Haus Schminke wird saniert

Im sächsischen Löbau findet sich eines der bedeutendsten Zeugnisse der klassischen Moderne: die Villa des Fabrikanten Fritz Schminke, die 1932/33 nach Plänen Hans Scharouns errichtet wurde. Das als Haus Schminke bekannte Bauwerk steht exemplarisch für die organische Architektur, die nicht nur Scharoun begeisterte. Im Jahr 2000 wurde der Bau nach denkmalgerechter Restaurierung der Öffentlichkeit als Museumshaus zugänglich gemacht. Heute zählt es mit dem Haus Le Corbusier in Stuttgart, der Villa Tugendhat in Brünn oder der Maison Jean Prouvé in Nancy zu den bekanntesten Musterhäusern der Moderne. Vor dem Bauhausjubiläum im Jahr 2019 soll die Villa noch einmal umfassend saniert werden.

Die Arbeiten konzentrieren sich auf Dach und Fassade des Baudenkmals. Die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Land Sachsen geförderte Maßnahme wird voraussichtlich 230 000 Euro kosten. Der Besuch des Hauses ist während der Sanierung nur eingeschränkt und nach Voranmeldung möglich, es soll jedoch einige Baustellenführungen geben. Der Abschluss der Arbeiten ist für August diesen Jahres geplant, so dass Haus Schminke 2019 dem erwarteten Besucheransturm frisch saniert entgegentreten kann. (jr, 23.3.18)

Haus Schminke, Löbau (Bild: Michael Sander, CC By SA 3.0)

Neue Stühle für Haus Schminke

Nichts gegen moderne Architektur (das wäre hier auch das falsche Format), aber man kann sie nicht immer nur stehend ertragen. Manchmal hilft eine halbe Stunde Sitzen dem Kunstgenuss ganz erheblich auf die Beine. Im sächsischen Löbau können Besucher von Haus Schminke dies nun ganz stilecht tun, denn wie man in diesen Tagen stolz vermeldete: „Unsere neuen Stühle sind da!“ Es handelt sich um ein Modell im Stil von Roland Rainer, der in den 1930er Jahren in der Berliner „Freitagsgruppe“ auch mit Hans Scharoun in Kontakt stand. Letzterer hatte die geschwungene Architekturikone Haus Schminke 1933 für eine Nudelfabrikanten entworfen.

Die neuen „gleichen und stilechten“ Stühle aus den frühen 1960ern sind gedacht für die Seminare, Workshops, Konzerte und Empfänge im umfangreichen Kulturprogramm der von einer Stiftung bespielten modernen Villa. Geliefert wurden die Sitzgelegenheiten vom Leipziger Händler „Kulturmöbel“, der sich auf DDR-Möbel und -Wohnaccessoires der 1950er, 1960er und 1970er Jahre spezialisiert hat. Zu seinen Kunden zählen neben designverliebten Einzeltätern verdientermaßen auch Inkunabeln wie Haus Schminke. Nicht zu vergessen: Man kann in Haus Schminke auch übernachten (wer die Betten geliefert hat, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis). (kb, 12.6.17)

Löbau, Haus Schminke (Bild: Lingen Huang, CC BY-SA 3.0 bzw. Facebook-Account Haus Schminke)

Scharouns Erstling unter Schutz

Scharouns Erstling unter Schutz

2014 berichteten wir über das akut bedrohte Erstlingswerk des Architekten Hans Scharoun. Die sogenannte „Bunte Reihe“ in Kamswyken bei Insterburg stand seinerzeit auf der Liste der sieben meistgefährdeten Denkmäler Europas. Nun scheint sich das Blatt zum Guten zu wenden: Im Februar erklärte das russische Kulturministerium das Bauensemble per Dekret zum Denkmal auf Föderationsebene – die höchste Denkmalklassierung des Landes.

Der junge Scharoun gestaltete die „Bunte Reihe“ Anfang der 1920er Jahre. Insterburg lag im damaligen Ostpreußen, heute trägt die Ortschaft den Namen Černjachovsk und ist Teil der russischen Exklave Kaliningrad. Seinen Namen erhielt das Bauensemble wegen der vielseitigen Farbmuster, die Scharoun der Gestaltung die einzelnen Häuser zu Grunde legte. Er befand sich damit in bester Gesellschaft der Architekten des Neuen Bauens, die Farbigkeit in Zeiten selbst auferlegter Ornamentlosigkeit als wesentliches architektonisches Gestaltungselement erkannten, allen voran Bruno Taut. (jr, 9.3.17)

Endlich unter Schutz: Scharouns „Bunte Reihe“ (Bild: Dimitri Suchin)