Timm Thaler als Architekturkritik?

"Timm Thaler oderdas verkaufte Lachen" (Foto: Copyright Constantin Film/Gordon Mühle)
Das Kapital blickt begehrlich auf die Stadt: „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“, Szene (Arved Friese, Justus von Dohnányi) aus der Neuverfilmung (Foto: Copyright Constantin Film/Gordon Mühle)

Diese Geschichte ist Systemkritik aus einer Zeit, als man noch an die Macht einer guten Geschichte glaubte. 1962, die beiden Blöcke sahen sich gerade nur über eine Mauer hinweg an, veröffentlichte James Krüss den Roman „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“: Boy, das Alter Ego des Autors, trifft im Zug eben jenen Timm, der ihm aus seinem Leben erzählt. Ein mysteriöser Fremder will Boy kurz darauf bestechen, dies niemals aufzuschreiben. Die Versuchung entpuppt sich als Baron Lefuet, an dessen Namen man nicht viel buchstabenrätseln muss, um den Leibhaftigen zu entdecken. Boy widersteht und erzählt die ewige Geschichte von den wirklich wichtigen Dingen und wie dunkle Kräfte danach greifen. Gestern nun kam eine neue Verfilmung „Timm Thalers“ in die Kinos, die den Stoff in einer bonbonfarbenen 1920er-Jahre-Kulisse inszeniert. Als das ZDF mit dem Roman 1979 seine erste Weihnachtsserie auflegte, wurde die Geschichte in die damalige Gegenwart versetzt. Und dabei spielte – neben einem strahlenden Thomas Ohrner und einem unfassbar beängstigenden Horst Frank – die Architekturmoderne eine symbolträchtige Rolle.

Der stylishe Sehnsuchtsort

Auf dem Bildschirm wurde aus dem Aussichtspunkt Mirador del Río auf Lanzarote einfach die Vulkaninsel Aravanadi (Bild: Frank Vincentz, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Auf dem Bildschirm wurde aus dem Aussichtspunkt Mirador del Río auf Lanzarote einfach die Vulkaninsel Aravanadi (Bild: Frank Vincentz, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Durch einen tragischen Unfall verliert Timm Thaler seinen Vater, ihm bleibt sein mitreißendes Lachen. Dieses will sich der Baron für dunkle Geschäfte zu Nutze machen will. Diabolisch bindet er Timm mit einem Vertrag, der ihn jede Wette gewinnen lässt. Und er lockt mit dem Glanz einer mondänen Welt, in der schon Teenager Polyesteranzug und Krawatte tragen. Im ZDF-Mehrteiler inszenierte man dafür die Vulkaninsel Aravanadi als Sehnsuchtsort. Die geheime Machtzentrale des Barons wurde auf der Kanareninsel Lanzarote gedreht, hier zumeist im Mirador del Río. Kurz zuvor, von 1973 bis 1974, hatte der spanische Architekt und Allrounder César Manrique (1919-92) diesen Aussichtspunkt mit Jesús Soto und Eduardo Caceres in die Vulkanlandschaft gefügt. Manrique arbeitete seit den 1960ern daran, den traditionellen Stil der Insel behutsam in die Moderne zu überführen. Für Timm Thaler wurde daraus das stylishe Versteck des Erzbösen, wie es eines James-Bond-Films würdig gewesen wäre. Dem Seemann und der Nonne hingegen, die Timm bald die Flucht ermöglichen sollten, folgte die Kamera zu historischen Bauten und malerischen Dorfstraßen.

Filmszenen aus „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Regie: Sigi Rothemund, 1979) (Quelle: youtube.de)

