Hamburg: Aus für Sofitel Alter Wall

Es dürfte (auch) die Lage sein, die diesem Hotel das Genick bricht: Sie ist gut, für Investor:innen viel zu verlockend, um die Grundstücke in Rufweite zum Hamburger Rathaus nicht als „große städtebauliche Chancen“ neu zu nutzen. Und diese bedeutet wohl den baldigen Abriss des dortigen Sofitel Alter Wall. Dabei hat der Bau in der heutigen Gestalt gerade erst seinen 20. Geburtstag feiern können. Im Jahr 2000 wurde das Hotel am Alsterfleet als Dorint eingeweiht, später dann als Sofitel betrieben. Im Kern steckt noch das ehemalige Hamburger Postgiro- oder Postscheckamt (1961). Die ursprüngliche Nutzung endete hier 1998, als die Post mit der Privatisierung in die City Nord zog. Aktuell bewerben die Betreiber die Hotelanlage – ein Riegel mit einem markanten Glaskeil – als edles Design-, Kongress- und Buisnesshotel, als gelungene Mischung aus „kreativem Scharfsinn & französischer Lebensart“.

Schon Ende Juni diesen Jahres soll – wie das Hamburger Abendblatt meldet – der Hotelbetrieb eingestellt werden. Zwischenzeitlich war von einem Um- oder Anbau die Rede, nun wird der Komplettabriss für 2022 angekündigt. Das damit frei werdende Gelände soll neu gestaltet werden. Seitens der aktuellen Verantwortlichen – Accorinvest als Betreiber und Art Investes als Eigentümer – liegen noch keine Informationen vor, was in welcher Funktion als Neubau an dieser Stelle genau entstehen soll. Es scheint sich aber um eine umfassendere Neuentwicklung des Areals am Alten Wall zu handeln, da auch das benachbarte Bucerius Kunst Forum bereits seinen Standort gewechselt hat. Art Investes ist zudem nicht nur Eigentümer des Hotels (Alter Wall 40), sondern auch des benachbarten Bürogebäudes (Alter Wall 38). (kb, 4.4.21)

Hamburg, Postscheckamt Alter Wall (Bild: Staatsarchiv Hamburg, 720-1_344-31 04512  und 720-1_344-31 04515, CC BY SA 3.0)

Hamburg, Postscheckamt Alter Wall (Bild: Staatsarchiv Hamburg, 720-1_344-31 04512 und 720-1_344-31 04515, CC BY SA 3.0)

Titelmotiv: Hamburg, Sofitel Alter Wall (Bild: trip.com)

Ein Hotel im Lustgarten

Seit einigen Jahren befindet sich die Architektur von Potsdam im Umbruch. Das historische Stadtbild der Vorkriegszeit wird an vielen Stellen, v. a. in der Stadtmitte wiederhergestellt. Der Autor Jörg Fröhlich versucht in seinem Buch „Ein Hotel im Lustgarten von Potsdam“ – 2014 in zweiter Auflage erschienen – darzustellen, dass neben der preußischen Barockarchitektur gleichberechtigt in der Stadt Potsdam auch die „Ostmoderne“ ihren Platz hat.

Fröhlich widmet sich der Geschichte des „Interhotels Potsdam“, des heutigen „Hotel Mercure“ im Lustgarten an der Langen Brücke, des einstigen Wahrzeiches im Potsdamer Stadtzentrum. Um 1960 wurde hier ein „neues sozialistisches Stadtzentrum“ geschaffen – und als markanten Teil davon gestaltete Sepp Weber bis 1969 das Interhotel. Der Autor will mit seiner Beschreibung des „Lustgarten-Ensembles“ und seines Hotels die Zeit der Umgestaltung des Stadtgebietes ab 1949 noch einmal Revue passieren lassen – und zugleich um Verständnis zum Erhalt ausgewählter DDR-Architektur in der Stadt Potsdam werben. (kb, 22.9.15)

Fröhlich, Jörg, Ein Hotel im Lustgarten. Das Interhotel Potsdam in historischer Umgebung von 1968 bis heute, Books on Demand, 2014, 2. Auflage, Taschenbuch, 72 Seiten, 18,9 x 0,4 x 24,6 cm, ISBN: 978-3848228546.

Titelmotiv: Buchcover