Höchstrichterlich bestätigt: Hallenbad Neusiedl ist Denkmal

Im Österreichischen Burgenland gibt gute Nachrichten für den Denkmalschutz und für Freunde des Brutalismus. Das Hallenbad Neusiedl am See ist nach übereinstimmenden Berichten der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ) und des Österreichischen Rundfunks (ORF) rechtmäßig Denkmal. Die Betreibergesellschaft des Bades und die Gemeinde hatten dies zuvor angezweifelt – und vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen die Entscheidung des Amtes geklagt. Eine Bürgerinitiative hatte sich bereits für den Erhalt des Bades ausgesprochen. Die Richter ließen sich unter anderem durch Sachverständigengutachten von der architektonischen Qualität des 1977 eröffneten Baus überzeugen.

Sichtbeton und dunkles Holz prägen die Anlage, für die das Architekturbüro Stelzer & Hutter verantwortlich zeichnet. Allerdings setzte der Zahn der Zeit insbesondere der Holzkonstruktion arg zu. 2019 wurde das Bad aus statischen Gründen geschlossen. Das Erneuern der morschen Träger und Stützen ist unausweichlich. Mit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ist nun die Grundlage für eine behutsame Sanierung geschaffen. Dafür werden laut ORF etwa 6 bis 7 Millionen Euro veranschlagt. (mk, 1.12.20)

Ausgeplantscht am Bodensee

In Friedrichshafen kann man nicht nur im Sommer im Bodensee baden, sondern auch ganzjährig im Hallenbad. Seit ein paar Wochen nun auch im neuen Sportbad von Behnisch Architekten. Logischerweise hat das alte, 1969/70 errichtete Hallenbad ausgedient: Die Stadt leistete sich vor genau 50 Jahren ein damals luxuriöses, architektonisch durchgestaltetes Bad. Hans Riempp erhielt seinerzeit den Auftrag. Er hatte sich 1950/51 einen Namen gemacht als Architekt der Neuwiesenschule in Ravensburg. Noch als Student schuf er diesen Schlüsselbau, den er als Angestellter des Büros seines Lehrers Rolf Gutbrod betreute. In der Folge erhielt Riempp zahlreiche weitere Aufträge in der Region.

Beim Friedrichshafener Hallenbad setzte Riempp auf eine im DBZ-Heft 12/1970 hervorgehobene hochwertige Materialauswahl. Besonders die Außenhaut des Stahlbaus mit zwei Becken erregt bis heute Aufsehen mit ihren hellblauen Andesitplatten und bronzefarben eloxierten Sonnenlamellen. Innen beherrscht eine Lamellenholzdecke die Optik, die gleichzeitig den Schall dämpft. Ein besonderes Augenmerk verdient auch die Kunst am Bau des Bildhauers Emil Kiess: eine sich über die Gebäudelänge erstreckende Arbeit aus farbigen Emaille-Platten. Diese werden nach Auskunft der Stadt zunächst eingelagert. Einige Elemente des Bades werden zudem an anderer Stelle weiterverwendet oder veräußert. Ebenso wurde eine fotografische Dokumentation im Auftrag des Stadtarchives erstellt. (pl, 7.6.19)

Friedrichshafen, Hallenbad (Titelmotiv: Peter Liptau, 2015, Galerie: Hagen Schönherr, 2015)

Erlangen: Hallenbad Frankenhof a. D.

Um es gleich vorweg zu sagen, den Fall haben wir hier leider öfter: steht unter Denkmalschutz, soll abgerissen werden. In diesem speziellen Fall geht es um ein Erlanger Hallenbad, einen Teil des Freizeitzentrums („Jugendzentrum“) Frankenhof, das die Architekten Johannes Ludwig und Werner Wirsing 1963 mit dem örtlichen Stadtbauamt umsetzen konnten. Der ganze Komplex wird gerade ertüchtigt zum „KuBiC – Kultur- und Bildungscampus“ (der alte Name klang irgendwie nach mehr Spaß). Dabei entschied sich die Stadt gegen eine Sanierung und für den Abriss des Hallenbads. Das Geld wolle man lieber in den Hallenbad-Neubau in der Damaschkestraße investieren, so das Argument.

Weniger aus Sorge um die Baukunst, wohl mehr aus Fürsorge für die Schwimmfähigkeiten des Nachwuchses sprach sich der Elternbeirat des Christian-Ernst-Gymnasiums per Petition gegen den Abriss aus. Das neue Hallenbad sei zu weit weg und mit der Zahl junger Erlanger Bürger stiege aktuell auch der Bedarf an „Schwimmplätzen“. Diese Argumente wurden nun im Landtagsausschuss für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport (welch eine Themenkombination) diskutiert und der Abriss für rechtens erklärt. Die Abbrucharbeiten sollen von August bis November erfolgen. Was mit dem dann freiwerdenden Grundstück geschieht, ist noch nicht abschließend geklärt. (kb, 27.7.17)

Erlangen, Freizeitzentrum Frankenhof (Bild; Janericloebe, GFDL oder CC BY SA 3.0)