Das heimische Hochglanzkapital

Hamburg, HEW-Zentrale (Bild: Staro1, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Eleganter geht nicht: Die Hamburger HEW-Zentrale (1969, Arne Jacobsen und Otto Weitling) wurde zum Firmensitz des Barons (Bild: Staro1, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Doch nicht nur auf der fernen Vulkaninsel, auch in Timms Heimatstadt wird der skrupellose Kapitalist Lefuet mit einer Ikone der Nachkriegsmoderne verknüpft: mit der damaligen Hamburger HEW-Zentrale, die kein Geringerer als der dänische Architekt und Designpapst Arne Jacobsen (1902-71) mit Otto Weitling 1969 als elegantes Vierscheibenhaus fertigstelle. Das finale Rennen um Timms Lachen startete am Hotel (1970-73, Jost Schramm/Gert Pempelfort) am Congress Centrum (später Center), vor dessen Hochhausfassade der Regisseur zeichenhaft Anzug- und Sonnenbrillenträger postierte. Zuletzt gewinnt Timm sein Lachen durch eine Wette wieder. Doch das Ende bringt ihn nicht einfach aus der faszinierenden Stahl- und Glaskälte des Kapitalismus (womit aus der Systemkritik zeittypisch auch Architekturkritik wird) zurück ins warme sattelbedachte Einfamilienhäuschen seiner Kindheit. Timm erobert sich mit neu gewonnenen Freunden den öffentlichen Raum, in der Schlussszene ist es die Wasserkunst am Hamburger Amtsgericht. Für die Generation, die sich mit diesen Bildern 1979 gen Weihnachten gruselte, lohnt nun der vergleichende Weg ins Kino. Verlegen Sie diesen Besuch doch einfach nach Hamburg und schauen selbst nach, welche Hände heute nach den einstigen Drehorten der Moderne greifen. Oder doch lieber Lanzarote? (kb, 3.2.17)

Titelmotiv/unten: Filmszenen aus „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Regie: Sigi Rothemund, 1979) (Quelle: youtube.de)

2 x Cäsar Pinnau

Cäsar Pinnau, Wohnzimmer mit Bibliothek, Studienarbeit, um 1930 (Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)
Cäsar Pinnau, Wohnzimmer mit Bibliothek, Studienarbeit, um 1930 (Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Wenn Ihnen beim Namen Cäsar Pinnau nicht gleich ein wissendes „Aaah“ entgleitet, grämen Sie sich nicht: Pinnau war lange etwas für Eingeweihte. Dass der 1906 in Hamburg geborene Architekt bisher noch nicht intensiver erforscht wurde, hängt wohl vor allem mit seinem Schaffen in der NS-Zeit zusammen. Nach einem (Innen-)Architekturstudium in Berlin und München war er zunächst für den Architekten Fritz August Breuhaus de Groot tätig. Anschließend wirkte Pinnau an NS-Prestigeobjekten mit, darunter die Innengestaltung der Reichskanzlei und die von Albert Speer angeleiteten Planungen zur Berliner Nord-Süd-Achse. Doch warten gerade im Nachkriegswerk des stilistisch vielseitigen Architekten, der ein Leben lang in der Nähe der jeweils Mächtigen arbeitete, lohnende Entdeckungen, wie aktuell gleich zweifach überzeugend vorgeführt wird – mit einer Ausstellung im Altonaer Museum und einem „bauheft“ im Schaff-Verlag zu einem der Hauptwerke des Hanseaten.

 

Dekorfreudige Villen und Schiffsausstattungen

Cäsar Pinnau und Aristoteles Onassis an Deck der Yacht Christina bei der Probefahrt in Kiel, 1954 (Foto: Archiv Peter Pinnau)
Cäsar Pinnau und Aristoteles Onassis an Deck der Yacht Christina bei der Probefahrt in Kiel, 1954 (Foto: Archiv Peter Pinnau)

In der Nachkriegszeit arbeitete Cäsar Pinnau national und international, entwarf Privatvillen und Bürobauten für einige der bedeutendsten Akteure der deutschen Wirtschaftswunderzeit. Darüber hinaus machte er sich einen Namen mit extravaganten Schiffsausstattungen, etwa für die Reederei Hamburg Süd (z. B. die Cap San Diego) oder für die Luxusyachten von Aristoteles Onassis. Einen Tätigkeitschwerpunkt legte Pinnau im Hamburger Westen, wo er in den 1970er Jahren an der Palmaille, im ehemaligen Wohnhaus von Christian Frederik Hansen, sein Atelier einrichtete und seiner Frau Ruth in den 1980ern im Baur Park ein neoklassizistisches Palais mit allem Drum und Dran gestaltete.

