Wie wollten wir leben?

“Wie wollten wir leben?” Diese Frage stellt sich der Architekt Jonas Dettler (*1995) in der aktuellen Ausstellung im Kunstraum Putte (Brückenstraße 2, 890231 Neu-Ulm) in Neu-Ulm. Ab 1965 hatte man im dortigen Stadtteil Ludwigsfeld damit begonnen, eine neue Großsiedlung zu errichten: 24 Hektar und 900 Wohnungen in unterschiedlichen Typen – vom Reihenhaus über Zeilenbauten bis zu Hochhäusern, letztere besonders prägend. Sie entstanden in Fertigbauweise, die es ermöglichte, die Wohnungen zu verhältnismäßig günstigen Preisen am Markt anzubieten. Ein Highlight war der Pool mit Panoramaaussicht auf dem Dach für alle Bewohner:innen. Der Vorwurf der Dorfbewohner:innen – Lufwigsfeld war noch eine eigenständige Gemeinde – lautete damals, dass diese neue Siedlung die Identität des Ortes überlagere.

Ist es aus heutiger Sicht nach wie vor eine Zerstörung der Identität eines Vorortes, oder kann man die Wohnhochhäuser und die Siedlung als Paradebeispiel für eine zeitgemäße Stadtentwicklung sehen? Denn: Die ikonografische Wirkung und die visuelle Stärke der Türme lassen sich kaum abstreiten. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit genau dieser Ästhetik und der Wahrnehmung der Wohntürme. Jonas Dettler stellt sich diese Fragen aus Sicht eines Architekten. Mittels abstrahierter Fassaden, Baukörpern aus Beton und Fotografien der Wohntürme in Ludwigsfeld möchte er die Wahrnehmung stigmatisierter Bauten, wie sie überall in Europa zu finden sind, rehabilitieren. Die Ausstellung ist vom 18. Dezember 2021 bis zum 23. Januar 2022 (geschlossen vom 20. Dezember 2021 bis zum 6. Januar 2022) zu sehen. Die Eröffnung wird am 18. Dezember 2021 von 14 bis 18 Uhr begangen, der Künstler wird anwesend sein. (Der Kunstraum Putte ist geöffnet freitags von 16 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Es besteht die Pflicht zu Tragen einer FFP2-Maske. Die Nachweise hinsichtlich der 2G+-Regelung sind vorzulegen.) (pl, 18.12.21)

Hochhäuser (BIlder: Jonas Dettler)

Bilder: Jonas Dettler

HIMMELSTÜRMEND

Die Bankenhochhäuser sind prägend für das moderne Frankfurt (Bild:  DAM,© Klaus Helbig)
Die Bankenhochhäuser sind prägend für das moderne Frankfurt (Bild: DAM,© Klaus Helbig)

Die Wolkenkratzer und Bankentürme sind heute ein elementarer Bestandteil der urbanen Identität der Stadt Frankfurt am Main. In keiner anderen deutschen Stadt finden sich mehr solcher Bauwerke, die Rangliste der 10 höchsten Gebäude Deutschlands kann die Mainmetropole im Alleingang füllen. Eine Ausstellung  nimmt nun unter dem Titel “HIMMELSTÜRMEND. Hochhausstadt Frankfurt” die Dynamik der architektonischen Entwicklung am Main nach 1945 in den Blick. Sie ist bis zum 19. April 2015 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zu sehen.

Die Entstehung von Frankfurts Hochhausidentität ist historisch im engen Zeitraum der letzten 60 Jahre anzusiedeln. Die Ausstellung lässt nicht nur die Stilrichtungen Nachkriegs- und Postmoderne in Gestalt exemplarisch vorgestellter Bauwerke aufeinandertreffen. Sie zeichnet auch städtebauliche Entwicklungen, Debatten und Kontroversen nach. Dazu gehören der Wiederaufbau des kriegszerstörten Frankfurt ebenso wie der “Häuserkampf” im studentenbewegten Stadtteil Westend oder der Neubau der Europäischen Zentralbank. Mit letztgenanntem Projekt sowie der bundesweit beachteten Sprengung des AfE-Turms schlägt die Ausstellung den Bogen in die Gegenwart. Begleitend ist die Publikation “Hochhausstadt Frankfurt. Bauten und Visionen seit 1945” erschienen. (jr, 22.11.14)