Eero Saarinens Industriebauten

Dass ein stilvoller öffentlicher Auftritt auch in Forschung und Entwicklung eine gewaltige Rolle spielen kann, haben die Amerikaner schon früh entdeckt. Großkonzerne ließen sich Ihre Zentralen und Funktionsbauten gerne von namhaften Architekten entwerfen – und wer besonders großes Augenmerk aufs Image legte, der beauftragte Eero Saarinen. Der gebürtige Finne war einer der renommiertesten Architekten der USA und zeichnete Verantwortlich unter anderem verantwortlich für Gebäude von General Motors in Warren/Michigan (1948-1955) und Deere & Company in Moline/Illinois (1959-63).

Ein neues Buch aus dem Antaeus-Verlag befasst sich nun mit den größten Industrieprojekten Saarinens: Zwischen 1948 und seinem Todesjahr 1961 war er für vier der größten Forschungs- und Entwicklungszentren der USA verantwortlich. Anhand eingehender Analysen und bisher unveröffentlichtem Plan- und Fotomaterial werden in der Publikation “Eero Saarinen. Bauten für Industrie und Handel: General Motors, IBM, Bell, Deere”  die Großprojekte als hervorragende baukünstlerische Leistungen gewürdigt. (db, 11.1.16)

Horst E. und Ingelore K. Ehlers, Eero Saarinen. Bauten für Industrie und Handel. General Motors, IBM, Bell, Deere, Antaeus-Verlag, Frankfurt am Main 2015, 144 Seiten, 30 x 23,5 cm, Hardcover, ISBN 978-3-9810809-5-7.

Amerika, Du hast es besser: Hier entwarf Eero Saarinen große Forschungs- und Industriezentren (Bild: Antaeus-Verlag)

Eiermann-Campus: Versteigerung?

Seit 2009 steht die ehemalige IBM-Zentrale in Stuttgart leer. Der Büro-Campus wurde von 1969 bis 1972 nach Plänen von Egon Eiermann gebaut. Seinerzeit ging die Anlage an eine Investorengruppe, die 2011 Insolvenz anmeldete. Vor wenigen Monaten hat der Insolvenzverwalter schriftlich angekündigt, die denkmalgeschützten Gebäude nicht weiter zu unterhalten. Zudem möchte er das 40.000 Quadratmeter fassende Areal aus der Insolvenzmasse herauslösen. Derzeit obliegt es der Stadt, die verlassenen IBM-Büros vor Vandalismus und Verfall zu schützen.

Einige Planer wollen das Gelände behutsam für neue Wohn-, Büro- und gewerbliche Nutzungen erschließen. Gedacht ist etwa, Gebäude mit vier bis sieben Geschossen modular anzuordnen – wie wie Kleinstquartiere von hoher städtebaulicher Dichte. Daneben sollen die Eiermann-Bauten denkmalgerecht energetisch saniert werden. Doch, wer sich nun des Areals annimmt, ist völlig offen. Nach dem derzeitigen Stand läuft alles auf eine Zwangsversteigerung hinaus. (db, 19.7.14)

Sich selbst überlassen: die Stuttgarter IBM-Zentrale (Bild: J. Zinnbauer)