Hamburg

Hamburg, Cityhof (Bild: Oliver Elser und Andreas Muhs, CC BY NC ND, 2006, via flickr)

Kalte Küche [durch die]

Nichts gegen weiche Entscheidungsprozesse, starke (alte, weiße) Männer haben wir schon genug. Doch das Geflecht aus Ahnungen und Halbinformationen, Beteuerungen und Appellen, das seit einigen Tagen Hamburg in Atem hält, droht wenig auszutragen – außer vielleicht einer im vielfachen Sinne teuren Baulücke. Da erfuhr die Öffentlichkeit am Montag indirekt aus einer getwitterten Störmeldung des Verkehrsverbunds, dass die Stadt ernst machen wolle mit dem Abriss des Cityhofs. Am Mittwoch erklärten die Behörden dann auf Anfrage der Presse, die Genehmigung sei bereits erteilt. Derweil verschoben die Parteien und Gruppierungen in ungewohnten Konstellationen den Schwarzen Peter für einen noch nicht vollzogenen Abbruch.

Ob der Chtyhof noch eine Chance bekommen wird, ob er bessere Chancen hätte, gäbe man ihm noch zwei/drei/vier Jahre Gnadenfrist? Wir wissen es nicht. Sicher scheint, dass die vier Hochhausscheiben nicht die letzten Opfer eines äußerst ungelenken Stadtumbaus bleiben werden. Die Liste der Hamburger Abbrüche ist lang und gerade mit den jüngeren Kandidaten wurde zumeist weit weniger Federlesen gemacht als mit dem Symbolbau Cityhof. Manchmal ist es nicht so sehr der baukünstlerische Wert, um den es schade wäre. Häufig wurde einfach die Gelegenheit vertan, sich für vorhandene Räume behutsam an neue Nutzungen heranzutasten. Oder hätte etwa beim Deutschlandhaus (wenn denn wirklich kaum noch Originalsubstanz vorhanden ist) nicht auch ein günstigeres Makeover ausgereicht?

Daher: Es lebe das Interim! Nicht jede Änderung wird gleich und sauber am grünen Tisch entschieden. Manchmal lohnt der Umweg über eine Zwischennutzung. Das muss nicht immer die Hipster-Stadtgartenkooperative sein. In Hamburg-Horn beispielsweise stand am Anfang eine Investorenpleite: Als die evangelische Gemeinde ihre nachkriegsmoderne Kapernaumkirche verkaufte, hoffte sie auf eine kulturelle Nutzung des ehemaligen Gottesdienstraums. Der neue Eigentümer bebaute zwar das Restgrundstück mit Wohnungen, ließ aber die Kirche brach liegen. Am Ende erwarb eine muslimische Gemeinde das Kulturdenkmal und verwandelte es in eine Moschee. Diesen Weg hätte wohl keiner der Beteiligten direkt gewählt, nun entwickelt sich hier – unter dem kollektiven Vergrößerungsglas – ein bundesweit einmaliges Projekt. Ausgang ungewiss, aber vieles sieht gut aus. Hamburg, es geht doch (und ginge noch beim Cityhof)! (22.3.19)

Karin Berkemann

Titelmotiv: Hamburg, Cityhof (Bild: Oliver Elser und Andreas Muhs, CC BY NC ND, 2006, via flickr)

Mauer (Bild: Tomascastelazo, CC BY SA 4.0, 2010)

Beton oder Bild?

Der Streit ist mindestens so alt wie die Diskussion um den Wiederaufbau des Heidelberger Schlosses: Zählt das Bild oder die Substanz? Gerade für Räume der (Nachkriegs-)Moderne rückt diese alte Frage neu in den Mittelpunkt der denkmalfachlichen Praxis. Allzu oft scheinen einstmals experimentelle Baustoffe nicht restaurierbar – oder nur unter Verlust originaler Materialien. Doch, wenn die Betonoberfläche neu modelliert, der Fassadenbehang nachgestellt werden muss, was bleibt dann übrig vom Denkmal? Solchen Fragen stellt sich – bezogen auf alle Stilepochen – das fächerübergreifende Sommerseminar auf Gut Siggen an der Ostsee (Seminarzentrum der Alfred Toepfer Stiftung F. V. S.) vom 22. bis 26. Juli 2019 unter dem Titel „Was ist ein Denkmal? Architektur als kulturelles Erbe“.