Vor diesem Hintergrund macht das Altonaer Museum – in Zusammenarbeit mit der Hamburgischen Architektenkammer – Pinnau zum Gegenstand der Sonderausstellung „Cäsar Pinnau. Zum Werk eines umstrittenen Architekten“. Die Grundlage bildet sein Nachlass, der im Hamburgischen Architekturarchiv verwahrt wird. Grundsätzlich müssen Leben und Werk mit dem seiner Zeitgenossen verglichen werden, um sein Schaffen in der NS-Zeit angemessen beurteilen zu können. Die interdisziplinäre Ausstellung will daher ausdrücklich auch Fragen der politischen und der gesellschaftlichen Entwicklung aufgreifen. Die Präsentation wird vom 27. September 2016 bis zum 26. März 2017 zu sehen sein, begleitend erscheint bei Dölling und Galitz ein reich bebilderter Katalog.

 

Elegante Bürohäuser im Internationalen Stil

Hamburg Süd Hochhaus 1, 1958-64, Willy-Brandt-Straße in Hamburg (Foto: Oliver Heissner, 2000)
Hamburg Süd Hochhaus 1, 1958-64, Willy-Brandt-Straße in Hamburg (Foto: Oliver Heissner, 2000)

Wer sich jetzt schon zu einem Hauptwerk dieses „umstrittenen Architekten“ warmlesen möchte, findet kompetenten Stoff in der Reihe „hamburger bauhefte“ des Schaff-Verlags: Sylvia Necker und Jörg Schilling porträtieren das Ensemble der Reederei Hamburg Süd, das ab 1956 inklusive eines der ersten Hochhäuser an der neuen Ost-West-Straße geplant, aber erst 1965 fertiggestellt wurde. Das repräsentative Projekt hatte Cäsar Pinnau an amerikanischen Vorbildern und Leitbildern einer rationalisierten Büroorganisation entwickelt. So bildet „Hamburg Süd“ eine überaus elegante architektonische Lösung im Geist des Internationalen Stils, den Pinnau ebenso virtuos zu bedienen wusste wie bei Bedarf und Anlass den Neoklassizismus.

Die Reederei Hamburg Süd gehört zur großen Unternehmensgruppe Oetker, für die Pinnau als „Hausarchitekt“ u. a. auch ein Bürogebäude in Berlin (1961) und die von Rudolf-August Oetker gestiftete Kunsthalle in Bielefeld (1968, errichtet von Pinnau nach Plänen des amerikanischen Architekten Philip Johnson) umsetzte. Die drei unter Denkmalschutz stehenden Hamburg-Süd-Gebäude unterzieht man noch bis in das Jahr 2016 hinein einer aufwendigen Grundsanierung. Im Anschluss sollen sie, zusammen mit einem benachbarten Neubau, von der Hamburg Süd wieder als Firmensitz in Betrieb genommen werden. Pinnau selbst blieb Hamburg auch nach seinem Tod im Jahr 1988 erhalten: Er liegt auf dem dortigen Ohlsdorfer Friedhof bestattet – selbstverständlich unter einer von ihm entworfenen neoklassizistischen Grabstätte. (db/kb, 5.9.16)

 

Zum Warmlesen

Bezug_PinnauAM_29mm_final_vorab.inddNecker, Sylvia/Schilling, Jörg, Hochhaus und Verwaltungsgebäude Hamburg Süd (hamburger bauheft 16), Schaff-Verlag, Hamburg 2016, 52 Seiten, Rückendrahtheftung, ISBN: 9-783944-40524-7 (erschienen auch in englischer Sprache, ISBN: 9-783944-40525-4).

Czech, Hans-Jörg/Hirsch, Vanessa/Schwarz, Ullrich (Hg.), Cäsar Pinnau. Zum Werk eines umstrittenen Architekten, Katalog, Altonaer Museum, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2016, 320 Seiten, gebunden (erscheint zur Ausstellung), ISBN: 978-3862180899.

