Jetzt noch besser: 5. Dezember Buch-Café statt Buch-Führung

Zugegeben, irgendwie hatten wir uns schon auf analog gefreut, aber die Pandemie war da anderer Meinung. Da wir coronabedingt die analoge Buch-Führung zum druckfrischen Tagungsband “Das Ende der Moderne?” nicht durchführen können, bringen wir die 90er-Architektur mit dem virtuellen Buch-Café #modernistmas zu Ihnen: selbe Uhrzeit, nur eben mit eierlikörhaltigem Kaffee und thematisch passendem Gebäck vor dem Rechner.

Gemeinsam mit der Architekturvermittlerin Turit Fröbe (Stadtdenkerei), Christian Kloss (TU Berlin) und Autor:innen des Buchs sprechen wir über die opulenten Entwürfe von Hinrich und Doris Baller, die Alltagsarchitektur der 1990er Jahre und den neuen Blick auf diese Ära. Als kleines Extra werden wir uns speziell vorbereiten: Geplant ist ein Lebkuchenhaus in Form des Frankfurter Messeturms (Wer vorab mitbacken will, findet online Rezepte und Anregungen). Ob das gelingt? Überzeugen Sie sich selbst! 2. Adventssonntag, 15 Uhr, hier vor dem Rechner. (kb, 29.11.21)

Zoom-Zugang: https://tu-berlin.zoom.us/j/66182342410?pwd=ZVRxNGUrOUlnY3VRb213VU5Xb0pFUT09, Meeting-ID: 661 8234 2410, Kenncode: 647861.

Skylinestecher (Bild: PD)

Potsdam: Doch Abriss für die Nutheschlange?

Dass es in Potsdam der Ostmoderne an den Kragen geht, ist leider trauriges Allgemeinwissen. Nun geht die Stadtreparatur in die nächste Stufe, denn ein markanter Bau der Postmoderne soll fallen. Erste Ideen für die sog. Nutheschlange reichen zurück bis zur Berliner IBA 1984-87. Im Geist eines behutsamen Stadtumbaus sollte am Potsdamer Humboldtring eine begrünte, bewohnbare Lärmschutzwand entstehen: vorwiegend zwei- bis dreigeschossige Reihenhäuser um und über einem teils künstlichen Wasserlauf. Die expressiven Entwürfe stammten vom Architekten Hinrich Baller, lange Jahre Professor an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Bauträger war die GEWOBA, heute Tochter der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam.

Schon während der Baumaßnahme, die sich bis 2002 hinzog, gab es juristische Streitigkeiten zwischen Architekt und Bauträger. Inzwischen steht der Kopfbau, das sog. Terrassenhaus mit 38 Wohnungen und 200 Stellplätzen leer und soll abgerissen werden – eine Sanierung sei einfach zu kostspielig. Baller pocht auf sein Urheberrecht und vermutet ökonomisches Kalkül: Der Neubau verspreche mehr rentable Wohnfläche. Auch der Bund Deutscher Architekten (BDA) spricht sich gegen den Abriss aus und eine lokale Initiative kämpft gegen die Nachverdichtung. Ende letzter Woche jedoch lehnte der städtische Bauausschuss (ebenso wie der Umweltausschuss) ein Moratorium gegen den Abriss ab – die Diskussion dürfte weitergehen. (kb, 4.9.19)

Potsdam, Nutheschlange (Bild: Initiative Nutheschlange)