen in der Stadtverwaltung, der Leipziger Eigentümer ist derzeit wohl auch selbst auf der Suche nach Fördermitteln zur Sanierung.

Bessere Nachrichten gibt es nun vom Gebäude C: Nach Angaben von Baudezernent Uwe Stäglin befinde sich das Land Sachsen in einem Bieterverfahren. Der als Option vorgegebene Abriss sei ausgesetzt, Interessenten für eine Neunutzung vorhanden. Das derzeit einzig genutzte Hochhaus ist Scheibe D, hier befindet sich unter anderem das Jobcenter. 2012 wurde der 18-Geschosser zwangsversteigert, Boxer Arthur Abraham ist neuer Miteigentümer. Wenn es nach Halles OB Bernd Wiegand (Parteilos) geht, wird auch in den übrigen Hochhäusern bald wieder Leben einziehen: „Ich bin zu der festen Überzeugung gekommen, dass die Scheiben gerettet werden können“, zitiert ihn am 8. April 2015 die Mitteldeutsche Zeitung. (db, 8.5.15)

Die „Scheibenhäuser A bis E“ überragen die Neustädter Passage in Halle – und werden dies wohl weiterhin tun (Bild: Bettenburg, CC BY.SA 2.0 de)