Schlagwort: Hamburg

Bat Yam, Rathaus, Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1963 (Bild: historische Postkarte)

Jüdische Architekten. Jüdische Architektur?

Gibt es eine jüdische Architektur? Jüdische Architekten, natürlich, auch Architektinnen. Aber hat dieser Hintergrund auch ihr Bauen geprägt. Ist das Judentum des 19. und 20. Jahrhunderts ein religiöser, nationaler oder kultureller Begriff? In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung, verdientermaßen, vor allem einzelne jüdische Architektenpersönlichkeiten und ihr Werk in bestimmten Regionen untersucht. Aber bislang kommt der Überblick über das Netzwerk jüdischer Akteure in der Baukunst Europas, Amerikas, Israels und anderer Länder noch zu kurz. Damit blieb lange offen, ob sich Architekten hier als Teil einer gemeinsamen jüdischen (Kultur-)Bewegung verstanden und einen entsprechenden Formenkanon ausgebildet haben.

Diesen und verwandten Fragen widmet sich die Tagung „Jewish Architects – Jewish Architecture?“, zugleich der 4. Internationale Kongress für Jüdische Architektur, in Hamburg (Warburg-Haus/Institut für die Geschichte der deutschen Juden/Hafen City University, Hamburg) vom 6. bis zum 8. November 2018. Das Projekt, das architektonische Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts in den Blick nimmt, bildet eine Zusammenarbeit zwischen dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg, und Bet Tfila, Braunschweig/Jerusalem. Anmeldeschluss ist der 29. Oktober, statt einer Tagungsgebühr wird um eine Spende gebeten. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ulrich Knufinke, Ulrich.knufinke@igdj-hh.de, bei Fragen zur Organisation und Anmeldung an Beate Kuhnle, geschaeftszimmer@igdj-hh.de. (kb, 26.10.18)

Bat Yam, Rathaus, Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1963 (Bild: historische Postkarte)

Hannover, Senator-Feldmann-Heim,1950er Jahre (Bild: © Kommunalarchiv Herford, Foto: Hans Wagner)

Das gute Leben für alle?

In der politischen Debatte wurde gerne ein „gutes Leben“ versprochen – und allzu oft wurden die Architekten und Städteplaner zu Erfüllungsgehilfen: Sie sollten den Wohnungsmangel der großen Städten beheben. Doch wie sieht das Umfeld für ein gelingendes Leben aus? Die Ringvorlesung „Das gute Leben für alle? Architektur als kommunale Fürsorge“ des Kunsthistorischen Seminars Hamburg wirft auf diese Frage einen historischen Blick. Im Wintersemester 2018/19 findet die Veranstaltungsreihe (Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, Erweiterungsbau ESA W, Raum 120, 1. Stockwerk) jeweils dienstags um 18.15 Uhr statt.

Den Reigen eröffnet am 5. November 2018 (Edmund-Siemers-Allee 1, Erweiterungsbau ESA W, Raum 221, 2. Stockwerk) eine Podiumsdiskusison mit Martin Düchs (Universität Bamberg), Paolo Fusi (HafenCity Universität), Hanno Rauterberg (Die Zeit) und Dorothee Stapelfeldt (Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Hamburg) unter der Moderation von Frank Schmitz (Universität Hamburg). Am 20. November spricht Elke Katharina Wittich (Hamburg)  über „Johann Peter Willebrands ‚Grundriß einer schönen Stadt‘ von 1775/1776“. Eva von Engelberg (Weimar) informiert am 11. Dezember über „Historisierende Altstadtkonzepte“, anschließend referiert Markus Jager (Hannover) am 18. Dezember 2018 über „Berliner Fürsorgebauten der Gründerzeit“. Am 22. Januar 2019 dreht sich der Vortrag von Mari Hvattum (Oslo) um „Care, Control, and Conflict in 19th Century Institution Building“, während am 29. Januar 2019  Kenny Cupers (Basel) „Architecture and Biopolitics“ behandelt. (kb, 24.10.18)

