Schlagwort: Hotel

Entwurf für eine Bergstation mit Hotel, Restaurant und Luftseilbahn aus sem Jahr 1931 (Bild: Jovis Verlag)

Trendsetter der Moderne

Auffallen sollten sie, ein Erlebnis versprechen: Cafés, Hotels und Restaurants bildeten in der heraufziehende Moderne die perfekte Bühne für die bürgerliche Selbstdarstellung. In den wachsenden Metropolen der Welt entstanden so Orte des Genusses und der Freizeit – aufsehenerregend in Architektur und Ausstattung. Hier war die große Geste erwünscht, versprach sie doch hohen Komfort für eine fortschrittsgläubiges Publikum.

Mit ihrem Band „Trendsetter der Moderne“, erschienen im Jovis Verlag, widmet sich Franziska Bollerey dieser besonderen Bauaufgabe. Die Cafés waren kreative und soziale Räume zugleich. Hier trafen sich bildende Künstler und Literaten, Revolutionäre, Geschäftsleute und Liebespaare. Im Hotel kamen die unterschiedlichesten Schichten zusammen, vom Gelegenheitsreisenden bis zum routinierten Touristen. Und für die kleinen Auszeiten, für das lustvoll inszenierte Speisen, hatten die Franzosen das Restaurant „erfunden“, das bald auch in anderen Städten nicht mehr aus dem gesellschaftlichen Leben wegzudenken war. (kb, 9.12.18)

Bollerey, Franziska, Trendsetter der Moderne. Cafés, Hotels, Restaurants, Jovis Verlag, Berlin 2017, Hardcover, 21 x 25,5 cm, 256 Seiten, 309 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-86859-483-6.

Titelmotiv: Entwurf für eine Bergstation mit Hotel, Restaurant und Luftseilbahn aus sem Jahr 1931 (Bild: Jovis Verlag)

Connecticut, ehem. Pirelli-Gebäude (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2014)

Das Marcel-Breuer-Ikea

Vorbei die Zeiten, als IKEA für eine helle Fichteselbstbauästhetik stand? In New Haven in Connecticut jedenfalls hat der schwedische Möbelriese seit 2003 ein brutalistisches Gebäude par excellence in Besitz: der ehemalige Sitz von Armstrong Rubber/Pirelli Reifen, gestaltet 1968/69 nach Entwürfen von Marcel Breuer & Robert F. Gatje. Zunächst wollte IKEA die Räume für eigene Zwecke als Ladengeschäft nutzen.

Doch nun stehen für diese sperrige Immobilie neue Nutzungspläne im Raum zu stehen. Der „New Haven Independent“ meldet, dass IKEA über die Einrichtung eines Hotels im Betonbau nachdenke. Man habe zuvor andere Ideen von Büro- bis Wohnkomplex erwogen – und wieder verworfen. IKEA hält sich noch bedeckt: Die Hotel-Pläne werden weder bestätigt noch verneint. Wahrscheinlich sucht man noch nach dem passenden schwedischen Produktnamen für die ersten Betonregale. Wie wäre es mit Brutal Bjørn? (kb, 29.4.18)

New Haven/Connecticut, ehem. Pirelli-Gebäude (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2014)

Die eckige Ostseeperle

Ostseeperle_C-Hotel-Ostseeperle
Glowe auf Rügen: im Vordergrund die Ostseeperle von Ulrich Müther, im Hintergrund der Neubau (Bild: Hotel Ostseeperle)

Schon mit einer unserer letzten Meldungen waren wir bei den „Prora“-Ferienwohnungen auf Rügen, also bleiben wir doch einfach etwas länger in der Gegend! In einem Apartmenthotel von Ulrich Müther, dem „Schalenbauer der DDR“. Das Restaurant der Ostseeperle in Glowe auf Rügen ist eines seiner typischen Bauwerke und ganz ähnlich konstruiert wie der „Teepot“ in Warnemünde oder das abgerissene „Ahornblatt“ in Berlin: Die geometrische Stahlbetondecke ist selbsttragend, das ermöglicht großzügige Fensterflächen. Bei der Ostseeperle öffnen sich diese zur See hin, das macht das Lokal zu einem beliebten Sundowner-Treffpunkt und zu einem Denkmal für die moderne Architektur der DDR.

Der Dortmunder Architekt Arne Knaak entdeckte und erschloss das alte Gebäude von 1968 wieder neu: Er baute sein Hotel in respektvollem Abstand und verband es mit dem von Müther mit einem ebenerdigen Gang. Der Altbau beherbergt wie damals das Lokal, im Neubau sind die Hotelzimmer untergebracht. Vielleicht wäre diese Erfolgsgeschichte ja auch ein Konzept für Müthers Hyparschale in Magdeburg? (ps, 27.4.16)

Denk-MAL-Prora

Prora (Steffen Löwe, CC0)
Der Architekt Clemens Klotz machte seinem Namen alle Ehre: das kolossale KdF-Strandbad auf Rügen (Bild: Steffen Löwe, CC0)

Der „Koloss von Prora“ ist ein gigantischer Erinnerungsort: Gebaut wurde er ab 1936 als riesiges KdF-Seebad auf Rügen, später war er die größte Kaserne der DDR. Zur Zeit entstehen in den Blocks Ferienwohnungen – daher kämpft die Initiative Denk-MAL-Prora in einer Petition um den Erhalt der letzten Geschichtsspuren.

