60plus – der neue ICOMOS-Studierenden-Wettbewerb

Alle zwei Jahre organisiert die internationale Denkmalinitiative ICOMOS in Deutschland einen Studierenden-Wettbewerb. Wie schon in den vergangenen Aktionen steht auch 2021 wieder eine moderne Stilrichtung im Mittelpunkt der Ausschreibung. Unter dem Titel „60plus – Plädoyers zur Erhaltung von Anlagen des Brutalismus“ sollen die Einreichungen konkret darlegen, was Zeugnisse diesen Stils aus der Vorwendezeit erhaltenswert macht. Die teilnehmenden Studierenden können Aspekte der Restaurierung, Konservierung und Vermittlung einbringen. Sie müssen dafür selbst ein Objekt wählen – möglichst aus Deutschland, aber auch eine europaweite Recherche ist möglich. Auf einem Poster im Format DIN A1 sollen die Baugeschichte dargelegt, die Denkmalkriterien durchbuchstabiert, die Bedeutung und Potenziale des Bauwerks erläutert, die Adressat:innen der jeweiligen Maßnahme benannt und der dauerhafte Beitrag zur Erhaltung dieses und ähnlicher Bauten argumentiert werden.

Die Aktion wird organisiert vom Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS e. V., vom Arbeitskreis Theorie und Lehre der Denkmalpflege e. V., von der Hochschule Trier, der Wüstenrot Stiftung, der Bayerischen Architektenkammer und der Hochschule Würzburg. Angesprochen werden Studierende der Architektur, Innenarchitektur, Stadtplanung, Kunstgeschichte, Restaurierung, Archäologie oder anderer denkmalrelevanter Disziplinen. Abgabetermin ist der 27. September 2021 – alle weiteren Details, darunter auch Layoutvorgaben, können online eingesehen werden. Eine Fachjury wählt die preiswürdigen Präsentationen anhand qualitativer Kriterien aus – vorgesehen ist eine Prämie von 500 Euro für die besten Arbeiten. Für diese ist eine „Auszeichnungsveranstaltung mit Ausstellung“ geplant, zudem eine E-Publikation aus dem Fundus des Wettbewerbs. (kb, 27.2.21)

Sainte Marie de la Tourette (Bild: Alexandre Norman, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2007)

Bühnen-Beistand

Die Städtischen Bühnen Frankfurt bewegen: Der von der Stadt beschlossene Abbruch der 1959-1963 errichteten Bühnen-Doppelanlage (die Reste des historischen Schauspielhauses von 1902 integriert) hat Abrissgegner und Rekonstruktions-Fans mobilisiert. Die Initiative Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt plädiert für den weitgehenden Erhalt der bundesweit einmaligen Anlage von ABB Architekten. Am 23. November lädt sie zur Podiumsdiskussion Kulturikone weiterbauen, die via Zoom abgehalten wird. Diametral entgegengesetzt steht die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt: Sie fordert in mehr oder minder offensiven Ton den Wiederaufbau des wilhelminischen Prunkbaus – und hat 23.588 Unterschriften gesammelt, die einen Bürgerentscheid ermöglichen.

Für den Erhalt der denkmalgeschützten Teile der Doppelanlage haben sich nun führende Organisationen der Denkmalpflege in einem offenen Brief starkgemacht: Das Bauwerk sei ein herausragendes Zeugnis der Stadtgeschichte, insbesondere das Foyer stehe wie kein zweites öffentliches Gebäude für den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Aufbruch der Nachkriegszeit. Man appelliert an die Stadt, den Denkmalschutz anzuerkennen und bei Sanierungs- und Umbaumaßnahmen die Substanz zu bewahren. Die durchgeführten Untersuchungen ließen nicht erkennen, dass es andere öffentliche Belange gibt, seien es die Kosten oder die Nutzbarkeit, die einem Erhalt entgegenstehen. Zu den Unterzeichnern des Briefs zählen unter anderem der Verband Deutscher Kunsthistoriker, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, ICOMOS Deutschland und der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. (db, 17.11.20)

Frankfurt, Städtische Bühnen um 1970 (Bild: Dontworry, CC BY-SA 3.0)

Olympic Follies

Friede, Freude, Sport – die olympische Idee hat einmal mit großen Träumen angefangen. Das passte hervorragend zu den utopischen Blütenträumen der Architekturmoderne. Gemeinsam entstanden bemerkenswerte Sport- und Wohnbauten, die heute ein erhaltenswertes kulturelles Erbe bilden – auch und besonders 1972 in München. Doch was wurde aus den Monumenten einer großen Idee, als der Sportrummel vorbei war?

Vor diesem Hintergrund gibt es für den Zeitraum vom 6 bis zum 9. November – im Rahmen der ohnehin schon äußerst sehens- und besuchenswerten ICOMOS-Olympia-Tagung – ein weiteres Highlight anzukündigen: die „Poster Session“ und Ausstellung „Olympic Follies“. Ort ist das Vorhoelzer Forum der TU München (Arcisstraße 21, Institutsgebäude, Raum 5170, Vorhoelzer Forum, 5. Stock). Begleitend zur Ausstellung gibt es im öffentlichen Teil der ICOMOS-Generalversammlung am 9. November 2019 von 13 bis 17 Uhr allerlei thematisch passende Vorträge und einen Sit-In auf Original Sitzgelegenheiten von Olympia 1972. (kb, 4.11.19)

„Olympic Follies“ – Plakatmotiv der Ausstellung in der TU München