Günter Kleinjohann gestorben

Die Stadt Trier besitzt manch beachtliche Großbauten der 1960er und 1970er Jahre. Für viele zeichnet Günter Kleinjohann verantwortlich, der nun am 4. März im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Der Stadtwerke-Verwaltungsbau, die Reihenhaussiedlung “Auf der Hill”, das Pfarrzentrum St. Maternus und das Psychologie-Gebäude der Universität sind allesamt seine Entwürfe. Der gebürtige Westfale, der an der RWTH Aachen sein Diplom machte, war ab 1957 Mitarbeiter im Büro von Rudolf Schwarz, der neben Hans Schwippert und Rudolf Steinbach zuvor bereits zu seinen Lehrern gehörte. 1960 erhielt Kleinjohann eine Berufung als Dozent an die Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen in Trier, wo fortan sein Lebensmittelpunkt sein sollte. Von 1972 bis 2016 hielt er die Professur für Entwerfen und Baugeschichte inne, führte zudem von 1960 bis 2000 ein eigenes Architekturbüro.

Bleiben wird von Günter Kleinjohann eine große Zahl moderner Kirchbauten und Gemeindezentren, begonnen mit dem Gemeindezentrum St. Barbara in Idar-Oberstein (1960). Das 1966 fertiggestellte Gemeindezentrum Christkönig in Saarlouis-Roden wurde erst vor wenigen Jahren vorm Abriss bewahrt, der 2015 profanierte Brutalismus-Bau beherbergt heute eine Kindertagesstätte. Doch nicht nur betonsichtiges schuf Kleinjohann: Die spätmoderne Kirche St. Nikolaus in Neu-Isenburg-Zeppelinheim (1979) kommt mit Ziegelsteinmauern und Schieferverkleidungen daher, und das 1981 entstandene Trierer Universitätsgebäude wiederum hat eine vollverkleidete Fassade. „Wer etwas Sinnvolles schaffen will, muss sich voll einbringen“ war Günter Kleinjohanns Maxime, die er Generationen von Studierenden vermittelte. Und der er stets treu geblieben ist. (db, 16.3.21)

Trier, Universität (Bild: Stefan64, CC BY-SA 3.0)

Schwipperts Kathedrale

Um kaum einen deutschen Kirchenbau wurde in den letzten Jahren so heftig gerungen: St. Hedwig, die Kathedrale der Berliner Katholiken, ist seit dem 1. September diesen Jahres geschlossen, die Sanierung soll bald starten. Die Bischofskirche und Basilica minor entstand 1773 als erster katholischer Kirchenneubau Berlins nach der Reformation. Später bemühten sich mehrere Architektengrößen um die Kathedrale – bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann.

Prägend blieb Schwipperts Kapellenkranz mit offenem Zugang zur Unterkirche. 2013/14 wurden zur “Modernisierung” Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer ausgewählt. Demnach ginge Schwipperts “Doppelkirche” verloren. Bundesweit regten sich heftige und anhaltende Proteste. Da sich Bezirksamt (dafür) und Landesdenkmalamt (dagegen) nicht einig waren, genehmigte schließlich die Oberste Denkmalschutzbehörde die Maßnahme. Nun widmet sich eine neue Publikation, frisch erschienen im Jovis Verlag, eben jenem Schwippert-Anteil am Baudenkmal. In diesem Band fordern Denkmalpfleger, Architekten, Wissenschaftler, Künstler und Autoren nicht nur den Erhalt, sondern auch die fachgerechte Wiederherstellung des denkmalgeschützten Innenraumes nach den Originalplänen Hans Schwipperts. Wir drücken die Daumen! (kb, 15.12.18)

Buslei-Wuppermann, Agatha, St. Hedwigs-Kathedrale Berlin. Hans Schwipperts Mahnmal für den Frieden, Jovis Verlag, Hardcover, 21 x 25,5 cm, 160 Seiten, ca. 70 Schwarz-Weiß- und Farbabbildungen, Deutsch, ISBN 978-3-86859-560-4, Berlin 2018.

Berlin, St. Hedwigskathedrale, 1963 (Bild: Bundesarchiv BildB1101-0013-001, CC BY SA 3.0)