Impulsstatements der Veranstalter begleiten die Diskussion, ergänzt um Perspektiven von Gastreferenten aus dem Denkmalschutzamt und der Zivilgesellschaft. Eingeladen sind Studierende der Architektur, Stadtplanung, Kunstgeschichte, Denkmalpflege oder angewandten Kulturwissenschaften sowie verwandter Fächer, sich mit Impulsreferaten einzubringen. Bewerbungen (Lebenslauf, Kurzexposé (max. ½ Seite) für ein mögliches Impulsreferat zu einer theoretischen Position oder einem konkreten Fall) können bis zum 15. April 2019 gesendet werden an: Lisa.Kosok@hcu-hamburg.de. Veranstalter sind Prof. Dr. Lisa Kosok (Kultur der Metropole, HafenCity Universität), Dr. Frank Schmitz (Kunstgeschichtliches Seminar, Universität Hamburg) und Dipl.-Ing. Kristina Sassenscheidt (Denkmalverein Hamburg e. V.). (kb, 17.3.19)

Betonwand (Bild: Tomascastelazo, CC BY SA 4.0)

"Neue Heimat" (Bild: Buchcover, Dölling und Galitz Verlag)

„Neue Heimat“ kann man gar nicht genug haben

Da ist die große Ausstellung in München, da war letztes Jahr die umfassende Publikation aus Berlin – und jetzt erscheint beim Hamburger Verlag Dölling und Galitz ein weiteres Buch zu diesem prägenden Stück westdeutschen Bauens: zur Neuen Heimat, die als größter Wohnungsbaukonzern Europas zwischen 1947 und 1985 Hunderttausende von Wohnungen in der Bundesrepublik errichtet. Aber zum Portfolio gehörten ebenso Universitäten, Kongresszentren, Großkliniken, Hotels, Schulen, Ferien-, Einkaufs- und Sportzentren, Fernsehturm und Seilbahn.

Das Geheimnis: Die Neue Heimat lieferte als Generalunternehmer Komplettangebote zu niedrigen Preisen. Damit wollte man nach dem Krieg die Hoffnung auf ein besseres Leben für Alle umsetzen – bis die Utopie in den 1980er Jahren abgewickelt wurde. Die von Ulrich Schwarz und Hartmut Frank in der Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs herausgegebene Publikation versteht sich als „die erste umfassende Dokumentation der wichtigsten Projekte der Neuen Heimat in Deutschland und im Ausland“. (kb, 23.2.19)

Schwarz, Ulrich/Frank, Hartmut (Hg.), Neue Heimat. Das Gesicht der Bundesrepublik. Bauten und Projekte 1947-1985 (Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs 38), Dölling und Galitz, Hamburg 2019, 38 Seiten, 960 Abbildungen, Hardcover, 23 x 28 cm, ISBN 978-3-86218-112-4.

Hamburg, C&A-Gebäude in der Mönckebergstraße (Bild: ric-stiens.de)

Hamburg: C&A-Gebäude soll weg

In Hamburg kommen wir mit den Abrissmeldungen leider kaum hinterher: Auch das C&A-Gebäude in der Mönckebergstraße soll fallen, meldet der NDR. Demnach ist die Entscheidung des Textilunternehmens bereits getroffen, an die Stelle des bestehenden Hauses einen Neubau zu setzen. Hier soll C&A wieder einziehen, in den oberen Stockwerken – so der NDR – ggf. ergänzt um „Gastronomie, Büros und vielleicht ein kleines, exklusives Boutique-Hotel“. Damit würden die Möglichkeiten des prominenten Standorts gewinnbringend aufgefächert. Doch auch eine kulturelle Nutzung sei am Abend denkbar, um die Innenstadt attraktiver zu machen.