Unter den Nazis sollten in der 4,5 Kilometer langen Ferienanlage bis zu 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können. Der moderne Bauplan wurde auf der Weltfachausstellung Paris 1937 mit einem Grand Prix ausgezeichnet, dann aber nicht mehr komplett fertiggestellt. Ab 1950 war die hermetisch abgeriegelte Anlage die größte Militärkaserne der DDR. In den 80er Jahren wurden im Block V auch Bausoldaten stationiert, die den Ort zu einer „Brutstätte oppositioneller Gedanken“ machten. Eben dieser Block ist heute noch als einziger in öffentlicher Hand: Hier sind eine Jugendherberge und ein Bildungszentrum untergebracht, das die Spuren der Vergangenheit erhalten soll. Die übrigen Blöcke wurden inzwischen zu Ferienwohnungen ausgebaut. Am 2. Mai wird der Landkreis darüber entscheiden, ob auch dieser Block V privatisiert werden und in eine Ferienanlage umgewandelt werden soll. Die Initiative warnt: „Endgültig verloren ginge der Charakter des Mahnmals zweier Diktaturen.“ (ps, 17.4.16)

Urlaub mit Beton

Sanatorium Kurpaty Bild: Diamant, CC-SA 3.0
Übertrumpft jede Sandburg: das Sanatorium Kurpaty (Bild: Diamant, CC SA 3.0)

​Wir planen schon mal unseren Sommerurlaub – in einem brutalistischen Hotel. Und da gibt es (noch oder gerade wieder) eine große Auswahl. Denn als in der Nachkriegsmoderne der Massentourismus aufblühte, schossen in den Urlaubsregionen der Welt die Hotelkomplexe aus dem Boden. Nicht alle waren erholsam – selbst Loriot machte sich über die verbauten Strände lustig.

Doch es entstand auch so manches außergewöhnliche Gebäude. Das gilt besonders für die Urlaubsregionen im ehemaligen Ostblock: Dort galten die gewagten, futuristischen Bauten aus Beton als Prestigeobjekte und als Symbole des geplanten Wohlstands. Einige von ihnen sind noch in Betrieb, wie das Sanatorium Kurpaty in Jalta. Oder das Terminal Neige Totem Hotel. In den 1960er Jahren entstand die Urlaubsregion Flaine in den französischen Alpen, das gesamte Ski-Dorf wurde von Marcel Breuer geplant. Doch nach und nach schlossen die Hotels wieder. Das Totem stand jedoch nur drei Monate leer, bevor es aufwändig saniert und wieder eröffnet wurde. Und in seinen Räumen steht natürlich Breuers „Wassily-Stuhl“. (ps, 21.2.16)

Kampf um das Mercure Hotel Potsdam

Potsdam, Interhotel (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0721-0301-001, CC BY SA 3.0.de, Foto: Hubert Link, 1970)
Stört die Vorkriegs-Romantik: das ehemalige Interhotel Potsdam (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0721-0301-001, CC BY SA 3.0.de, Foto: Hubert Link, 1970)

Die Debatte um das Mercure Hotel Potsdam erreicht einen neuen Höhepunkt: Die Stadtführung strebt an, das Gebäude vor dem rekonstruierten Potsdamer Stadtschloss langfristig zugunsten einer „Wiese des Volkes“ abzureißen und das alte Stadtbild der Vorkriegszeit wiederherzustellen. Nun plant Potsdam eine Sanierungssperre für das Gebäude. Als das Hotel am 1. Mai 1969 eröffnet wurde, gehörte es zur DDR-Hotelkette Interhotel. Walter Ulbrich lobte den Prestigebau als „sozialistische Stadtkrone“ von Potsdam, als neue Höhendominante der wiederaufgebauten Stadt. Das alte Stadtschloss hingegen hatte man, gegen den Widerstand der Bevölkerung, abgerissen.

Nun scheint sich die Geschichte in umgekehrter Richtung zu wiederholen: Der Antrag der Stadt sieht vor, dass das zuständige Bauamt zukünftig jeden Antrag auf Sanierung oder Umbau ablehnen könne. Langfristig solle der 17-stöckige Plattenbau angekauft und abgerissen werden. So würde es den Blick freimachen auf das Ensemble aus Nikolaikirche und Stadtschloss. Doch die Bevölkerung wehrt sich: Die Abgeordneten der Linken fordern eine Bürgerbefragung und die Presse, vor allem die Potsdamer Neuesten Nachrichten, schreibt energisch gegen die Pläne an. Die für den 27. Januar geplante Abstimmung wurde nun vertagt. (ps, 28.1.16)

Schöner Wohnen im Barcelò

1961-62 als Versicherungssitz errichtet, seit 1988 Hotel: das Barcelò Cologne (Foto: © Raimond Spekking / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons))
1961-62 als Versicherungssitz errichtet, seit 1988 Hotel: das Barcelò Cologne (Foto: © Raimond Spekking / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons))

Das ehemalige Hochhaus der Provinzial-Versicherung am Rudolfplatz ist bereits seit über 25 Jahren ein Luxushotel – und ein Baudenkmal. Der Architekt Theodor Kelter (1907-1982) entwarf diesen kölschen Klassiker des International Style in Stahl, Beton und Glas 1961. Zu seinen Gunsten wurde – nicht unumstritten – Ende der 1950er Jahre das historische Opernhaus abgebrochen. Der lange ungeliebte Nachfolger ist vor dem gleichen Schicksal gefeit.

