Stilikone Collini-Center droht Teilabriss

Es scheint beschlossene Sache: das bis 1974 am südlichen Mannheimer Neckarufer errichtete Ensemble aus Büroturm und Galerie des Collini-Centers werden abgerissen. Bei dem Komplex handelt es sich um einen 32-geschossigen Turm mit 515 Wohneinheiten und einen 10-geschossigen Büroturm, die durch eine zweigeschossige „Galerie“ miteinander verbunden werden. Der Mannheimer Architekt Karl Schmucker entwarf ab 1971 das brutalistische Ensemble im Rahmen des städtebaulichen Konzepts der BUGA 1975. Zuvor hatten Stadt und der Bauherr Neue Heimat ab 1964 den Stadtteil „Vogelstang“ errichtet. Der Büroturm wurde von der Stadt Mannheim zur Einrichtung der technischen Ämter und weiterer Einrichtungen von der Neuen Heimat gemietet. 1984 kaufte die Stadt den Büroturm und die Galerie. Der Wohnturm ging in Privateigentum über, sodass bis heute Eigentümer:innen ihre Entscheidungen gemeinsam fällen (wie beispielsweise über die Sanierung des Foyers 2010 oder der Fassade des Wohnturms ab 2019). Die Galerie diente nicht nur als Erschließungskorridor zwischen den beiden hohen Bauten, sondern auch als belebter, quasi öffentlicher Raum: Hier befanden sich das Cinema Quadrat, ein Kiosk, Gastronomie und Geschäfte sowie ein in den 1980ern zu einer Therme umgebautes Schwimmbad. Die Galerie erlaubt eine Reise in die 19070er, die Geschäfte sind gewichen, die gelb-orange-rote Decke, die zeittypische Schriftart, die braunen Klinkerfliesen, die Hydrokulturen und der Kugellampenbaum sind geblieben. Und auch das Raumgefühl des sich zweigeschossig öffnenden Innenraums mit Treppenanlagen und dem indirekten Lichteinfall versprechen ein Eintauchen in die optimistische Zeit der 1970er.

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms mit Galerie und Wohnturm im Hintergrund (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms mit Galerie und Wohnturm im Hintergrund (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

2020 verkaufte die Stadt Mannheim Büroturm und Galerie an den Bauträger Deutsche Wohnwerte GmbH & Co. KG aus Heidelberg. Jetzt steht der für Frühjahr 2022 projektierte Abriss und Neubau bevor. 2019 haben sich 85 Eigentümer:innen in dem Verein “Wir im Collini” zusammengeschlossen und auf eine Sanierung gedrängt. Im November 2021 stellte der Verein einen Eilantrag auf Denkmalschutz, der abschlägig behandelt wurde und initiierte eine Petition, die mehr als 840 Fürsprecher:innen hat. Bis 20. Januar konnten die letzten Einwände erhoben werden. Das Engagement führte zu einer regionalen Resonanz, jedoch leider nicht zu einer umfassenden Würdigung. So wird das die Stadtsilhouette prägende Ensemble in seiner originären Form wohl keinen Bestand haben. Der Büroturm und die Galerie sollen, entschieden durch einen Wettbewerb, vier neuen Bauten mit Mischnutzung (darunter 231 Wohneinheiten) weichen. Ob dieses Vorgehen eine Anbindung an die BUGA 2024 ermöglichen wird, bleibt zu hinterfragen. (Oliver Sukrow/Alexandra Vinzenz, 9.3.22)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms links mit Galerie zum Wohnturm ganz rechts (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Außenansicht des Büroturms links mit Galerie zum Wohnturm ganz rechts (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Titelmotiv: Mannheim, Collini-Center, Karl Schmucker, 1971–74, Innenaufnahme der Galerie (Bild: Steffen Fuchs, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, 2022)

Wüstenrot will auf sein Hochhaus “verzichten”

