Der typologische Blick

Der typologische Blick

Candida Höfer: Eckermannstraße Hamburg, 1978 (Serie: Türken in Deutschland) (Foto: © Candida Höfer, VG Bild-Kunst, Bonn 2016)
Candida Höfer: Eckermannstraße Hamburg, 1978 (Serie: Türken in Deutschland) (Foto: © Candida Höfer, VG Bild-Kunst, Bonn 2016)

Diese Ausstellung ist der 2015 mit 81 Jahren verstorbenen Fotografin Hilla Becher gewidmet, die ein mit ihrem Ehemann Bernd Becher (1931-2007) erarbeitetes, epochemachendes Werk hinterließ. Ihre markanten Fotografien von Industriebauten sind bereits zu Lebzeiten der Künstler ins kollektive Gedächtnis eingegangen. So wundert es nicht, dass das Ehe- und Künstlerpaar seit den 1960er Jahren zahllose Künstler, Fotografen, Kunsthistoriker und -wissenschaftler in ihrem Schaffen beeinflusste: mit einem typologischen Blick, dem Seriellen als formgebendes Prinzip, wofür sich Begriffe wie “Düsseldorfer Schule” oder “Becher-Schule” etabliert haben. So hat die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur Künstler eingeladen, die ehemals bei Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf studierten und mit Bernd und Hilla Becher in persönlichem Austausch standen, einige repräsentative Arbeiten aus ihrem Oeuvre als Exponate auszuwählen.

Darunter finden sich Motive aus den Bereichen Portrait, Architektur, Industrie, gefundenen Bildmaterialien und -daten ebenso wie Sachgegenstände, angetroffen im täglichen, urbanen und ländlichen Lebensumfeld -iInsgesamt ca. 220 Exponate, entstanden seit den 1970er-Jahren. Die Ausstellung “Der typologische Blick” ist in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur (Im Mediapark 7, 50670 Köln) vom 13. Juni bis zum 3. Juli 2016 zu sehen. Am 12. Juni wird um 17 Uhr die Vernissage begangen. (kb, 3.6.16)

Hilla Becher 1934-2015

Die Kasseler documenta 5 machte das Ehepaar Hilla und Bernd Becher 1972 endgültig bekannt: Sie fotografierten Hochöfen, Fördertürme, Gasometer, Fabrikhallen und Getreidesilos in Europa und den USA. Menschenleer, sachlich und kühl wirken die Schwarz-Weiß-Serien. Sechs, neun, zwölf oder mehr Fotografien desselben Objekts aus differierenden Winkeln dokumentieren Bauten, die von Verfall und Abriss bedroht waren. Die nüchterne Sicht der Bechers sei “kein geringerer Verdienst als die Erfindung und Etablierung einer neuen Wahrnehmungsästhetik”, schrieb ihr Verlag Schirmer/Mosel, und man mag angesichts des kunstvoll in Szene gesetzten Niedergangs in ihren Bildern kaum widersprechen.

Hilla Becher machte in ihrer Geburtsstadt Potsdam eine Ausbildung als Fotografin, floh 1954 nach Westdeutschland und arbeitete in einer Werbeagentur in Düsseldorf. An der dortigen Kunstakademie richtete sie das Fotolabor ein und lernte Bernd Becher kennen, der nach Abschluss seines Studiums  später die Professur für Fotografie innehielt. Auch Hilla Becher lehrte später in Düsseldorf als Dozentin. Das seit 1961 verheiratete Künstlerpaar erhielt ab den 1980ern etliche Auszeichnungen. Unter anderem den “Goldenen Löwen” für ihren Beitrag zum deutschen Pavillon der 44. Kunstbiennale in Venedig. Bernd Becher starb bereits 2007, am 10. Oktober 2015 ist nun Hilla Becher im Alter von 81 Jahren in Düsseldorf gestorben. (db, 15.10.15)

Die “Wasserturm-Typologie” von Hilla und Bernd Becher ziert die Turbinenhalle im Landschaftspark Duisburg-Nord (Bild: Raimond Spekking, CC BY-SA 3.0)