Ein Denkmal für die Ostmoderne

2014 feierte mit Halle-Neustadt ein Meilenstein des DDR-Wohnungsbaus sein 50-jähriges Jubiläum. Die Plattenbaugroßsiedlung wurde 1954 auf Geheiß des Politbüros als “Stadt der Chemiearbeiter” gegründet und entwickelte sich zum Sinnbild der sozialistischen Stadt nach DDR-Verständnis. Nun könnte Halle der ostdeutschen Nachkriegsarchitektur ein dauerhaftes Denkmal setzen: Im Stadtrat machen sich die Fraktionen Die Linke/Die Partei und die SPD für ein Ostmoderne-Denkmal stark. Ein erster Entwurf wurde dem städtischen Gestaltungsbeirat übergeben.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Neustadt-Jubiläum war auf dem Marktplatz ein Vorbote eines solchen Denkmals zu besichtigen. Zwei Monate wies hier eine prominent platzierte Hyperbolische Paraboloid-Schale aus Beton auf den Geburtstag hin. Die sogenannten HP-Schalen kamen in DDR-Zeiten z. B. beim Bau von Turnhallen oder Kindergärten zum Einsatz. Sie wurde vom Hallenser Architekten Herbert Müller entwickelt. Möglicherweise wird die Schale in das geplante Ostmoderne-Denkmal einbezogen: Der Entwurf sieht sie als Mittelpunkt eines überdimensionalen Kubus (10 x 10 x 10 m) vor. (jr, 27.2.15)

Denkmalwürdig? Das Prinzip der HP-Schale wurde in Halle entwickelt (Bild: Andrew Harvey 4)

2 x 50

In diesem Jahr werden gleich zwei Großsiedlungen 50: das DDR-Vorzeigeprojekt Halle-Neustadt und als kapitalistisches Gegenstück das Märkische Viertel im Westen Berlins. Für Halle plante der ehemalige Gropius-Assistent Richard Paulick die “Stadt der Chemiearbeiter”, für die 1964 der Grundstein gelegt wurde. Zu diesem Anlass bekommt Halle-Neustadt nun ein breitgefächertes Veranstaltungsprogramm, darunter mehrere Ausstellungen. Bis zum 2. November schlägt die Schau “Heimat Halle-Neustadt” mit zwei Ausstellungsorten eine Brücke von der Alt- (Stadtmuseum) zur Neustadt (Ladengeschäft in der Neustädter Passage 13). Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein präsentieren Alltagsobjekte, Beschilderungen und Souvenirs aus 50 Jahren Stadtgeschichte.

Das Berliner Märkische Viertel wurde von 1963 bis 1974 errichtet, geplant von rund 35 Architekten – darunter Namen wie Werner Düttmann oder Oswald Mathias Ungers. 1964 zogen die ersten Bewohner ein, 50 Jahre später erklärt die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau das ganze Viertel zur Ausstellung. Unter Schlagworten wie “Abenteuer”, “Heimat” oder “Kulturen” werden prägende Teile des Viertels vorgestellt. Hinter “Moderne” verbirgt sich – von der Kirche St. Martin bis zum Heizkraftwerk – die Baugeschichte. Darüber hinaus werden Stadtrundgänge vorgeschlagen oder ein “Soundwalk” durch die großstädtische Landschaft als Download angeboten. (kb, 1.9.14)

Halle-Neustadt, 1967 (Bundesarchiv Bild-Nr. 183-F0607-0013-001, Foto: Horst Sturm, CC BY SA 3.0)