Frank Gehry – Hans Scharoun

Da sind zwei Architekten, die rund 40 Jahre voneinander entfernt an den beiden anderen Seiten des Ozeans einen Konzertsaal errichten und sich persönlich nicht kennen – und doch: Sie waren Seelenverwandte. So zumindest die These der Ausstellung „Frank Gehry – Hans Scharoun: Strong Resonances / Zusammenklänge“, die von der Stiftung Brandenburger Tor im Max Liebermann Haus in Berlin vom 9. November 2018 bis zum 20. Januar 2019 gezeigt wird. Hier stellt man die beiden Konzertsäle in den Partnerstädten Los Angeles (Gehrys Walt Disney Concert Hall) und Berlin (Scharouns Philharmonie) einander gegenüber.

Wie nah sich beide Architekten darin kamen, Musik zu bauen, zeigen die Kuratoren anhand von Scharoun-Aquarellen aus dem Baukunstarchiv der Berliner Akademie der Künste. Diesen werden die Gehry-Projekte für Berlin zur Seite gegeben: der Museumsinselwettbewerb (1994–97), die DZ Bank am Pariser Platz 3 (1994–98) und der Pierre Boulez Saal in der Barenboim-Said Akademie (2014–17). Hierin spiegle sich, so die Veranstalter, der bleibende Einfluss Scharouns auf Berlin und damit indirekt auch auf Gherys Arbeiten. (kb, 3.11.18)

Titelbild: Berlin, Philharmonie (Bild: Copyright J. Paul Getty Trust)

Der komplette Scharoun

Was Sie schon immer über Hans Scharoun wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten – diese Publikation könnte Antwort geben. Nicht weniger als das Gesamtwerk des Baumeisters dokumentiert die just erschienene Monografie „Hans Scharoun  – Bauten und Projekte“ von Carsten Krohn. „Bauen ist Sinndeutung des Lebens“ formulierte Scharoun seine Arbeitsauffassung: Bauen als lebensbegleitender, schöpferischer Vorgang bei dem es um die Realisierung einer sichtbaren, menschlichen Ordnung ging. Mit seiner Position des organischen Bauens unterscheidet er sich von anderen Protagonisten des Neuen Bauens wie Mies van der Rohe oder Walter Gropius. Scharoun entwickelte Projekte aus ihrem städtebaulichen und landschaftlichen Kontext. Architektur sah er als Disziplin des sozialen Engagements, organisches Formen als Mitteilung einer Weltsicht.

Dass der Weg Scharouns zur organischen Architektur bei Weitem nicht linear verlief, schildert Carsten Krohn: Er ergründet dessen Position als einen Findungsprozess, indem die Entwicklung Bau für Bau nachgezeichnet wird. Die in Zusammenarbeit mit dem Baukunstarchiv der Akademie der Künste Berlin entstandene Publikation dokumentiert sämtliche realisierten Bauten in chronologischer Reihenfolge. Und zeigt dabei auch bislang wenig Beachtetes wie etwa die Berliner AOK-Zentrale am Mehringplatz sowie einen detaillierten Blick auf Scharouns Frühwerk in Ostpreußen. (db, 2.8.18)

Krohn, Carsten, Hans Scharoun – Bauten und Projekte, 208 Seiten, 75 Abbildungen, gebundene Ausgabe, Deutsch; Verlag Birkhäuser, Basel (2018), ISBN 978-3-0356-0679-9

Haus Schminke wird saniert

Im sächsischen Löbau findet sich eines der bedeutendsten Zeugnisse der klassischen Moderne: die Villa des Fabrikanten Fritz Schminke, die 1932/33 nach Plänen Hans Scharouns errichtet wurde. Das als Haus Schminke bekannte Bauwerk steht exemplarisch für die organische Architektur, die nicht nur Scharoun begeisterte. Im Jahr 2000 wurde der Bau nach denkmalgerechter Restaurierung der Öffentlichkeit als Museumshaus zugänglich gemacht. Heute zählt es mit dem Haus Le Corbusier in Stuttgart, der Villa Tugendhat in Brünn oder der Maison Jean Prouvé in Nancy zu den bekanntesten Musterhäusern der Moderne. Vor dem Bauhausjubiläum im Jahr 2019 soll die Villa noch einmal umfassend saniert werden.

Die Arbeiten konzentrieren sich auf Dach und Fassade des Baudenkmals. Die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Land Sachsen geförderte Maßnahme wird voraussichtlich 230 000 Euro kosten. Der Besuch des Hauses ist während der Sanierung nur eingeschränkt und nach Voranmeldung möglich, es soll jedoch einige Baustellenführungen geben. Der Abschluss der Arbeiten ist für August diesen Jahres geplant, so dass Haus Schminke 2019 dem erwarteten Besucheransturm frisch saniert entgegentreten kann. (jr, 23.3.18)

Haus Schminke, Löbau (Bild: Michael Sander, CC By SA 3.0)