Mehrere Büro- und Verwaltungsbauten Theodor Kelters stehen noch heute an den Kölner Ringen, das Barcelò Cologne gehört zu den markantesten. Am Tag des offenen Denkmals kann man das Innere des mondänen Hotels erkunden, sofern man sich nicht hierfür extra ein Zimmer nehmen möchte. Sein mehrfarbig ausgeleuchtetes Treppenhaus passt bestens zum Denkmaltag-Motto 2014: „Farbe“. In Köln finden die Veranstaltungen eine Woche später statt: Das erste Haus am Platz hat am 21.9. von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen gibt es um 13.30, 15 und 16.30 Uhr. (db, 10.9.14)

Bad Münstereifel, Astropeiler (Bild: Stephan Wershoven, CC BY SA 3.0, 2013)

Münstereifel baut

von Wilma Ruth Albrecht

Das Städtchen Münstereifel ist viel mehr als sein mittelalterlich-pittoreskes Image. Nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte es von der Nähe zur Bundeshauptstadt Bonn und zur Metropole Köln. Am 4. August 1955 wurde Münstereifel zum fünften Kneippheilbad der Bundesrepublik. Bereits 1961 kamen 7.600 Kurgäste und 3.500 Gäste ohne Kuranwendungen für rund 145.000 Übernachtungen – verteilt auf vier Kurhäuser, 27 Kurheime, drei Hotels, vier Erholungsheime und 138 Privatzimmer. Ab Oktober 1967 schließlich durfte man hier den Titel „Bad Münstereifel“ führen. So wundert es nicht, dass die Kurstadt bis heute zahlreiche sehenswerte Bauten der 1950er Jahre vorzuweisen hat.

 

Eine Kurstadt im Aufwind

Das Jahr 1952 markierte den Aufbruch in die Wirtschaftswunderzeit. Eingeweiht wurden die Jugendbildungsstätte der Bergmannsjugend am Radberg (Architekt: Hanns Bökels, 2002 umgenutzt zu Wohnzwecken), das Kneippkurhaus Josefsheim am Nöthener Berg (später Residenz Nöthener Tannen, zurzeit Leerstand) und das Haus Sonnenhof im Schleidtal. 1954 folgten die Jugendherberge Rodert (Architekt: Wilhelm Denninger) und 1955 das Kneipp-Sanatorium Dr. Schumacher-Wandersleb (später Ambienta-Hotel, derzeit geschlossen).

Der Astropeiler Stockert (Technische Gesamtleitung: Pederzani, Telefunken) von 1956 wurde 2010 im Eigentum der NRW-Stiftung als Museum und Bildungsstätte wiedereröffnet. In den kommenden Jahren erweiterete man die schulische und touristische Infrastruktur: 1958 mit der Rechtspflegerschule im Schleital (Architekt: Josef Bischof, später Verwaltungsfachhochschule NRW), 1960 mit dem Kurhotel VierJahreszeiten (lange Bildungsstätte von Versicherungen, heute Leerstand), mit dem Kurhotel/Sanatorium Jungmühle in der Unnaustraße (2014 Umbau vorgesehen), mit dem Kurhotel Herrenbusch (1971 umgewandelt zur Bildungsstätte der Friedrich-Ebert-Stiftung, heute Privatklinik) und mit dem Mädcheninternat/-pensionat der Ursulinen (Architekt: Wilhelm Rudolf Koep). Am Übergang zu den 1960er Jahren stehen drei kirchliche, 1962 vollendete Bauprojekte: das Schwesternheim der Augustinerinnen „Maria Königin“ (heute heilpsychologische Einrichtung), das Internat der Ursulinen im Ottertal (Architekt: Wilhelm Rudolf Koep, heute genutzt von den „Legionären Christi“) und das Pfarrhaus der evangelischen Kirche Langenhecke (Architekt: Heinz Kleinert).

 

Elegante Gäste- und Privathäuser

Wie elegant die 1950er Jahre in Münstereifel aussehen konnten, ist beispielhaft an einem der prominenten Gästehäuser ablesbar: Das Kneipp-Kurhotel Berghof entstand 1960 nach Entwürfen des Architekten Friedrichs aus Horrem (Bauleiter: Delor). Das weit auskragende Vordach, das zugleich als Balkon dient, wird von einem V-Träger (Pilotis) gestützt. Auch die geschwungen verglaste Hotelempfangshalle mit Tür- und Fensterprofilen aus goldfarben eloxiertem Aluminium verweist ebenso in die 1950er Jahre wie der Naturstein-Bodenbelag, die Holzvertäfelungen, die nierenförmigen Pflanzbeete und die elegant gewundene Treppe ins Obergeschoss. Dieses Zeitkolorit ist nach der Übernahme, Renovierung und Erweiterung durch die Betriebsgenossenschaft weiterhin klar ablesbar.

