Aalto-Wohnung anyone?

Zugegeben, von außen wirkt es erst einmal nicht sonderlich aufregend – seinen Reiz entwickelt das Hochhaus im Luzerner Schönbühl-Quartier nahe des Vierwaldstätterseesern erst innen: Egal, welche Wohnung man betritt, bietet sich ein grandioses Alpen-, See- oder Stadtpanorama, denn der Bau ist fächerförmig angelegt. Und für große Ideen sind oft auch große Architekten verantwortlich. So auch hier, denn der Entwurf des 1968 errichteten Solitärs stammt vom Finnen Alvar Aalto. 50 Jahre nach dem Bau wurde das Gebäude nun unter Erhalt vieler bauzeitlicher Details grundsaniert. Doch noch sind etliche Wohnungen frei, obwohl die Mietpreise von 2000 bis 3400 Franken für eine 3,5-Zimmer-Wohnung (je nach Etage und Ausrichtung) für Schweizer Verhältnisse bestenfalls im oberen Mittelfeld rangieren.

Nicolas von Schumacher von der Besitzerfamilie der Liegenschaft sprach gegenüber der Luzerner Zeitung von einem Überangebot an mittelpreisigen Wohnungen in der Region Luzern. Dennoch rechne man nach der endgültigen Fertigstellung nun mit einer steigenden Nachfrage. Interessanter Fakt am Rande: Für Aufregung im Vorfeld der Wiedereröffnung sorgte die Nachricht, dass Mieter im Aalto-Hochhaus für einen Zweirad- (Velo) Parkplatz 25 Franken pro Monat bezahlen sollen. Das wurde zwar auch zuvor schon so gehandhabt, sorgt in Zeiten des anstehenden städtischen Mobilitätswandels aber für Diskussionen. (db, 10.9.19)

Luzern, Alto-Hochhaus (Bild: Arlewo AG)

Dortmund: Hochhaus kommt weg

Echt jetzt? Nachdem es bereits seit Jahren angekündigt war, geschieht es jetzt offenbar wirklich: Das Hochhaus in der Dortmunder Kielstraße wird abgerissen. Vor genau 50 Jahren wurde es gemeinsam mit einem identischen Wohnturm von der „Westfälischen Wohnstätten AG“ errichtet. Was 1969 die Dortmunder Nordstadt beleben sollte, scheiterte schnell – es entwickelte sich ein sozialer Brennpunkt. 1992 wurden die reichlich patinierten Gebäude privatisiert, und ihre Wege trennten sich: Den Turm in der Heiligegartenstraße übernahm die städtische „Degewo 21“. Er wurde saniert und aufgehübscht und zählt nun zu den beliebten Wohnlagen. Bis heute ist er voll vermietet.

Der Turm in der Kielstraße ging an eine Gesellschaft aus Heilbronn, die die 102 Wohnungen einzeln anbot. Das Ergebnis: eine Spekulationsruine mit insgesamt 44 Eigentümern, von denen etliche Kredite und Nebenkosten nicht mehr zahlen können. Eine Sanierung konnte nie durchgeführt werden, 2002 wurden im Gebäude aufgrund ausstehender Zahlungen Strom und Wasser abgestellt. Es blieb eine leergeräumte und zugemauerte Ruine. Nach 17 Jahren ist es der Stadt Dortmund nun gelungen, alle Wohnungen zu erwerben – die letzte Mitte Juni. Nachdem bereits mit der Entrümpelung begonnen wurde, soll nun auch ein Abriss-Zeitplan für das sogenannte „Horrorhaus“ bekanntgegeben werden. Die Urbexer-Szene hat bald eine Attraktion weniger … (db, 23.6.19)

Dortmund, Kielstraße (Bild: Tbachner, CC BY SA 3.0)

Regensburg: Wohin mit dem Wirsing-Hochhaus?

„Wenn man nichts mehr weglassen kann, ist es fertig“, so der Wahlspruch des 2007 verstorbenen Architekten Werner Wirsing. In Mün­chen wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zum Vorreiter des modernen, platz- und materialsparenden sozialen Bauens. Da war 1951 ein erstes Münchener Studenten- und Lehrlings­wohn­heims, die Wohnheimsiedlung Maßmannplatz. Auch als Leiter des Baubüros des Bayerischen Jugendsozialwerks blieben Wohnheime seine Spezialitäten. Selbst sein wohl bekanntestes Werk, die zweistöckigen Reihenbungalows für Sportlerinnen im Münchner Olympiadorf 1972, diente seit dem Ende der Spiele als Studentenunterkunft.

In Regensburg wird heute das Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz, von der Presse kurzerhand nach Wirsing benannt. Eigentlich handelt es sich um das 1969 errichtete Dr.-Martin-Luther-Heim, das von der Evangelischen Kirche lange Jahre als Studentenheim betrieben wurde. Schon seit Monaten wird um die inzwischen entmietete Betonkonstruktion gerungen: Die Stadt wollte sie zugunsten einer neuen Stadthalle niederlegen. Aktuell hat ein Bürgerentscheid den Neubau erst einmal verhindert. Die Abrissgegner waren nicht zwangsläufig Modernefreunde, so titelte „regensburg-digital“ 2018: „Betonklotz erhalten, um Betonklotz zu verhindern?“ Vielen Regensburgern erschienen die raumgreifend-kostenintensiven Neubauplanungen als das größere Übel. Die Stadt indes will den Abriss nun für einen provisorischen Zentralen Busbahnhof vorantreiben. Derweil wurden von den Abrissgegnern in einem Ideenwettbewerb kreative Vorschläge für eine Weiternutzung des Wirsing-Hochhauses gesammelt. (kb, 19.2.19)

Regensburg, Dr.-Martin-Luther-Haus, (Bilder: oben: via semester.info, unten: Volker Zürn, via flickr)