Das Textil-Kaufhaus liegt in der beliebten Hamburger Einkaufsmeile direkt am U-Bahnhof „Mönckebergstraße“. 1964/65 wurde der Bau gestaltet vom Architekten Ric Stiens (für das Büro E. A. Gärtner (+ R. Stiens), heute Nattler Architekten), der insgesamt 140 C&A-Projekte betreuen sollte. Er ersetzte damit das Kontorhaus Rolandhaus (1911, Carl Gustav Bensel/Franz Bach). Hier war der Textilkonzern bereits seit 1913 vertreten und erwarb 1935 das Haus, das dann 1944 im Krieg zerstört wurde. Als Argumente für den Abriss des heutigen, nachkriegsmodernen C&A-Gebäudes werden angeführt: hoher Sanierungsbedarf, Asbestbelastung und Brandschutzmängel. Ein genauer Abrisstermin wird bislang nicht benannt. Glaubt man NDR und Mopo, werden „Nachbarn und City-Interessenverbände in die Planungen einbezogen“. (kb, 8.1.19)

Hamburg, Mönckebergstraße, C&A-Gebäude (Bilder: oben: ric-stiens.de, wohl um 1965; unten: Marco Alexander Hosemann, via instagram, 2018/19)

Hamburg, NDR-Hochhaus (Bild: Ralf Bröhan)

Hamburg: NDR-Hochhaus zur Disposition

An etlichen Stellen des Hochhauses sei ohne bautechnische Notwendigkeit in den 70er-Jahren Asbest verwendet worden, teilte der NDR mit. Außerdem zeigten weitere Raumluft-Messungen eine teilweise Belastung im ersten Obergeschoss, allerdings in geringerem Ausmaß als bei den Erstfunden, so der Sender. „Nunmehr ist klar: Für eine vollständige Sanierung werden wir deutlich länger brauchen als zunächst angenommen“, bilanzierte der Intendant. Es riecht verdächtig nach Abriss … (db, 11.12.18)

Hamburg, NDR-Hochhaus (Bild: Ralf Bröhan)

Hamburg, Großmarkt (Bild: LoboStudio Hamburg, CC0 1.0, PD, 2016)

Stipendium für Moderne-Promotion ausgelobt

Gute Nachrichten für alle Hamburger Modernisten: Das Kunstgeschichtliche Seminar der Uni Hamburg schreibt gemeinsam mit der Sutor-Stiftung zum 1. März 2019 ein Promotionsstipendium im Bereich Architekturgeschichte und -theorie der Moderne aus: 1.365 Euro monatlich (zzgl. max. 103 Euro monatliche Sach- und Reisekosten) für zwei Jahre, die nach Evaluation um ein weiteres Jahr verlängert werden können. Auch Projekte mit einer geringeren Arbeitsdauer können berücksichtigt werden. Der/die Geförderte, der/die seine Promotion an der Uni Hamburg durchführen soll, kann auf Antrag in die Graduiertenschule des Fachbereichs Geisteswissenschaften an der Uni Hamburg aufgenommen werden.

Die Organisatoren wünschen sich ein Thema im Bereich Architekturgeschichte und -theorie der Moderne, wenn möglich mit Hamburg-Bezug – ggf. unter Nutzung einschlägiger Archive wie dem Hamburgischen Architekturarchiv oder dem Hamburger Staatsarchiv. Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium (Magister/Master/Dipl.-Ing.) der Kunstgeschichte oder eines verwandten Fachs. Zudem müssen die Zulassungsvoraussetzungen zur Promotion laut Promotionsordnung der Fakultät für Geisteswissenschaften der Uni Hamburg erfüllt sein. Bewerbungen mit einem Exposé des Promotionsvorhabens (max. 6 Seiten), Lebenslauf, Kopien der Abschlusszeugnisse, Angabe der Kontaktdaten zweier Referenzpersonen sowie Leseproben (max. 10 Seiten) sind elektronisch in einer einzigen PDF-Datei bis zum 30. Januar 2019 zu richten an Dr. Frank Schmitz: frank.schmitz@uni-hamburg.de. (kb, 5.12.18)

Hamburg, Großmarkt (Bild: LoboStudio Hamburg, CC0 1.0, PD, 2016)