Festival im ICC

Vor rund sieben Jahren hatte man das Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin, 1975 bis 1979 gestaltet vom Architekt:innenpaar Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler, geschlossen und zwischendurch nur noch kurz als Flüchtlingsunterkunft hochgefahren. Sogar über einen Abriss des Wahrzeichens wurde laut nachgedacht, denn allein die kontrollierte Stilllegung der 28.000 Quadratmeter großen Nutzfläche kostet jedes Jahr hohe Beträge. Mit der Zeit hatte sich die Inkunabel, die gerne mit einem gelandeten Raumschiff verglichen wird, zu einer beliebten Kulisse für Musikvideos und Hipsterfotograf:innen entwickelt. Vor zwei Jahren wurde das monumentale Tagungszentrum schließlich unter Denkmalschutz gestellt – und damit die wiederholte und öffentliche Forderung namhafter Expert:innen eingelöst, die auf den besonderen baukünstlerischen und historischen Wert der Stadtmarke hingewiesen hatten.

Was jetzt zum Modernist:innen-Glück noch fehlt, ist die passende Nutzung, um für das Großraumwunder eine dauerhafte Erhaltung sicherzustellen. Nun soll es die Kunst richten, zumindest für zehn Tage im Herbst 2021. Die Berliner Festspiele wollen ihren 70. Geburtstag vom 7. bis 17. Oktober 2021 im ICC feiern. Platz genug ist ja, in Corona-Zeiten ein kaum zu unterschätzender Vorteil. Und für viele dürfte sich damit nach Jahren, vielleicht sogar überhaupt zum ersten Mal die Chance für einen Blick in die beeindruckenden Innenräume des Tagungszentrums bieten. Das Vorhaben unter dem Titel „The Sun Machine Is Coming Down“ (nach einer Liedzeile des großen David Bowie) soll „Musik, Film, Artistik und Performance“ in futuristischem Ambiente zur Geltung und etwas lichte Weite in die pandemiegeplagte Großstadt bringen. Geht doch: win, win, win. (kb, 12.8.21)

Berlin, ICC (KE4, CC BY NC SA 2.0, 2012, via flickr.com)

Berlin: ICC jetzt unter Denkmalschutz!

Vor fünf Jahren war das Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin – 1975 bis 1979 gestaltet von Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler – geschlossen worden. Oder, wer es positiver mag: Vor 40 Jahren wurde der Bau eröffnet. Dieses Jubiläum hatte die Initiative Kerberos im April diesen Jahres zum Anlass genommen, sich mit einem Offenen Brief an den Berliner Kultursenator Dr. Klaus Lederer zu wenden. Die Forderung: Wie vor Kurzem der Flughafen Tegel solle auch das ICC unter Denkmalschutz gestellt werden.

Ähnlichlautende Forderungen der vergangenen Jahre waren vorausgegangen – z. B. vom Internationalen Denkmalrat ICOMOS, vom Denkmalrat Berlin, von der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL), DOCOMOMO und der Architektenkammer Berlin. Jetzt ist es soweit, wie die Stadt Berlin aktuell via Pressemeldung bekannt gibt: Das ICC Berlin steht nun offiziell aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz! Kultursenator Dr. Klaus Lederer begrüßt diesen Schritt: „Das ICC ist ein Wahrzeichen von Berlin, (…) einer der wichtigsten deutschen Bauten der Nachkriegszeit.“ Dazu Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut: „Mit der Unterschutzstellung schaffen wir für die kommenden Abstimmungsrunden für alle Beteiligten Rechts- und Planungssicherheit. Wir werden uns dafür einsetzen, dass das ICC als Gesamtkunstwerk erhalten bleibt.“ (db/kb, 3.9.19)

Berlin, ICC (Bild: Neuköllner, CC BY SA 4.0, 2017)

Von ICC und Bierpinseln

Die Bauten von Ralf Schüler (1930-2011) und seiner Frau Ursulina Schüler-Witte (*1933) gehörten zur Vorzeige-Architektur des Westberlins der frühen 1980er Jahre. Heute steht es um einige dieser Projekte nicht gut: Um das seit einem Jahr geschlossene  ICC (1979) wird eine bislang ergebnislose Denkmal-Debatte geführt. Der „Bierpinsel“ (Volksmund)  in Steglitz, Teil des U-Bahnhofs Schlossstraße, steht mit einer kurzen Unterbrechung gar seit 2002 leer; seit Jahren liegt das Turmrestaurant von 1976 wegen eines Wasserschadens brach. Das Ehepaar Schüler-Witte hat jedoch nicht nur diese spektakulären Bauten entworfen – insgesamt haben sie über 100 Projekte geplant, die zum großen Teil auch realisiert wurden.

Ursulina Schüler-Witte berichtet nun über 56 Jahre gemeinsames Leben und Arbeiten: in einer „werkorientierten Biografie“, die noch zu Lebzeiten Ralf Schülers begonnen und nun von ihr vollendet wurde. In diesem Buch wird eine Auswahl von etwa vierzig gebauter wie ungebauter Projekte vorgestellt. Die Autorin beschreibt als Zeitzeugin aus ihrer persönlichen Sicht deren Planungs- und Entstehungsgeschichte mitsamt der sie begleitenden, teilweise dramatischen oder auch merkwürdigen Ereignisse und Probleme. Die sich angesichts des ungewissen Schicksals von ICC und Bierpinsel scheinbar bis heute fortsetzen. (db, 3.10.15)

Schüler-Witte, Ursulina, Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Eine werkorientierte Biographie der Architekten des ICC, Lukas-Verlag, Berlin 2015, Festeinband, 250 Seiten, 150 Abbildungen, ISBN 978-3-86732-212-6, (Erscheinungsdatum 1. November 2015).

Das Werk von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte wird erstmals insgesamt gewürdigt – hoffentlich noch rechtzeitig! (Bild: Lukas Verlag)