Greifswald: Luxushotel nach Speicherabriss?

Eigentlich ist das Kind schon in den Brunnen gefallen: In Herbst 2020 sperrte man das Grundstück am Greifswalder Museumshafen ab, in den vergangenen Wochen wurde der Abriss des Speichergebäudes aus dem Jahr 1937 unter großem Medienecho durchgezogen. Schon 2012 hatte die Stadt die Genehmigung dafür erteilt. Der Bebauungsplan sieht an dieser Stelle Neubauten für Wohnzwecke vor. Seit 2010 gehört der Bau samt dem zugehörigen Grundstück dem Petruswerk. Der Immobilienentwickler mit kirchlichem Ursprung betreibt u. a. in Berlin ein Studierendenwohnheim. Als Argumente, dass nicht der denkmalgeschützte Speicher dafür umgenutzt wird, führt das Petruswerk ins Feld: Durch die ehemalige Silonutzung sind die Geschosse unterschiedlich hoch, teils durch Schütten verbunden und auch die Fassade nur mit kleinen Fenstern versehen. Es wäre zu aufwändig, zu teuer … Verschiedene Angebote, mit dem bestehenden Speichergebäude alternative Konzepte umzusetzen, scheiterten am Beharrungsvermögen des Investors.

Immer wieder war ein Hotelneubau im Gespräch (und wurde vom Eigentümer dementiert). Nun liegen moderneREGIONAL erste Renderings vor, wie der Neubau in prominenter Uferlage aussehen soll. Vorbild für die Luxusanlage mit Skybar sind eindeutig die Kölner Kranhäuser. Die Planung würde sich, so das Argument des planenden Architekturbüros, nahtlos in die gerade entstehende Greifswalder Skyline einfügen. Aufmerksame Beobachter:innen können schon seit einigen Jahren verfolgen, dass die Neubauten der Hansestadt um rund ein Geschoss über die Altstadtplatte aus DDR-Zeiten hinausragen. Mit der Neubauplanung anstelle der Alten Flora am anderen Ende des Museumshafens könnte das Luxushotel ein würdiges Pendant erhalten, so der Investor gegenüber er lokalen Presse. Gerüchte über den Einbau eines Panoramacafés im Domturm jedoch wurden von der Bauabteilung der Stadt nicht bestätigt – es handle sich hierbei lediglich um erste Entwurfsskizzen. (kb, 1.4.21)

Greifswald, Rendering für Luxushotel anstatt des abgerissenen Speichers am Hafen (Bildgrundlage: Erell, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2007, Bildmontage: CC0)

Bonn: Kein Wiedersehen nach dem Lockdown

Das Hotel Bristol in Bonn wird nach dem Lockdown nicht wieder eröffnen. Das modernistische Gebäude wurde 1972 errichtet und besticht das Auge durch seine streng gegliederte Sichtbetonfassade und dem dahinter liegenden Skelett aus Stahlbeton. Der Eigentümer des Hotels, die Hamburger Centro Hotel Group, beschloss nun in Absprache mit dem Verpächter den Mietvertrag zu terminieren. Grund hierfür sei nicht etwa die wirtschaftliche Notlage durch die Pandemie, sondern bauliche Mängel, die eine Sanierung unwirtschaftlich machen würden. Nach dem Abriss will das Immobilienunternehmen Corpus Sireo auf dem Areal Wohnungen und Büros errichten.

Mit dem Hotel geht ein Bau des in Bonn geborenen Architekten Ernst van Dorp verloren. Während eines Studienaufenthalts am MIT machte der junge Architekt Bekanntschaft mit Walter Gropius und lernte die Architektur von Mies van der Rohe und Frank Lloyd Wright kennen. 1950 legte er sein Diplom an der Technischen Hochschule Karlsruhe unter Egon Eiermann ab. Das Hotel Bristol, der Sportpark Nord, das ehemalige ZDF Hauptstadtstudio und die Niederländische Botschaft sind nur einige von unzähligen Gebäuden, die van Dorp für die Stadt Bonn während ihrer Zeit als Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland entwarf. Seine Architektur prägt das Stadtbild bis heute. (re, 25.3.21)

Bonn, Bristol-Hotel (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0, 2013)

Hotels des 20. Jahrhunderts

Höher, größer, weiter: Wachstums- und Fortschrittsglaube waren in den 1960ern und 1970ern enorm. Und irgendwo musste die prosperierende Freitzeitgesellschaft ja ausspannen: beispielsweise in den Alpen, beim Skiurlaub. So entstanden wuchtige Wohnburgen für den Massentourismus der Flachländler. Frankreich hat diverse dieser aus der Zeit gefallenen alpinen Megahotels zu bieten. Teils gut erhalten, teils recht ramponiert. Der 2020 erschienene Bildband „Été“ präsentiert die Bettenburgen im schneefreien Sommer, wo sie in grauen, steinigen Landschaften mitunter noch bizarrer erscheinen als während der Hochsaison im Winter.

Die Münchner Fotografen Sebastian Schels und Olaf Unverzart haben ihre Fotos 2018/19 geschossen – ein Jahr, bevor Corona das Leben radikal änderte. Den so grandiosen wie unmaßstäblichen Bauten, die auf Nachhaltigkeit, Natur und Klimaschutz noch nicht achten mussten, haben die Autoren – nicht ohne Distanz – ein Denkmal gesetzt und zugleich einen Abgesang auf den Massentourismus angestimmt. Und das analog mithilfe einer Plattenkamera. Begleitet werden die Bilder durch ein Essay von Dietrich Erben. (db, 12.1.21)

Schels, Sebastian/Unverzart, Olaf, Été, mit einem Essay von Dietrich Erben, Kettler-Verlag, Dortmund 2020, 184 Seiten, 20 x 30,5 cm, Leinen, ISBN 978-3-86206-832-6.

Voilà l´été: Aime-la-Plagne 2019 (Bild: Schels/Unverzart)