Hannover, Senator-Feldmann-Heim, 1950er Jahre (Bild: © Kommunalarchiv Herford, Foto: Hans Wagner)

Hamburg-Horn, Umbau der ehemaligen Kapernaumkirche zur Al-Nour-Moschee, 2016 (Bild: K. Berkemann)

Hamburg: Al-Nour-Moschee wird eröffnet

Die Umwandlung einer Kirche in eine Moschee ist (noch) eine Seltenheit, denn die beiden großen christlichen Konfessionen lehnen diesen Schritt, mit jeweils unterschiedlichen Begründungen, ab. In Hamburg-Horn jedoch war die Kapernaumkirche, 1961 errichtet nach Plänen von Otto Kindt, bereits seit rund zehn Jahren geschlossen und an einen Investor verkauft worden. Der nutzte zwar das umgebende Grundstück für neue Wohnbauten, aber die Sanierung der Kirche folgte nicht wie vereinbart. Schließlich ging der Bau 2012 an die muslimische Gemeinde, die drängend nach einem neuen Gebetsraum suchte.

Seit rund fünf Jahren nun wird hier der denkmalgeschützte Bau zur Moschee umgestaltet: Außen bleibt, abgesehen von einem Vorbau, einigen Schriftzügen und einer neuen Turmbekrönung, fast alles beim Alten. Innen wurde der Raum quergerichtet, eine Empore eingezogen und die ein Kreuz formende Glasgestaltung beibehalten. Die Umbaukosten werden auf rund fünf Millionen Euro beziffert. Noch laufen letzte Arbeiten – und die Turmsanierung steht noch aus. Aber zum 26. September 2018 ist es soweit: Die Al-Nour-Moschee wird feierlich eröffnet. Am 3. Oktober, dem Tag der offenen Moschee, können Interessierte den neuen Raum besichtigen. (kb, 19.8.18)

Hamburg-Horn, Umbau der ehemaligen Kapernaumkirche zur Al-Nour-Moschee, 2016 (Bild: K. Berkemann)

Franz Roh, Bei mir kann geparkt werden, um 1925 (Foto: Dr. Richard Hampe)

„Bei mir kann geparkt werden“

Im Rahmen der 7. Triennale der Photographie „Breaking Point. Searching for Change“ zeigt das Altonaer Museum die Ausstellung „[RETURN] Fotografie in der Weimarer Republik“. Die Schau gehört zugleich zu den Veranstaltungen der Stadt Hamburg zum „Gedenkjahr 1918/19: Aufbruch in die Demokratie“. Denn gerade die Fotografie begleitet die junge Republik in allen ihren Wandlungen und erfand sich zugleich selbst neu.

Im Altonaer Museum markiert die Ausstellung vier Themenkreise: „Revolution und Republik“, „Vom Slowfox zum Grotesktanz“, „Die Mode der Goldenen Zwanziger“ und „Von der Neuen Sachlichkeit zum Neuen Sehen“. Dabei versteht sich die Bildauswahl als Vorschau auf die Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik 1918-1933“, die 2019 im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen sein wird. In Altona werden daher ortsgeschichtliche Schwerpunkte gesetzt, indem man mit Fotografien aus dem eigenen Archiv arbeitet.  Ausewählt wurden z. B. Aufnahmen zum „Altonaer Blutsonntag“ am 17. Juli 1932. Dieser diente als Vorwand für die Absetzung der preußischen Regierung und die Einschränkung der Grundrechte – und bahnte damit auch dem NS-Staat den Weg. (kb, 9.6.18)

Titelmotiv: Franz Roh, Bei mir kann geparkt werden, um 1925 (Foto: Dr. Richard Hampe)

Emden, Kunsthalle (Bild: Unukorno CC BY-SA 3.0)

