Hundertwasser lockt nach Magdeburg

Der Künstler und Architekt Friedensreich Hundertwasser galt als strikter Gegner der geraden Linie. Dieser Prämisse folgte er auch bei seinem letzten Bauprojekt, der „Grünen Zitadelle“ in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt Magdeburg. Sie wurde vor zehn Jahren und damit nach dem Tod Hundertwassers eröffnet. Der farbenfrohe Bau mit den goldenen Zwiebeltürmen und bepflanzten Dächern scheint sich aus architektonischen Konventionen ebenso wenig zu machen wie aus Symmetrie oder Stilzugehörigkeit. Zum Jubiläum gibt eine Ausstellung bis zum 25. Oktober 2015 vor Ort (Breiter Weg 8A, 39104 Magdeburg) Einblick in den Planungsprozess und beleuchtet Hundertwassers Architekturverständnis.

In Magdeburg hatte das 1995 angestoßene Projekt zunächst viele Kritiker. Dafür sorgte auch der Bauplatz. Vormals hatte hier die historische Nikolai-Kirche gestanden, die 1959 einem Plattenbau weichen musste. Seit seiner Fertigstellung ist das Hundertwasser-Haus jedoch zu einem Touristenmagneten geworden. Die Ausstellung beleuchtet neben der Geschichte des Gebäudes auch Hundertwassers grafische Arbeit. (jr, 15.4.15)

Die „grüne Zitadelle“ war das letzte Bauprojekt Hundertwassers (Bild: Doris Antony, CC_BY_SA 3.0)

Erst die Künstler, dann der Abriss?

Erst die Künstler, dann der Abriss?

Kibri, Bausatz für ein "modernes" Büro- und Geschäftshaus (Bild: privat)
Als Kibri-Modellbausatz war das „moderne Büro- und Geschäftshaus“ bis in die 1990er lieferbar, das Original steht (noch) in Neu-Ulm: das LEW-Gebäude (Bild: privat)

In Neu-Ulm will die Stadt den Künstlern eine Chance geben: Nachdem Atelierflächen in der „Alten Lebkuchenfabrik“ zugunsten von schicken Eigentumswohnungen wegfielen und andere Zwischennutzung ausliefen, soll jetzt ein Bauwerk der Moderne weiterhelfen: Das über 60 Jahre alte, sog. LEW-Gebäude am Heinrich-Metzger-Platz scheint für den baldigen Abriss vorgesehen.

Doch bis dahin sollen Vertreter der leiseren Künste (keine lauten Bandproben, wegen der Nachbarschaft) ihr Atelier einrichten können. Nachdem zuletzt das Amtsgericht auszog, stand der Bau leer. Die örtliche CSU plädierte für den Neubau eines Hundertwasserhauses – um Touristen anzulocken. Wie dies der seit 15 Jahren verstorbene Wiener Baukünstler noch hätte möglich machen solle, führten die Parteivertreter nicht weiter aus. Nun sieht es nach einer Interimslösung aus: Künstler, Teile des Stadtarchivs und die örtliche Geschichtsbibliothek. Die ersten Künstler, darunter der Kubanisch-deutsche Kulturverein, sind schon eingezogen und glücklich über ihr neues Domizil. Und – nur als Gedanke – warum Hundertwasser ausgraben, wenn man schon ein sehr ansehnliches Baukunstwerk der Nachkriegsmoderne stehen hat? (kb, 25.3.15)

Hundertwasser in Hagen

Schiefe Wände, goldene Zwiebeltürme, kunterbunte Mosaike, sinnfreie Fensteranordnungen: Die Bauwerke von Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) lösen bei manchen Zuckungen, bei anderen Jubel aus. Der österreichische Maler, Bildhauer, Architekt, Autor, Umweltschützer und Selbstdarsteller hegte eine Abneigung gegen die geraden Linien moderner Architektur. Sein „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“ erschien 1958 und enthält kluge Reflexionen über die Monotonie zeitgenössischen Bauens, die Unterdrückung privaten Gestaltungswillens und die schon damals allgegenwärtige bürokratische Gängelung. Ob seine Häuser die passende Antwort auf die einst aufgeworfenen Fragen sind, muss man selbst entscheiden.

Das Osthaus-Museum in Hagen zeigt nun bis 10. Mai 2015 die Retrospektive „Lebenslinien“ mit 130 Objekten aus allen Schaffensperioden Hundertwassers. Zu sehen sind Gemälde, Grafiken, Architekturmodelle und Skulpturen. Das Recht, sich sein privates Umfeld selbst zu gestalten, war Grundlage seines schöpferischen Werks; die Pflicht, die Erde in möglichst unversehrten Zustand zu hinterlassen, Triebfeder seines Umweltengagements. Wie laut und bunt Friedensreich Hundertwasser diese Anliegen zu vermitteln suchte, kann man in dieser Ausstellung noch einmal geballt auf sich wirken lassen. (db, 14.2.15)

Alles, nur nicht gerade: Eine Ausstellung in Hagen befasst sich mit dem Werk von Friedensreich Hundertwasser (Bild: Wolfgang Maennel, CC BY-SA 3.0)