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Hannover-Linden, Bettfedern- und Daunenfabrik Werner & Ehlers (Bild: Hartmut Möller)

„Relikte“ bald in Hannover

Nach Station im Deutschen Erdölmuseum Wietze wird die Fotoausstellung „Relikte“ im Rahmen der ArchitekturZeit 2018 rund um den Tag der Architektur für vier Wochen auf dem Areal der ehemaligen Bettfedern- und Daunenfabrik Werner & Ehlers in Hannover zu sehen sein. Das Netzwerk Industriekultur präsentiert 30 Fotografien aus dem Dreieck Hannover–Hameln–Hildesheim. Damit machen Olaf Grohmann, Hartmut Möller und Martin Stöber auf die industrielle Vergangenheit der Region aufmerksam.

Die Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen noch genutzte Industrieanlagen, Verkehrsbauten, Ruinen und architektonische Details – Fragmente einer historisch kurzen aber dennoch wirkungsmächtigen Ära. Das sanierte Kesselhaus Linden bietet der Ausstellung eine fulminante Kulisse und erlaubt zeitgleich Einblicke in diese technische Rarität. Zudem bietet die Kesselhaus-Initiative am 24. Juni, 8. Juli und 22. Juli Führungen durch das eindrucksvolle Denkmal an. Einführende Worte zur Eröffnung am 23. Juni um 16 Uhr spricht der Denkmalpfleger Dr. Stefan Amt. (kb, 18.5.18)

Hannover-Linden, Bettfedern- und Daunenfabrik Werner & Ehlers (Bild: Hartmut Möller)

Dorn, Hillebrecht, Bild Mann-Verlag

Monographisches zu Hillebrecht

Er gilt als einer der konsequentesten Verfechter der autogerechten Stadt und machte Hannover zum Primus des westdeutschen Wiederaufbaus – die Rede ist natürlich von Rudolf Hillebrecht. Kürzlich legte Ralf Dorn endlich eine umfassende Monographie zu dieser Schlüsselfigur der deutschen Nachkriegsmoderne vor.

Das Buch beleuchtet nicht nur Hillebrechts Amtszeit als Stadtbaurat in Hannover (1948-1975!), die bis heute überregional polarisiert. Auch die Studienzeit in der Weimarer Republik – unter anderem bei Heinrich Tessenow und Hermann Jansen – wird beleuchtet, ebenso die Zeit als Büroleiter bei Konstanty Gutschow und die Arbeit für den Wiederaufbaustab Albert Speers. Als Vorbilder Hillebrechts identifiziert der Autor Walter Gropius und Fritz Schumacher, in der Nachkriegszeit avancierte Hillebrecht selbst zum Idol zeitgenössischer Städtebauer. Der Architekt erscheint als Archetyp für die deutsche Architektenschaft des 20. Jahrhunderts, die sich durch den Nimbus des unpolitischen Expertentums beruflichen Erfolg über die historischen Zäsuren von Nationalsozialismus, Zweitem Weltkrieg und Kaltem Krieg sichern konnten. Gleichzeitig tritt dem Leser mit Hillebrecht ein Ausnahmetalent entgegen, dessen Organisationsgeschick und planerische Fähigkeiten Hannover dauerhaft ihren Stempel aufdrückten. (jr, 20.12.17)

Dorn, Ralf, Der Architekt und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht. Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Planungsgeschichte im 20. Jahrhundert, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-7861-2789-5.

Hannover-Linden, Ihme-Zentrum im Bau, 1973 (Bild: Manfred Kohrs/Rolf Kohrs, CC BY SA 3.0)

Hannover brutal

Rohe Betonwände, gigantische Gebäudekomplexe, schlechter Ruf – die Architektur des Brutalismus wurde lange Jahre stigmatisiert und in ihrer Originalität und ihrer Bedeutung in Bezug auf das historische Erbe verkannt. Doch seit einigen Jahren erfreut sich der Baustil bei Architektur-, Design- und Kunstfans wieder größerer Aufmerksamkeit. Manch einer sagt dem Brutalismus sogar eine große Zukunft voraus, wie den Altbauten früher. Auch in der Landeshauptstadt Hannover fasziniert heute deswegen immer mehr Menschen. Die Veranstaltung „Brutalismus – Wiederentdeckung einer verkannten Architektur“ findet am 7. Januar 2018 von 16 bis 18 Uhr im Ihme-Zentrum Hannover (Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Am Ihmeplatz 7e 2. Etage, 30449 Hannover) statt. Der Veranstalter, die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, wird hierfür unterstützt durch den Bund Deutscher Architekten BDA, Bezirksgruppe Hannover.