Doch auch Privat- und Geschäftshäuser der 1950er Jahre zeugen bis heute von dieser Aufbruchszeit in Münstereifel: an der Bergstraße, im Ochhermen, in der Nöthener Straße, der Willy-Brandt-Straße, im Hennesweg, in der John Wiles-Straße, im Hubertusweg, in der Otterbach und im Uhlenbergweg.

 

Architekten wie Fritz Steinmann

Vor allem eine Architektenpersönlichkeit steht für die ersten Wirtschaftswunderjahre von Münstereifel: Dr. phil. Dipl.-Ing. Fritz Steinmann. 1909 geboren, verbrachte er seine Schuljahre in Münstereifel und Euskirchen. Das Studium der Kunstgeschichte führte ihn von 1927 bis 1939 an den Universitäten Innsbruck, München, Berlin. Nach dem Wehrdienst im Zweiten Weltkrieg wurde Steinmann 1948 zum Dr. phil promoviert, schloss 1951 in Aachen sein Architekturstudium ab und arbeitete in der Folge bis 1955 als Assistent von Prof. Dr. Otto Gruber am Lehrstuhl Baukonstruktion und mittelalterliche Baukunst. Von 1955 bis 1960 wirkte er als freier Architekt, lehrte bis 1965 an der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen in Köln und verstarb 1970.

Ab den frühen 1950er Jahren wirkte Steinmann in Münstereifel: 1952 gestaltete er die Kur-Lichtspiele in der Werterstraße 12 und das heute verfüllte Schwimmbad Goldenes Tal, 1957 die Marienschule „Volksschule“ (Fresko von Hans-Heinrich Adam, abgerissen in den 1990ern) auf der Windhecke. Für die katholische Filialkirche „Zur schmerzhaften Mutter“ im Stadtteil Rodert erweiterte er bis 1955 eine neugotische Backsteinkapelle, für die Bleiglasfenster konnte der Künstler Paul Weigmann (1923-2009) gewonnen werden. Die evangelische Kirche von Münstereifel hingegen erstellte Steinmann 1956 als reinen Neubau. In die Betonskelettkonstruktion mit einem Raster aus Schwammsteinen fügte der Künstler Hans-Heinrich Adam (1919-2007) eine moderne Glasgestaltung. Der 1998 fertiggestellte Neu- und Anbau mit Gemeindezentrum und Fahrstuhl tritt hinter der Kirche zurück und ist zugleich deutlich als neuzeitliche Zutat erkennbar.

 

Teil des städtischen Lebens

Doch auch im Profanbau ist das Werk von Steinmann in Münstereifel bis heute erlebbar. Von 1954 bis 1955 gestaltete er die Turnhalle des TUS 05 Arloff-Kirspenich. Für den Bau „umklammerte“ er eine Holzbinderkonstruktion u-förmig durch massiv aufgemauerte Giebelseiten. Mit dem Wohnhaus der Familie L. konnte Steinmann von 1958 bis 1959 sein Können auch im privaten Bereich unter Beweis stellen. Der Stampf- und Stahlbetonbau mit Schwemmstein-Trennwänden und einem asymmetrischen Satteldach steht im Hang, gesichert durch eine Stützmauer. Hier verschmilzt die Formensprache der 1950er Jahre aufs Beste mit der bei Kurgästen wie Einheimischen so beliebten naturnahen Umgebung von Münstereifel. (1.11.18)

 

Literatur (Auswahl)

Hürten, Toni, Chronik Bad Münstereifel. Band II. 1816-1970, Köln 1975, S. 134-139.

Bollenbeck, Karl Josef, Neue Kirchen im Erzbistum Köln 1955-1995, Köln 1995, S. 104, 381-382.

Birmanns, Jürgen, Die Geschichte des Kneipp-Heilbades Bad Münstereifel von den Anfängen bis zur Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung der Heilpersonen und -institutionen, die sich der Kneippschen Heilweise widmeten und widmen, Diss., RWTH Aachen, 2000, S. 109.

Renn, Renn, Vom Fremdenverkehrsort zum Kurheilbad und zu Bad Münstereifel, in: Das Münster in der Eifel 2004, S. 130-137.

50 Jahre Evangelische Kirche Bad Münstereifel. Festschrift, hg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Münstereifel, Bad Münstereifel 2006, S. 22.

Foxius, Armand, Was bleibt. Zeitungsartikel über Münstereifel für den Kölner Stadt-Anzeiger (1958-1961), hg. von Armin Foxius, Bergisch Gladbach 2013, S. 114f.