 

Denkmalpflegerkirche Hamburg

Hamburg, ehemalige Kapernaum-Kirche, heutige Al-Nour-Moschee, 2016 (Bild: K. Berkemann)
Die Experten im Gespräch mit der muslimischen Gemeinde, die sich in der ehemaligen evangelischen Hamburger Kapernaumkirche (O. Kindt, 1961) aktuell einen Moscheeraum einrichtet (Bild: K. Berkemann)

„Wissen Sie, das ist doch hier die Denkmalpflegerkirche“, so ein Gesprächspartner beim gepflegten Glas Wein und Matjestartar am Rande einer Tagung. Augenzwinkernd meinte er damit die eingeschworene Gemeinschaft, die sich in Hamburg an diesem Wochenende zum Symposion „Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft“ , veranstaltet von der „Patriotischen Gesellschaft von 1765“, zusammengefunden hatte. Architekten, Kunsthistoriker, Vertreter von Institutionen und Initiativen loteten in Vorträgen, Workshops und Diskussionen aus, wie das baukulturelle Erbe – in Hamburg, aber auch darüber hinaus – in die nächsten Jahrzehnte gebracht werden könne. Denn die jüngsten Erfahrungen gaben nicht unbedingt Anlass zur Hoffnung, wurde doch bundesweit über Streitfälle aus der „Freien und Abrissstadt“ Hamburg berichtet – allen voran der Politkrimi um das Hochhausensemble Cityhof. Nun regt sich Widerstand, der grundsätzlich um die Eigenständigkeit der Denkmalpflege fürchtet. Wie könne sie deutlich ihre Stimme erheben, wenn nur noch Politik und Wirtschaft (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge) den Ton angeben …

 

Der fremde Blick

Der erste Tag des Symposions bot  grundlegende Fachreferate – Andreas Kellner, Leiter des Denkmalschutzamts Hamburg, und Prof. Dr. Adrian von Buttlar, TU Berlin – zum Thema. In Impulsvorträgen wurden die Schwerpunkte der Workshops bzw. Exkursionen des folgenden Vormittags vorgestellt: der Hamburger Kunsthistoriker Dr. Jörg Schilling und der Hamburger Denkmalpfleger Christoph Schwarzkopf über das „unbequeme Denkmal“ am Beispiel von Bismarck-Denkmal und Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld; der Stuttgarter Architekt Dr. Jan Lubitz über das „störende Denkmal“ am Beispiel von Cityhof, Unilever/Emporio, Neue Burg und Allianz-Hochhaus; Michael Ziel von der Gängeviertel Genossenschaft 2010 eG über das „soziale Denkmal“ am Beispiel von Gängeviertel, Esso-Häusern und Reichardtblock sowie Prof. Dr. Sigrid Brandt von ICOMOS über das „fremde Denkmal“ am Beispiel der Hamburger Moscheen.

Alle Workshops des zweiten Veranstaltungstags suchten den „anderen“ Blick auf schützenswerte Bauten, was bei der Exkursion zum „fremden Denkmal“ besonders greifbar wurde. Die islamische Gemeinde erläuterte gastfreundlich ihre Pläne für die ehemalige Kapernaumkirche (Otto Kindt , 1961). Der mit Klinker und Glasbetonwabensteinen ausgefachte Betonskelettbau auf fast ovalem Grundriss mit dem markanten Faltdach und dem schlanken freistehenden Glockenturm hatte schon in den 1960er Jahren ein wenig an eine Moschee erinnert. Als die evangelische Gemeinde ihre Kirche 2004 aufgab und an einen Investor veräußerte, sollte der Raum eigentlich in einen Kindergarten umgewandelt werden. Doch dieses Projekt scheiterte und der Bau wurde übers Internet zum Verkauf angeboten, wo die muslimische Gemeinde drängend nach einem würdigen Raum für ihre wachsende Gemeinde suchte. Nun wird aus der denkmalgeschützten Kapernaumkirche wieder ein Gotteshaus, in diesem Fall die Al-Nour-Moschee – mit einem neuen Vorbau, einer quergerichteten Empore, weiß gefassten und im Trockenbau gedämmten Innenwänden.