Hannover würdigt die Spengelins

Ingeborg (1923-2015) und Friedrich Spengelin (1925-2016) schufen die alte Bundesrepublik prägende Bauten wie das Rathaus Helgoland (1957-60), die Dreifaltigkeitskirche in Hamburg (1965), die Hochhäuser des NDR (1964-67) und der Hamburger Landeskirche (1971-74, Abriss 2017) sowie die Kunsthalle Emden (1983-86/1997-2000). Das Architektenpaar eröffnete 1951 ein gemeinsames Büro in Hamburg, ab 1975 wirkten sie in Hannover. Nachfolger des Hamburger Büros war von 1972 bis 2010 die Planungsgemeinschaft Spengelin, Gerlach und Partner (sgp). Nicht alle Spengelin-Bauten wurden – und werden – wirklich geliebt. Die vordergründige Strenge und die schiere Größe vieler Entwürfe sind es, die insbesondere den Stadtplanungen Friedrich Spengelins vorgeworfen werden: Auch das 1979 fertiggestellte, derzeit im Umbau befindliche „Bonner Loch“ zählt zu jenen Projekten, die einst gelobt und bald verachtet wurden.

Die Architektenkammer Niedersachsen in Hannover widmet den Spengelins bis zum 27. Juli eine Ausstellung. Zu sehen sind unter anderem Entwürfe für Hannover und Hamburg, für Buxtehude und Eckernförde. Die Kuratorin Ute Maasberg hat das Material mit Unterstützung von Barbara Spengelin, der Tochter des Paares, zusammengestellt. So finden sich auch Exponate aus dem Nachlass wie Fotos, Aquarelle und Schmuckstücke, die teils von Ingeborg Spengelin, teils von Eske Nannen angefertigt wurden – der Witwe des einstigen „Stern“-Herausgebers Henri Nannen, der seiner Geburtsstadt Emden eben auch die Kunsthalle gestiftet hat. (db, 4.6.18)

Emden, Kunsthalle (Bild: Ukumo, CC BY SA 3.0)

Hamburg-Dulsberg, Frohebotschaftkirche (Bild: An-d, CC BY SA 3.0, 2013)

Fritz Schumacher und der Dulsberg

Vor 100 Jahren prägte der Architekt und Stadtplaner Fritz Schumacher mit den Hamburger Stadtteil Dulsberg – bis heute. Grund genug für die Bewohner, kräftig zu feiern. In Mittelpunkt der Jubiläumswochen steht die „Ausstellung im öffentlichen Raum“ mit 20 großformatigen Installationen an fünf Standorten im Stadtteil. Sie sollen den Schumacherschen Bebauungsplanung für den Dulsberg veranschaulichen. Zudem gibt es Stadtteilrundgänge zur Bauhistorie des Stadtteils und zu heutigen Veränderungsprozessen im denkmalgeschützten Ensemble.

Pünktlich zum Jubiläum gibt es gleich drei Publikationen: Für das Bezirksamt Hamburg-Nord schreibt der Gartenhistoriker Joachim Schnitter über „Grünzug Hamburg Dulsberg 1918-2018“. Im Schaff Verlag informieren Daniela Schmitt, Joachim Schnitter, Christoph Schwarzkopf mit einem neuen Bändchen in der Reihe „Hamburger Bauhefte“ über „100 Jahre Siedlung Dulsberg“. Und nicht zuletzt erscheint bei Dölling und Galitz „Fritz Schumacher und der Dulsberg“ von Roger Popp. Das Buch wird am Sonntag, den 3. Juni 2018 im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu den Jubiläumswochen öffentlich vorgestellt – ab 14 Uhr in der Frohbotschaftskirche am Straßburger Platz in Dulsberg. (kb, 24.5.18)

Popp, Roger, Fritz Schumacher und der Dulsberg, Dölling und Galitz, Hamburg 2018, ISBN 978-3-86218-110-0.

Schmitt, Daniela/Schnitter, Joachim/Schwarzkopf, Christoph, 100 Jahre Siedlung Dulsberg (Hamburger Bauhefte 24), Schaff Verlag, Hamburg 2018, ISBN 978-3-944405-38-4.