Bad Münstereifel, Astropeiler (Bild: Stephan Wershoven, CC BY SA 3.0, 2013)

Pod-Style-Hostel-Entwurf (Entwurf: Ruth Unger, Alina Florja, Cherry Blocksom)

Das Japanische Haus

Aus einem verlorenen Ort im ehemaligen Rotlichtbezirk der japanischen Millionenstadt Yokohama soll ein Ort der Begegnungen werden: Dieser Aufgabe haben sich Architektur-Studierende der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK ) Leipzig gewidmet. Ihr neues „5-Sterne-Hostel“ soll kosmopolitisch, mit der Umgebung verknüpft und dem gemeinschaftlichen Wohnen verpflichtet sein. In einem Masterkurs des vergangenen Wintersemesters entstanden, betreut durch Architekturprofessorin Anthusa Löffler, zehn ganz unterschiedliche Entwürfe. Sie verknüpfen aktuelle Problemlagen mit japanischen Lösungskonzepten der 1970er Jahre. Die Ergebnisse sind noch bis zum 12. Mai in der Ausstellung „Cosmopolis Yokohama“ im Japanischen Haus in Leipzig (Eisenbahnstraße 113b) zu sehen. Unterstützt wurden die Studierenden dabei von der japanischen Architektin und Architekturkritikerin Noriko Minkus.

 

Vom Kapselhotel zum 5-Sterne-Hostel

Das „5 Star Creative Hostel Cosmopolis“, das die Studierenden entworfen haben, versteht sich als „Shared Place“ – als Übernachtungs-, Wirkungs- und Begegnungsstätte für Reisende, Künstler und verschiedene sozialen Gruppen. Alle sollen die Räume gemeinsam nutzen und sich mit dem Stadtviertel vernetzen. Dafür sind Gemeinschaftsküchen, gemeinsame Veranstaltungs- und Arbeitsräume oder auch „Pod-Styled-Schlafsäle“ (durch Vorhänge getrennte Schlaf-Röhren) vorgesehen. Solche Übernachtungstypen machen in Japan gerade Furore und könnten bald auch in Europa umgesetzt werden. Japan, wo Raum knapp und teuer ist, gilt als Experimentierfeld für außergewöhnliche Unterkünfte. Bereits in den frühen 1970er Jahren entstanden dort „Kapselhotels“: Häuser mit funktionalen Mini-Kabinen. Inzwischen sind sie auch auf europäischen Flughafen zu finden, insbesondere in Transitbereichen.

 

Stadtentwicklung durch Kunst-Projekte

Das Projekt soll mitten im Koganecho Stadtviertel von Yokohama starten – einem verrufenen Ort unter einer Eisenbahnbrücke. Bereits 2008 wurde ein jährliches Kunstfestival aus der Taufe gehoben, um die Wiederbelebung dieses Quartiers zu unterstützen. Mittlerweile haben sich dort neue Studios und Galerien, sogar eine internationale Kunst-Triennale etabliert. Vor diesem Hintergrund hat sich Yokohama dem „Creative City Network of Japan“ zur nachhaltigen Stadtentwicklung angeschlossen. In Leipzig schlägt das „Japanische Haus“ e. V. (DJH) seit nunmehr sieben Jahren eine Brücke zwischen internationalem Austausch und lokalen Aktionen. Durch japanische Migranten ins Leben gerufen, hat sich hier ein offener Ort für Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen entwickelt. (kb, 30.4.18)

Titelmotiv: Pod-Style-Hostel-Entwurf (Entwurf: Ruth Unger, Alina Florja, Cherry Blocksom)

Hotel Atlantis standesgemäß saniert

Zürich, Atlantis, neues Fassadenelement (Bild: Monoplan)
Die Waschbeton-Fassadenplatten des Züricher Atlantis-Hotels werden vom Architekturbüro Monoplan im Geist der Bauzeit  neu interpretiert (Bild: Monoplan)

Zu seiner Eröffnung 1970 galt das Züricher Hotel Atlantis als eines der modernsten der Stadt. Als es 1999 in Konkurs ging und 2004 geschlossen wurde, brachte man vorübergehend Asylbewerber und Studenten unter. Seit 2013 wird das Gebäude nun, frisch unter Denkmalschutz gestellt, aufwändig saniert. Es soll im Frühsommer 2015 als Luxushotel wiedereröffnet werden – mit Feinschmeckerrestaurant und Spa.

Der Bau mit der spektakulären Aussicht wurde 1970 vom Züricher Architektenpaar Hans und Annemarie Hubacher mit Peter Issler gestaltet. Erhöht am Stadtrand gelegen, erhebt sich die dreiflügelige Anlage auf einem Y-förmigen Grundriss. Die Neugestaltung des Baudenkmals liegt in den Händen des Züricher Architekturbüros Monoplan und der Londoner Designer Hirsch Bedner Associates. Sie wollen die historische Waschbetonfassade zeitgenössisch interpretieren: Die alte Oberflächenstruktur wird aufgenommen, digitalisiert, verfremdet und als „Negativplatte“ neu gefräst. (kgb, 15.6.14)

Portugal, Hotel Arribas (Bild: Thomas Spier, apollovision.de)

Portugal, Hotel Arribas

von Christina Gräwe (18/1)

Frühjahr 1988. Ein Kino in Buenos Aires. Es läuft Wim Wenders „Der Stand der Dinge“. Der Film ist damals erst sechs Jahre alt, also noch relativ frisch. Der architektonische Hauptdarsteller, ein Hotel, in und um den herum die Handlung überwiegend spielt, war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten zwar erst 20 Jahre alt, aber bereits deutlich vorgealtert.