 

Unverhoffte Funde

Eine andere Workshopgruppe, die sich dem „störenden Denkmal“ verschrieben hatte, stieß bei ihrem ungewöhnlichen Stadtrundgang auf einen Schatz: eine Kapelle inmitten abrissgeweihter Hochhäuser. Neben das Allianz-Haus (B. Hermkes, 1971) im glas- und metallglänzenden internationalen Stil hatte das Architektenpaar Ingeborg und Friedrich Spengelin 1970 als herbe Waschbetonschönheit das Verwaltungsgebäude der damals noch selbständigen Hamburger Landeskirche gesetzt. Im Erdgeschoss birgt der aufgegebene, danach vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft genutzte Bau eine Kapelle. Die Wände in kargem Naturstein, die Decke in gestocktem Beton, zeigt der Andachtsraum bis heute nicht nur vorerst zurückgebliebene Stücke wie Altar, Taufe, Wandkreuz, Ambo und Türknauf. Da sind auch viele durchdachte Details wie die grobe Kordel des Hand-Glockenzugs oder der sich – ähnlich zur Versöhnungskirche (1967, H. Striffler) in der KZ-Gedenkstätte Dachau – aus der Erde hinauf zum Mahnmal St. Nikolai grabende zweite Zugang.

Nicht nur dem ehemaligen Haus der Kirche, gleich dem ganzen hochhausbestandenen Eckgrundstück geht es bald an den Kragen. Der Kirchenkreis plant ein neues Verwaltungsgebäude, anstelle des Allianz-Hauses soll ein Büro-Ensemble nach Plänen des britischen Büros Caruso St. John entstehen. Denn nicht weniger als ein „neues Quartier“ ist geplant, das sich zwischen Rathaus und Alt-Nikolai vorgeblich an der historischen Parzellierung orientiert. Auf Kosten einer ganzen Schicht nachkriegsmodernen Erbes mit künstlerisch wie städtebaulich bemerkenswerten Einzelbauten. Wie wäre es, nur ein Gedanke, inmitten der sich auftürmenden Neubauten eine Zeitkapsel zu bewahren? Die Kapelle, die – in ein neues Gebäude eingebunden – auch räumlich die Brücke schlägt zur Gedenkstätte, die an die Kriegszerstörungen erinnert? Welche anderen, vielleicht zunächst unorthodoxen Wege – wie eine Moschee in einer ehemaligen Kirche – können künftig gegangen werden, um einen Teil der (modernen) Baukultur zu bewahren?

 

„Phase Null“

Zuletzt wurde, den Abschlussvortrag von Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur aufgreifend, fast synodal um eine Quintessenz gerungen. Große Einigkeit herrschte darüber, dass „die Belange und Interessen der Denkmalpflege […] in die Öffentlichkeit besser vermittelt“ werden müssen. Hierfür bräuchten die Denkmalämter eine ideell wie personell „eigenständigere Position“. Bei baulichen Vorhaben gelte es, alle Betroffenen „rechtzeitig und umfassend“ zu informieren. Im besten Fall sei die „Phase Null“, die ein Projekt vorbereitet und kommunikativ begleitet, gesetzlich festzuschreiben. Eine solche „definierte Beteiligungskultur“ bedeute für Hamburg, neben der Stärkung des dortigen Denkmalrats, ganz konkret: „Gebt den Cityhof, den Stintfang, die Schilleroper, den Reichardtblock und die Josephterrassen als stadtgeschichtlich bedeutsame Monumente Hamburgs nicht preis! Die Aufstockung des Flakbunkers auf dem Heiliggeistfeld ist zu verhindern!“ Es liegt ein Hauch von Denkmalpflege-Reformation in der Luft … (db/kb, 26.6.16)

 

Literatur

Necker, Sylvia, Cityhof (Hamburger Bauheft 9), Hamburg 2015

Berkemann, Karin (Bearb.), „Baukunst von morgen!“ Hamburgs Kirchen der Nachkriegszeit, Ausstellungskatalog , Denkmalschutzamt Hamburg und Freie Akademie der Künste Hamburg, 6. September – 7. Oktober 2007, Freie Akademie der Künste Hamburg, hg. von der Kulturbehörde/Denkmalschutzamt Hamburg, München/Hamburg 2007

Soeffner, Hans-Georg u. a., Dächer der Hoffnung. Kirchenbau in Hamburg zwischen 1950 und 1970, Hamburg 1995

Weiß jemand mehr zu Geschichte und Ausstattung der Kapelle im ehemaligen Haus der Kirche in Hamburg? Wir freuen uns über jeden Hinweis (k.berkemann@moderne-regional.de)!