Hamburg-Dulsberg, Frohebotschaftkirche (errichtet auf Basis des Schumacherchen Bebauungsplans 1937 von Friedrich Dyrssen und Peter Averhoff, von ihnen 1953 wiederaufgebaut) (Bild: An-d, CC BY SA 3.0, 2013)

"Florian Afflerbach. Der Zeichner" (Bild: Buchcover, Schaff Verlag)

Florian Afflerbach. Der Zeichner

In den Pressebildern des Hamburger Schaff Verlags läuft das Cover-Foto der jüngsten Neuerscheinung unter dem Dateinamen „Flobuch“. An dieser liebevoll-vertrauten Abkürzung lässt sich ablesen, dass es sich um ein Herzensprojekt handelt. Der Zeichner, Architekt, Architekturvermittler und Mitgründer des Schaff-Verlags Florian Afflerbach verstarb im Mai 2016 bei einem Verkehrsunfall. Mit dem Buch „Florian Afflerbach. Der Zeichner“ wird nun die ganze Bandbreite seiner besonderen Begabung sichtbar gemacht.

Präsentiert werden über 300 Afflerbach-Freihandzeichnungen: vom Le Corbusier-Haus bis zum NSU Ro 80, von Bleistift bis Aquarell, von Siegen bis São Paolo. Texte seiner Wegbegleiter vervollständigen den Kunstdruck-Band. Florian Afflerbach hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Zeichenkunst, vor allem im Architekturstudium, wiederzubeleben – weil „gerade die spontane und intuitive Freihandzeichnung es vermag, die Gedanken des Entwerfers authentisch auf ein Blatt Papier zu übertragen.“ Er prägte den Satz und das Motto des Buchs: „Man sieht nur mit dem Bleistift gut.“ (kb, 23.14.18)

„Florian Afflerbach. Der Zeichner“ (Bild: Buchcover, Schaff Verlag)

Florian Afflerbach. Der Zeichner, Schaff Verlag, Hamburg 2018,  Hardcover, 304 Seiten, ISBN 978-3-944405-36-0.

Köhlbrandbrücke: Zukunft unklar

Sie gehört zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen Hamburgs: Seit 44 Jahren überspannt die Köhlbrandbrücke den gleichnamigen Elbseitenarm und verbindet den östlichen und den westlichen Hafenteil. Markant sind vor allem ihre beiden Pylonen, die die Fahrbahn an 88 Stahlseilen tragen. Doch auch die vollständig  freiliegenden Rampen lassen das Bauwerk so riesig wie vermeintlich schwerelos wirken. Geplant hatten es der Ingenieur Paul Boué (1920-2016) und der Architekt und Hebebrand-Schüler Egon Jux (1927-2008). Am 20. September 1974 weihte der damalige Bundespräsident Walter Scheel das riesige Bauwerk ein, die dreitägigen Feierlichkeiten lockten 600.000 Besucher an.

Doch die Tage des technisch-ästhetischen Wunderwerks sind seit 2012 gezählt, als OB Olaf Scholz den geplanten Neubau verkündete. Nun kommt eine neue Variante ins Spiel: Die Köhlbrandbrücke könnte durch einen Tunnel mit zwei Röhren ersetzt werden. Dies lässt die  Hafenbehörde HPA ebenso wie den Brücken-Neubau prüfen und will die Ergebnisse einer Konzeptstudie im Herbst bekannt geben. Die Lebenszeit der Bauwerks sei 2030 überschritten, teilte der technische Geschäftsführer der HPA, Matthias Grabe, am 10. April der Presse mit. Zudem ist die Durchfahrtshöhe von 53 Metern mittlerweile zu niedrig (!). Eine neue Brücke müsste 20 Meter höher werden, damit größere Schiffe den Weg zum Containerterminal Altenwerder passieren könnten – somit wird die Tunnelidee für die Betreiber umso interessanter (db, 12.4.18)

Hamburg, Köhlbrandbrücke (Bild: Ajepbah, CC BY-SA 3.0)

Hamburg, Audi Max (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 3.0, 2017)

Hermkes. Schön.