 

Der Filmort


Wir befinden uns am westlichsten Zipfel Europas, rund 40 Kilometer von Lissabon entfernt. Das Hotel steht exponiert am sichelmondförmigen Ende des Praia Grande; die Anlage folgt dem Schwung des Küstenstreifens. Die gewaltigen Atlantikwellen, befeuert durch Stürme, hatten heftig auf das Haus eingewirkt, die Schutzmauer zwischen dem riesigen Pool und dem offenen Meer war stellenweise eingestürzt, als die Dreharbeiten 1981 begannen. Später im Film wirkt das Hotel, als sei es bereits aufgegeben (vielleicht war es das vorübergehend auch tatsächlich). Eine Atmosphäre wie gerufen für den düsteren Science Fiction, den Wim Wenders hier als Film im Film inszeniert hat. Anfangs wandeln vermummte Gestalten in Schutzanzügen durch eine mondlandschaftsähnliche Gegend. Sie entpuppen sich als Schauspielcrew, die zusammen mit dem Regisseur, dem Drehbuchschreiber und dem von Sam Fuller dargestellten Kameramann Quartier in dem Hotel bezogen hat.

Der eigentliche Film erzählt von Stagnation, schleichend verstreichender Zeit und mal mehr, mal weniger offensichtlichen Zermürbungsprozessen innerhalb des Teams. Denn das Geld und das Material sind erschöpft, der Produzent lässt das Team mit beidem hängen, die Dreharbeiten werden unterbrochen. Mit seinem untrüglichen Sinn für das passende Ambiente, hat Wenders mit einer Perle der Nachkriegsmoderne den idealen Ort für seine Geschichte des Wartens gefunden. Dass der Film in Schwarz-Weiß gedreht ist, trägt zu der lähmenden Atmosphäre bei und passt ganz wunderbar zu der – trotz des Verfalls – eleganten 60er Jahre-Architektur des Hotels. Mit etwas Fantasie kann man sich auch mondänere Zeiten hier noch vorstellen.

 

Fast 30 Jahre später

Beinahe 30 Jahre später, ein zweites Mal „Der Stand der Dinge“. Dieses Mal im Heimkino und als Vorbereitung für eine längst fällige Pilgerfahrt an die portugiesische Atlantikküste. Denn manche Bilder haben sich im Kopf auch über den langen Zeitraum hinweg erstaunlich zuverlässig gehalten und möchten dringend mit der heutigen Realität abgeglichen werden.

 

Der Realitätsort

Dem touristengefluteten Weltkulturerbe Sintra (einer Kleinstadt ganz in der Nähe) entkommen, stellt sich ein eigentümlicher Effekt ein. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein, und dennoch ist alles anders. Das Hotel sitzt immer noch ganz selbstverständlich an seinem Platz, als sei es aus dem Boden herausgewachsen. Der gewaltige Pool: noch vorhanden. Aber das Ensemble hat inzwischen eine Frischzellenkur erfahren, die noch nicht lange her sein kann, sonst hätte der Atlantik bereits wieder mehr Nagespuren hinterlassen. Der Bau bröselt nicht mehr vor sich hin, er ist hellgrau verputzt, strahlt im intensiven Sonnenlicht sogar fast weiß.

Das Schwimmbad ist kein vermooster Krater mehr, sondern mit Meerwasser gefüllt, das roh betonierte Becken ist blitzeblau gestrichen und wird von roten Sonnenschirmen mit Werbeaufdrucken gesäumt. Die Trennmauer zum offenen Meer steht wieder aufrecht, was die dicken Brecher nicht abhält, den Pool hin und wieder mit Nachschub zu versorgen. Das Schwimmen ist der pure Luxus: 100 Meter fast exklusiv, denn der Sommer mit seiner Hitze ist vorbei und das Wasser eiskalt. Es ist Nachsaison, der Publikumsverkehr rund das Schwimmbad übersichtlich. (Die Poolnutzung ist übrigens nicht nur Hotelgästen vorbehalten, aber kein ganz günstiger Spaß.) Der Großteil der späten Gäste findet sich auf der schmalen Restaurantterrasse, die wie auch alle schottenartig abgetrennten Zimmerbalkone selbstverständlich auf das Meer zeigt.

 

Außen: schwungvoll

Im Vergleich mit der kleinteiligeren Bebauung der Umgebung, ein paar verstreuten Ferienvillen und Restaurants, vollzieht das Hotel einen großen Maßstabssprung. Aber es trumpft nicht auf. Der Schwung des Baus nimmt etwas von der Masse, die Proportionen stimmen. Die Gliederung in einen mittigen Glaskörper mit dem Foyer, rechts und links symmetrischen Zimmerflügeln sowie einem Gebäudekopf, der an Schiffsarchitektur erinnert, ist klar ablesbar und auf Anhieb verständlich. Zur Straße zeigt das Haus nur die drei oberen Stockwerke, zum Meer zwei weitere einschließlich der Sanitäranlagen für das Schwimmbad. Vor- und Rücksprünge der einzelnen Etagen verschaffen dem langen Riegel zusätzlich Bewegung; die mittlere öffentliche Ebene mit dem Restaurant ragt weiter hervor, als die beiden obersten Etagen mit den Zimmern.

