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Tomás Maldonado beim unfertigen HfG-Bau in Ulm (Foto: Sigrid von Schweinitz, 1954-56, HfG-Archiv Schw 003.055, Detail, © Museum Ulm, HfG-Archiv Ulm)

Der Gestalter Tomás Maldonado ist tot

Kaum ein anderer prägte die renommierte Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm so wie er: Der Gestalter Tomás Maldonado, geboren 1922, verstarb gestern im Alter von 96 Jahren in Mailand. Das meldet das Museum Ulm. Mit seiner bewussten Abkehr vom Vorbild „Bauhaus“ trug Maldonado für die HfG entscheidend zur Entwicklung des modernen, wissenschaftlich fundierten Berufsbilds für Industriegestalter bei. Ein Konzept, das als „ulmer modell“ bis heute an Hochschulen weltweit angewendet wird.

In seiner Frühzeit war Maldonado eng verbunden mit avantgardistischen Gruppierungen und zählte zu den Gründern von „Arte Concreto-Invención“. Nach Europa kam er, um ein Buch über Max Bill zu schreiben. In der Folge wurde er bereits 1954 provisorisch an der HfG Ulm angestellt, die er 1964 bis 1966 leitete, an der er bis 1967 tätig war, und für deren Zeitschrift „ulm“ er schrieb. Von hier ging er nach Mailand, wo er zu einem der führenden Designtheoretiker weltweit avancierte. Er besetzte Lehrstühle u. a. in Bologna und Princeton. In seinen letzten Lebensjahren wandte sich Maldonado wieder der konkreten Malerei zu. So war er auch 2016/17 in der großen Münchener Ausstellung „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ vertreten. (pl, 27.11.18)

Tomás Maldonado beim unfertigen HfG-Bau in Ulm (Foto: Sigrid von Schweinitz, 1954-56, HfG-Archiv Schw 003.055, Detail, © Museum Ulm, HfG-Archiv Ulm)

HfG Ulm (Bild: Hans G. Conrad René Spitz, CC BY SA 3.0)

Neues Sehen in Ulm

Die 1953 gegründete HfG Ulm gilt als institutioneller Nachfolger des Bauhaus. Obwohl die Hochschule nicht an die Popularität des Vorbilds heranreicht und schon 1968 wieder geschlossen wurde, leistete sie einen bedeutenden Beitrag zum Gestaltungskanon der Nachkriegszeit. Auch das Hochschulgebäude ist ein Meilensteine der Nachkriegsmoderne und hat mit seinem Architekten, dem Bauhausschüler Max Bill, eine direkte Verbindung zur Architektur der Weimarer Republik. Eine Fotoausstellung widmet sich nun vor Ort der jüngsten Sanierung des Baus.

Die Arbeiten des Fotografen Ralph Fischer beschränken sich dabei nicht auf die Dokumentation der Baumaßnahmen. Die Sanierung wird vielmehr kreativ betrachtet und mit den Stilmitteln des Neuen Sehens eingefangen. Mit der Sortierung der Aufnahmen nach den wichtigsten Baumaterialien geht Fischer – der nicht nur Fotograf, sondern auch promovierter Werkstoffwissenschaftler ist –  auf die Charakteristik des HfG-Gebäudes ein, das sich auf wenige unterschiedliche Baumaterialien beschränkte. Die Ausstellung ist vom 11. bis zum 22. November 2018 in der UfG Ulm (Großer Hörsaal, Am Hochsträß 8, 89081 Ulm) zu sehen. (jr, 6.11.18)

HfG Ulm (Bild: Hans G. Conrad René Spitz, CC BY SA 3.0)

Ulm, Einstein-Haus (Bild: VHS Ulm, 1968)

Ulm: Das Einstein-Haus wird 50

Die Ulmer vh (Volkshochschule) wurde genau ein Jahr nach Befreiung der Stadt durch die Amerikaner gegründet: am 24. April 1946. Vor allem Inge Scholl (später Aicher-Scholl, nach der Heirat mit dem (Grafik-)Designer Otl Aicher), Schwester von Hans und Sophie Scholl, stand der neuen Institution als erste Leiterin vor. Zunächst war die vh auf räumlicher Wanderschaft, u. a. im provisorisch wiederaufgebauten Ulmer Museum, später im Gebäude des Amerikahauses.

Erst 22 Jahre später wurde am Kornhausplatz ein eigenes Bauwerk im Stil als „Ulmer Funktionalismus“ errichtet. Es folgt den Prinzipien der Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG), mit der die vh, nicht zuletzt durch Inge Aicher-Scholl und Otl Aicher, eng verknüpft war. Geplant wurde das Haus vom Ulmer Büro Eychmüller, Sykora und Krauss. Der zur Stadt hin offene Stahlskelettbau steht, so die Presse, vor allem „für den demokratischen Aufbruch der Nachkriegszeit“. Die Innenräume sind vollständig mit Teppichboden ausgelegt, einem weichen Kontrast zu den Sichtbetonwänden und Wandmodulen. Besonders der „Club Orange“ besticht durch die erhaltenen, orangene Eames-Möblierung. Nun, zum 50. Jubiläum wird an der vh gefeiert: Am 20. Oktober bietet der Tag der offenen Tür ein großes Rahmenprogramm und zusätzlich die Eröffnung einer Ausstellung zur Hausgeschichte, die bis 20. November zu sehen sein wird. (pl, 13.10.18)

Ulm, Einstein-Haus (Bild: vh ulm, 1968)

HfG Ulm (Bild: Hans G. Conrad René Spitz, CC BY SA 3.0)

Jubiläum eines Jubiläumsjahres

Noch ein gutes halbes Jahr, bis es endlich los geht, das bereits vorab so viel besprochene Bauhausjubiläum. In Stuttgart nimmt man die Geburtstagsbegeisterung zum Anlass, das 50. Bauhausjubiläum unter die Lupe zu nehmen, das 1968 begangen wurde. Die Ausstellung „50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus 1968“ im Württembergischen Kunstverein beleuchtet das damals weit weniger auwendig gefeierte Ereignis auch aus der Perspektive der HfG Ulm, die versuchte, ihre eigene Schließung unter Verweis auf das symbolträchtige Jahr abzuwenden.

Die Hochschule für Gestaltung in Ulm war 1953 als inoffizieller Nachfolger des Bauhaus angetreten. Unter dem Lehrpersonal fanden sich viele ehemalige Bauhäusler, auch Direktor Max Bill hatte an der legendären Kunstschule der Weimarer Republik gelernt. 1968 stand jedoch nach finanziellen Schwierigkeiten die Schließung der Hochschule zur Debatte. Die Studenten riefen, ganz dem Zeitgeist entsprechend, zur Demonstration vor dem Württembergischen Kunstverein auf, wo eine Ausstellung das 50. Bauhausjubiläum feierte. Das Motto der Demo: „Worte fürs Bauhaus sind gut, Taten für die hfg sind besser!“. Sogar der aus den USA angereiste Walter Gropius selbst gesellte sich zu den Studenten, um per Megafon Sympathien für ihre Forderungen zu bekunden. Doch selbst diese symbolträchtige Geste konnte die Hochschule nicht mehr retten: Zum Ende des Jahres 1968 war das Ulmer Bauhaus Geschichte. (jr, 21.5.18)

HfG Ulm (Bild: Hans G. Conrad René Spitz, CC BY SA 3.0)