Der Pritzker-Preis geht an Balkrishna Doshi

Es ist der “Nobelpreis für Architekten”, der Pritzker-Preis, der einmal im Jahr alle Aufmerksamkeit auf das Lebenswerk eines der großen – in der Regel noch lebenden – Baumeister lenkt. In diesem Jahr fiel die Pritzker-Wahl auf Balkrishna Doshi und ging damit zum ersten Mal nach Indien. Der 1927 geborene Architekt war nach dem Krieg Mitarbeiter von Le Corbusier. Für ihn überwachte er z. B. die Arbeiten an der indischen Planstadt Chandigarh. Zeitgleich gründete Doshi sein eigenes Büro. Mit den Jahren avancierte er mit einem Stil, der europäisch geprägte Motive der Moderne mit heimischen Bautraditionen mischt, zu einem der einflussreichsten Baumeister des post-kolonialen Indien.

Bekannt wurde Doshi ab den frühen 1960er Jahren mit preisgünstigen Wohnsiedlungen z. B. für Textilarbeiter in Ahmedabad (1960). Gerne verband er betonsichtige Elemente mit Naturstein und den für ihn charakteristischen Tonnengewölben. Hinzu kam sein Geschick als Städteplaner, wie er es etwa in den 1980er Jahren mit Vidyadhar Nagar, einem Stadtteil von Jaipur, unter Beweis stellte. Nicht zuletzt gründete er in den 1960er Jahren die Ahmedabad School of Architecture (heute: Cept University). Doshi reagierte auf die Nachricht von der prestigeträchtigen Ehrung mit den Worten, er verdanke diesen Preis seinem “Guru Le Corbusier”. (kb, 7.3.18)

Balkrishna Doshi (Bild: Sanyam Bahga, CC BY-SA 3.0, 2013)

Charles Correa 1930-2015

Er war Indiens berühmtester Architekt und längst auch international hoch angesehen – auch wenn sein Name in Europa erst in den Achtzigern breiteren Kreisen bekannt wurde: Charles Correa, bereits seit jungen Jahren Schöpfer klassisch- wie postmoderner und postkolonialer Raumlandschaften, ist am 16. Juni im Alter von 84 Jahren verstorben. Studiert hat der Baumeister sowohl an der Universität Mumbai als auch am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge – die Verquickung traditioneller indischer Formen mit westlicher Moderne war ihm weder fremd noch bedeutete sie einen Widerspruch.

Der erste bedeutende Auftrag für Cor­rea ist die Ma­hatma Gan­dhi-Gedenkstätte (1958 – 63). Die Mög­lich­kei­ten der Be­ton­bau­weise präsentiert der Hin­dus­tan Lever Pa­vil­lion (1961) in Delhi. Die Kanchanjunga Apartments in Mumbai, 1970 projektiert und 1983 fertiggestellt, stehen am Beginn des internationalen Durchbruchs: Ähnliche Wohntürme mit luftigen Terrassen entstanden entstehen mittlerweile weltweit – Correa darf als Vorreiter gelten. In Portugal schuf er das Champalimaud Centre for the Unknown (2010), auch die Ständige Vertretung Indiens bei den Vereinten Nationen in New York ist ein Werk Correas. (db, 23.6.15)

Schöner wohnen in Mumbai: Kanchanjunga Appartements (1983) von Charles Correa (Bild: Charles Correa Associates)