 

Innen: das Meer als Hauptdarsteller

Die Aussicht durch die raumhohen Fenster direkt auf den Atlantik dominiert den ersten Eindruck; die meisten Gäste laufen zunächst wie angesogen von den Panoramafenstern an dem zurückhaltenden Empfangstresen vorbei. Das Foyer ist keine zugige Halle, in der man sich verliert, keine Plüsch- und Deko-Orgie, sondern großzügig und mit schlicht-eleganten Sitzgruppen möbliert, die gut zu der Zeitlosigkeit des Hauses passen. Die – gemessen an der Ausstattung fair bepreisten – Zimmer sind in Pastelltönen gestrichen. Es scheint: Je höher die Kategorie, desto klarer die Formen des Mobiliars, keine echten Klassiker, aber nahe dran. Hier und da hat sich dann allerdings doch ein verspieltes Schränkchen eingeschmuggelt. Der Trumpf in allen Zimmern ist ohnehin auch hier der direkte Bezug zum Meer.

 

Film-Reminiszenz

Die heutigen Betreiber des Hotels kennen das Filmkapitel der Geschichte ihres Hauses. Man muss nicht lange suchen und entdeckt im Innenraum des Restaurants (das heute kaum noch mit den entsprechenden Erinnerungsbildern aus dem Film zusammenpasst) eine Fotowand mit Standbildern und Aufnahmen der Dreharbeiten. Ob Wim Wenders 1994, als er mit „Lisbon Story“ eine Art lose Folge von „Der Stand der Dinge“ drehte, das Hotel Arribas wieder aufgesucht hat, verrät diese Wand nicht. Aber das Kneipenschild der „Texas Bar“, in die sich Sam Fuller als Kameramann Joe Corby nach Lissabon flüchtet, hängt noch am Eingang der Bar. Leider ist dieser inzwischen verrammelt.

Titelmotiv: Portugal, Hotel Arribas (Bild: Thomas Spier, apollovision.de)

Erfurt, Alte Parteischule (Bild: Christopher Falbe)

Erfurt, Gästehaus

von Dina Dorothea Falbe (18/1)

Als ich die alte Parteischule in Erfurt zum ersten Mal besuchte, fühlte ich mich wie in meine Kindheit zurückversetzt. Langsam stieg ich die flachen, breiten Stufen hinab, gepflastert mit zerbrochenen kleinen Betonplatten, die zum Teil von hellem Gras überwuchert sind. Ich ging vorbei an Becken, die einmal mit Wasser gefüllt waren, auf das schwebende Volumen mit den blauen Kacheln zu. Darunter  die gläserne Eingangsfront mit schlanken Aluminiumprofilen, links eine Gartenmauer aus Betonformsteinen. Rechts überragt eine Kiefer das flache Verbindungsgebäude, an dessen Ende sich das Internatshochhaus befindet – ein klassischer „Plattenbau“ mit abblätterndem weißen Anstrich. Dort kann man übernachten.

 

Magische Kindheit

Auf Facebook schreibt jemand eine Bewertung zur Alten Parteischule: „Perfekt – Der morbide Charme des Verfalls!“ Diese Beschreibung hätte ich selbst nicht gewählt, muss mir aber eingestehen, dass sie irgendwie zu den Kindheitserfahrungen passt, die ich in einem kleinen Ort an der Ostsee machte, nachdem meine Eltern mit mir aus der westdeutschen Großstadt dort hingezogen waren. Über den zumeist unbefestigten Straßen wehten an heißen Sommertagen Sandwolken, durch die ich barfuß und mit dem Handtuch über der Schulter zum Strand ging, vorbei an bunt angestrichenen Metallzäunen und den zerbrochenen und von hellem Gras überwachsenen Betonplatten, die damals in dem Dorf Gehwege markierten und vor der Erfurter Parteischule noch heute zu finden sind. Der Zauber verlassener Häuser zog uns Kinder in seinen Bann, es war ein bisschen unheimlich sie zu erkunden, vermittelte aber ein starkes Gefühl von Freiheit. Ich verstand damals nicht, warum manche Mitschüler in den verlassenen Bungalowsiedlungen Möbel kaputt schlugen. Die waren doch alle noch gut erhalten.

Im Unterschied zu den erwähnten Bungalows überstand die Parteischule in Erfurt die Wendezeit unzerstört, und ist auch in der Folge weder abgerissen, noch kaputtsaniert worden. Trotz des „morbiden Charmes“ ist die bemerkenswert gut erhaltene Substanz aus den 1970er Jahren bis heute weitgehend nutzbar und in Gebrauch. Um die Instandhaltung kümmert sich der Hausmeister Manfred Rommeiß seit den 1980er Jahren. Er hat Parteischüler gekannt, die mit ihrem Aufenthalt im „Roten Kloster“ ihre Karriere voranbringen wollten und Zusammenkünfte der Mächtigen belauscht, die noch kurz vor dem Zusammenbruch an „ihre Fatamorgana geglaubt“ hätten, wie Rommeiß sich ausdrückt. Der Hausmeister legte ein umfangreiches Ersatzteillager an. So gelang es ihm über Jahrzehnte, den funktionstüchtigen Originalzustand des Gebäudekomplexes am Erfurter Stadtrand zu erhalten.