1974 wurde das 20-geschossige Hochhaus in Ludwigsburg-Südstadt nach Entwürfen des Stuttgarter Architekten und Hochschullehrers Ludwig Hilmar Kresse fertiggestellt. Mit sechs Aufzügen und mehr als 70 Metern Höhe galt die Anlage damals als höchstes Bauwerk in Baden-Württemberg. Bis heute ist es als Landmarke weithin sichtbar. Nun ist von Abriss die Rede. Als Grund gibt Wüstenrot & Württembergische (W&W) an, dass nach Corona mehr Mitarbeiter:innen im Homeoffice aktiv wären und daher der Büroraum im bislang dafür vorgehaltenen Umfang nicht mehr benötigt werde. Schon 2016/18 hatte Wüstenrot die Pläne bekannt gegeben, seinen Schwerpunkt in Neubauten nach Kornwestheim zu verlagern und das Ludwigsburger Areal mit seiner nachkriegsmodernen Bebauung bis 2023 für Wohn- und Bürozwecke neu zu erschließen. Ein neues Quartier solle entstehen. Damals war allerdings vorgesehen, trotz einiger anderer Abrisse das markante Hochhaus stehenzulassen und dort weiterhin rund 1.000 Mitarbeiter:innen unterzubringen.

Nach der aktuellen Planung verbleiben nur noch kleine Teile des Unternehmens, darunter die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH sowie die Wüstenrot Stiftung, in Ludwigsburg. Das Schicksal des Hochhauses ist noch offen, die Rede ist von einem Architekturwettbewerb – alles komme darauf an, ob sich eine neue Nutzung für die Landmarke finden lasse. Wohnungen seien nicht möglich, da das Hochhaus in einer Sicherheitszone rund um das Kornwestheimer Gaswerk liege. Diese Einschränkung habe sich aus einem Gutachten 2017 ergeben. Nur das Hochhaus, nicht aber die meisten anderen Bauten des Wüstenrot-Areals seien von diesem Radius betroffen. (kb, 26.10.21)

Ludwigsburg, Wüstenrot-Hochhaus (links im Bild) und weitere Bauten des zugehörigen Areals, das aktuell neu beplant wird (Bild: Silesia711, CC BY SA 4.0, 2013)

Fällt das Hochhaus in Sangerhausen?

Vor Kurzem feierte die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) das 50. Jubiläum des Hochhauses in der Erfurter Straße. 1965 wurde der Bau damals in der Karl-Marx-Straße 48 fertiggestellt, mit Annehmlichkeiten wie Fahrstuhl und Fernheizung – und auch heute könne man hier moderne Wohnbedingungen bieten, so die SWG zum Jahrestag, ganz zu schweigen von der weiterhin sensationellen Aussicht bis hin zum Kyffhäuser. Noch zu DDR-Zeiten wurde das einzige Hochhaus der Stadt gleich auf mehreren Postkarten verewigt. In den vergangenen Jahren wurden bei einer Sanierung viele der Einraumwohnungen zu Zwei- oder Dreizimmerapartments zusammengefasst. Inzwischen wird hier auch der “Service Wohnen im Alter” angeboten. Bis heute hat sich das Erscheinungsbild des Bauwerks, sieht man von den zahlreichen reversiblen Handyantennen auf dem Flachdach ab, fast unverändert erhalten.

Doch wie jetzt die Presse berichtet, steht es schlecht um die Zukunft des Hochhauses. ´Der rund 30 Meter hohe Bau könnte ebenso wie die nahegelegene, elegant ausgeschwungene Fußgängerbrücke aus dem Jahr 1979 beim geplanten Umbau der dortigen Kreuzung (Erfurter Straße/Straße der VS/Schartweg) fallen. Geplant ist ein Kreisverkehr mit Überwegen für Fahrradfahrer:innen und Fußgänger:innen. Eine Sanierung der bestehenden Brücke sei wirtschaftlich nicht zumutbar, zudem sei die Konstruktion nicht barrierefrei. Vor allem gegen den Abriss der Fußgängerbrücke, aber auch gegen den Verlust des einzigen Hochhauses der Stadt, regt sich aktuell vor Ort Widerstand. Hier mischen sich Argumente der Verkehrssicherheit, der Erinnerungswert, aber auch baukünstlerische Kriterien. Die Stadt habe die Brücke nicht gut unterhalten, teils im Winter einfach gesperrt und damit einen möglichen Abriss schon mental vorbereitet. (kb, 16.10.21)

Sangershausen, Hochhaus in der Erfurter Straße (Bild: hmon23, via mapio.net)

Sangerhausen, Hochhaus an der Erfurter Straße (Bild oben: historische Postkarte, Bild unten: hmon23, via mapio.net)