Der Vortragende Professor Ekkehard Bollmann, Architekt und Zeitzeuge, erklärt in einem Vortrag, wie der Brutalismus in den wilden und ereignisreichen 1960er-Jahren entwickelt wurde, einer Zeit der gesellschaftlichen Utopien und Experimente, warum er für eine fortschrittliche Gesellschaft steht und wie es gelingt, aus geschmähten Betonklötzen die Leuchttürme zu machen, die sie sein könnten. Etwas Geld vom Bund steht für die Leuchtturmförderung jedenfalls schon bereit. (kb, 19.11.17)

Hannover-Linden, Ihme-Zentrum im Bau, 1973 (Bild: Manfred Kohrs/Rolf Kohrs, CC BY SA 3.0)

Essen, Pax Christi, 2005 (Bild: wiki05, PD)

TofD Essen bis Hannover: Wie man sich bettet

In Hannover kann das Kesselhaus der ehemaligen Bettfedernfabrik Werner und Ehlers (Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover-Linden) mit einem 45 Meter hohen Turm auftrumpfen. Zum „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) wird das Kesselhaus, dessen noch vorhandener Kessel bis ins Jahr 1927 zurückreicht, am 10. September von 12 – 18 Uhr zugänglich gemacht, Führungen erfolgen stündlich durch Mitglieder der Kesselhausinitiative. Begleitend gibt es ein Open Air Konzert sowie eine Ausstellung über Leben und Werk von Anton Wilhelm Amo und einen Flohmarkt (Kontakt: Jörg Djuren, Faust e. V., 0511/455001, info@linden-kesselhaus.de)

In Essen wird am TofD von 10 bis 18 Uhr eine „grundrissgleiche Doppelkirche“ aus dem Jahr 1960 geöffnet: Pax Christi (An St. Albertus Magnus 45, 45136 Essen-Bergerhausen. dient als Gedenkstätte für Opfer von Gewalt. Auf dem Boden der Unterkirche sind ca. 1.500 Namen eingeschrieben von Menschen, die von Anderen getötet wurden. Kunstwerke unterstreichen diese Botschaft, z. B. „Der Hörende“ von Toni Zenz. Am 10. September werden Führungen angeboten um 11.15, 15 und 17 Uhr durch den Arbeitskreis der Pax-Christi-Kirche. Zudem stehen auf dem Programm: 10 Uhr Heilige Messe, Rallye durch die Kirche für Kinder und Familien ganztags, 18 Uhr Vesper im Anschluss an die letzte Führung (Kontakt: Pastor im bes. Dienst Heinrich Henkst, Pfarrei St. Laurentius, 0172/2817747, heinrichhenkst@t-online.de; Dorothea Dautzenberg, Arbeitskreis der Pax-Christi-Kirche, 0201/8439223, dorisdautzenberg@hotmail.com). (kb, 28.8.17)

Essen, Pax Christi, 2005 (Bild: wiki05, PD)

Turin, Kino-Museum (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)

Die langen 1960er Jahre

Zwischen den späten 1950er und den frühen 1970er Jahren standen die Zeichen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur auf Veränderung. In der gesamten Bundesrepublik, auch in Niedersachsen und Bremen lassen sich Schlagworte nennen wie Mauerbau und Neue Ostpolitik, Wirtschaftswunder und Bildungsexpansion. Für die Tagung „Die ‚langen‘ 1960er Jahre in Niedersachsen und Bremen“, die am 4. November 2017 in Hannover geplant ist, sucht der „Arbeitskreis für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ daher noch Themenvorschläge für 20-minütige Vorträge.

Mögliche Schwerpunkte können sein: neue soziale Bewegungen, Proteste und Politisierungen; neue Lebens- und Konsumwelten; Veränderungen in Migration und Städtebau; die Bildungsexpansion im Schul- und Hochschulbereich; der Ausbau von Sozialstaatlichkeit; der Generationswechsel in den politischen Eliten. Neben Historikern sind ausdrücklich auch historisch arbeitende (Nachwuchs-)Forscher aus benachbarten Disziplinen wie z. B. den Kulturwissenschaften eingeladen. Bewerbungen (eine inhaltliche Skizze (1 Seite), ein kurzer Überblick zur sich bewerbenden Person (ebenfalls 1 Seite)) können bis zum 15. August 2017 eingereicht werden unter: Oliver Schael (Schriftführer des Arbeitskreises), oliver.schael@gmx.de. Für nähere Auskünfte stehen die Sprecher des Arbeitskreises, Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann (Schmiechen-A@web.de) sowie Prof. Dr. Jochen Oltmer (joltmer@uni-onsnabrueck.de), zur Verfügung. (kb, 17.7.17)

Turin, Kino-Museum (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)