 

Das „Rote Kloster“

Zunächst war die ehemalige Bezirksparteischule der SED an das Thüringer Bildungsministerium übergegangen, in den Nuller Jahren wurde ein Käufer gesucht. Ein Shoppingcenter wäre vermutlich an diesem Standort profitabler gewesen, doch 2008 erhielt die Parteischule Denkmalstatus. Tatsächlich fand sich ein privater Käufer, der die Parteischule erhalten und pragmatisch weiternutzen wollte. Die repräsentative, blau verkleidete Kiste – als Stahlskelettbau hebt sie sich auch konstruktiv vom eher standardisierten Rest ab – enthält ein reich verziertes Foyer und das große, geschichtsträchtige Auditorium, in dem einst der Kosmonaut Sigmund Jähn zu den Parteischülern gesprochen hat. An Jähns Stelle stehen heute Politikprofessoren auf der Bühne, oder Referenten verschiedener Tagungen, wenn die Parteischule nicht gerade als Kulisse für einen DDR-Film dient. Das ehemalige Internatshochhaus ist heute Gästehaus, die Großküche ist vermietet und im ehemaligen Speisesaal finden Rockkonzerte statt. Die vielseitigen Umnutzungen erlauben eine Umdeutung, eine Ent-Ideologisierung des Gebäudekomplexes, der ursprünglich der Machtsicherung der SED diente. Das ehemalige „Rote Kloster“, indem sich die SED-Elite abschottete, ist heute frei zugänglich und für jeden nutzbar.

 

Warum hier übernachten?

Warum sollte ich aber nun in dem Gästehaus eine Nacht verbringen? In dem schmalen Bett versinke ich sofort, wenn ich versuche, mich darauf zu platzieren. Ich denke zurück an das Kinderzimmer meiner Grundschulfreundin, in dem ein solches Bett stand. Ich fand es schon damals unbequem. Trotzdem habe ich die Abende mit ihrer Familie genossen. Es gab selbst geerntete Kirschen und die Nachbarn kamen oft vorbei.

Der Aufenthalt in der Alten Parteischule ist in mehrerlei Hinsicht authentisch. Wenn ich jemanden nach irgendetwas frage, bekomme ich zunächst eine unfreundliche Antwort, freue mich dann aber umso mehr, wenn ich meinem Gegenüber dann durch Freundlichkeit und Verständnis einen Gefallen abringen konnte. Als Kind hatte ich große Angst vor solchen Begegnungen, weil ich die Menschen um mich herum oft nicht verstand. Eine ähnliche Unsicherheit spüre ich auch jetzt noch, vielleicht wird eine vergessen geglaubte Erinnerung wach. Die jahrzehntealten Materialien können ihr Alter nicht mehr verbergen, doch in meinen Augen sind sie so perfekt, wie nur etwas sein kann, mit dem man die vielleicht schönste Zeit seines Lebens verbindet.

 

Widersprüchlichkeiten

Die goldene Heizkörperverkleidung, die vielen kleinen Lampen in der Decke des Foyers und viele weitere Details lassen die Parteischule opulent wirken im Vergleich zu den Gebäuden meiner Kindheit. Doch diese Oppulenz ist nur aufgesetzt, wie die Bemalung am Internatsgebäude, vom Denkmalpfleger Mark Escherich als „Nobilitierungsversuche“ bezeichnet, die der „Standardplatte“ den Schein des Besonderen geben sollten. Mit dem System der Parteischulen wollte sich die SED die ideologische Vormachtstellung in der DDR-Gesellschaft sichern. Das Parteischulgebäude scheint dies als gescheiterten Versuch zu entlarven, spätestens dann, wenn die Zeit die dünne Goldfarbe abwäscht. Ein bisschen unheimlich wird mir dennoch, wenn ich durch die Räume streife und über die Intentionen der Planer sinniere. Ging die unheimliche Stimmung in meiner Kindheit von den verlassenen Häusern aus, oder von einer sozialen Umgebung, in der gesellschaftliche Machtstrukturen plötzlich auch im Alltag neu verhandelt werden mussten?

Ich bin allen Akteuren, die zur Erhaltung der Parteischule bis heute beigetragen haben, dankbar für das nostalgische Erlebnis, dass das Gebäude mir persönlich bietet. Noch dankbarer bin ich dafür, dass die Parteischule auch vielen anderen Mitgliedern dieser, unserer Gesellschaft, mit anderen Erfahrungshintergründen die Möglichkeit bietet, über die Prozesse des Umbruchs emotional, aber auch rational zu reflektieren. Die Parteischule dient als Denkmal für etwas, das war, als Mahnmal für etwas, das nie wieder sein soll, aber auch als Symbol dafür, dass eine gemeinsame Zukunft möglich ist, in die wir unsere Vergangenheit und unsere persönlichen Geschichten ganz selbstverständlich mitnehmen, so widersprüchlich diese rückblickend auch sein mögen.

 

 

Zum Weiterlesen

Falbe, Dina Dorothea Falbe und Christopher (Hg.), Architekturen des Gebrauchs. Die Moderne beider deutscher Staaten 1960-1979, Verlag Mbooks, Weimar September 2017, 236 Seiten, Hardcover.

Erfurt, Alte Parteischule (Bild: Christopher Falbe)