Fragt man die wahren Connaisseure nach Bernhard Hermkes, entweicht vielen von ihnen ein schlichtes überzeugtes „schön“. Wer es ausführlicher in Wort und Bild möchte, dem sei der gerade bei Dölling und Galitz erschienende Band „Bernhard Hermkes. Die Konstruktion der Form“ empfohlen. Der Architekt und Wissenschaftler Giacomo Calandra di Roccolino beschreibt in der reich bebilderten Monographie die Entwicklung des Architekten, der in Hamburg zu einem wichtigen Protagonisten der Nachkriegsmoderne wurde.

Beginnend mit Kindheit, Studium und seiner Zeit im „Neuen Frankfurt “ der 1920er Jahre unter Ernst May, entfaltet das Buch das reiche Werk von Hermkes. Auch im Dritten Reich versuchte er, seine architektonischen Überzeugungen im Industriebau zu bewahren. Schließlich vereinigte er in Hamburg die Einflüsse der Moderne der 1920er Jahre, Skandinaviens und des Internationalen Stils zu einer unverwechselbaren Handschrift. Hier prägte er Ikonen wie die Großmarkthalle am Oberhafen, die elegante Kennedybrücke, den geschwungenen Audimax der Universität, die kühnen Grindelhochhäuser und die skandinavisch anmutende Siedlung Klein Flottbek. Das Buch wird am 25. April 2018 um 12.30 Uhr im Foyer des Hamburger Audimax (Von-Melle-Park 4) vorgestellt. (kb, 9.4.18)

Frank, Hartmut/Schwarz, Ullrich (Hg.), Giacomo Calandra di Roccolino, Bernhard Hermkes. Die Konstruktion der Form, Dölling und Galitz, München 2018, 400 Seiten, 500 Abbildungen, Halbleinenband, 23 x 28 cm, ISBN 978-3-86218-095-0.

Hamburg, Audi Max (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 3.0, 2017)

Hamburg, Deutschlandhaus (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY SA 3.0)

Eine „kleine“ Hoffnung für das Deutschlandhaus?

Es wäre ein Lichtblick für Hamburgs gebeutelte Baukultur: Seit dem letzten Jahr verdichten sich die Nachrichten, dass das 1928/29 nach Plänen von Block und Hochfeld errichtete Deutschlandhaus am Gänsemarkt dem Abriss geweiht ist. Die ABG-Holdinggruppe, die das Gebäude 2014 kaufte, kündigte an, „es in wenigen Jahren durch einen attraktiven Neubau zu ersetzen“. Auf dem Filetgrundstück könnte ein Gebäudekomplex mit 39.000 Qua­dratmetern Bruttogeschossfläche entstehen – für Wohnungen, Büros und den Einzelhandel. Das Deutschlandhaus erfuhr durch Heinz Schudnagies Ende der 1970er eine vielfach kritisierte Überformung, die letzte große Sanierung fand 2006 statt.

Dieser Baubestand käme, so ist jüngst in Modellbahnerkreisen zu hören, dem wachsenden Hamburger Miniatur Wunderland zu pass. Bei jährlich über einer Millionen Besucher, davon rund ein Viertel ausländische Gäste, benötigt man drängend neue Fläche für die detailgetreue Modellbahnlandschaft. Es stehen zwei Konzepte für das Deutschlandhaus im Raum. Zum einen scheinen die technikbegeisterten Betreiber von einem Transfer ausgewählter Modellfahrzeuge via Drohne zwischen Gänsemarkt und Hafencity zu träumen. Zum anderen wird eine Translozierung des gesamten Gebäudes in die Nachbarschaft des bestehenden Miniatur Wunderlands erwogen. Ob sich einer dieser futuristischen Pläne umsetzen lässt, steht noch in den Sternen, doch könnte das Deutschlandhaus von beiden publikumsträchtigen Varianten mehr als profitieren. (db, 1.4.18)

Hamburg, Deutschlandhaus (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY SA 3.0)

Hamburg, Hanseviertel (Bild: gmp Architekten)

Hanseviertel unter Denkmalschutz

Jetzt ist es offiziell: Das Hamburger Hanseviertel, 1981 eine der ersten bundesdeutschen „Wohlfühl-Einkaufszonen“, wurde – wie City-Hof e. V. meldet – zur Jahreswende in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen. Das Star-Büro Gerkan, Marg und Partner zeichnet verantwortlich für den postmodernen Klinkerbau. Bauherrin war die Allianz, für die Volkwin Marg eine lichtdurchflutete Komfortzone entwarf, die sich von den massigen Beton-Einkaufszentren der 1960er Jahre absetzen sollte. Das Konzept ging auf, in den ersten Jahren flanierten täglich bis zu 20.000 Konsumwillige durch das Hanseviertel. Noch immer wird es gut frequentiert, doch die goldene Ära ist vorbei. Es heißt, die Allianz wolle an die ECE-Group verkaufen, die bereits vor geraumer Zeit die Verwaltung des 45.000-Quadratmeter-Komplexes übernommen hat.

Damit stand das Hanseviertel zum Jahresende in der Abrissdikussion zugunsten einer profitableren Ausnutzung des Filetgrundstücks. Spätestens mit der frischen Unterschutzstellung wird es spannend: Damit wäre ein Abriss strenggenommen nur möglich, wäre der Erhalt wirtschaftlich unzumutbar. Sollte die ECE jedoch kaufen, könnte es pikant für die Denkmal- und Kulturbehörden werden: Die Stiftung des ECE-Vorsitzenden Alexander Otto spendete just 15 Millionen Euro für die Sanierung der Kunsthalle. Welcher Stellenwert kommt dem Denkmalstatus zu, wenn einer der bedeutendsten Kulturstifter der Stadt ein Gebäude kaufen und abreißen will? (db, 15.1.18)

Hamburg, Hanseviertel, 1983 (Bild: gmp Architekten)

Daniel Brühl wünscht als "Sharing-Heritage-Botschaft" ein schönes Kulturerbejahr (Bild: Sharing Heritage)

Wie (nachkriegs)modern ist ECHY?

Am gestrigen Abend wurde in Hamburg hochoffiziell das Kulturerbejahr 2018 (kurz: ECHY) eröffnet. Im zutiefst histor(ist)isch anmutendenden Rathaus der Hansestadt spürte allerlei politische Prominenz der „Seele Europas“ nach. Schauspieler Daniel Brühl wünschte via Projektion ein schönes Kulturerbejahr. Und dieses wurde mit der Glocke des ersten denkmalgeschützten Schiffes, der Schaarhörn, offiziell eingeläutet. Denkmalpflege präsentiert sich schick, konsensfähig und generationsübergreifend. Dazu taugt die als historisch akzeptierte Baukunst in augenfälliger Weise. Doch im bunten Strauß der ECHY-Aktionen hat sich auch die Nachkriegsmoderne einen verdienten Platz erobert.

Zu nennen ist da etwa „Big Beautiful Buildings“, eine Aktion der Landesinitiative StadtBauKultur NRW. Oder die Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle“ in Essen, die „Heimkehrer-Dankes-Kirche“ (1959) in Bochum, die interaktive Plattform „Murmeln der Erinnerung“, die Hamburger Nachkriegsmoderne sendet ein deutliches „SOS“, es geht um die „Resonanzen“ deutsch-französischer Moderne im Saarland und die norddeutschen Bauten eines Clemens Holzmeister. Auch moderneREGIONAL ist mit zwei Projekten dabei: mit der virtuellen Karte „invisibilis – der Kirchenwiederfinder“ und der Wanderausstellung „märklinMODERNE. Vom Bau zum Bausatz und zurück“, die am 18. Mai 2018 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt eröffnet und von einer Präsentation in der Stuttgarter architekturgalerie am weißenhof begleitet wird.(kb, 9.1.18)

Hamburg am gestrigen Abend: Daniel Brühl wünscht als „Sharing-Heritage-Botschaft“ ein schönes Kulturerbejahr (Bild: Sharing Heritage)