Felina-Areal verkauft

Im Mannheimer Wohngebiet Neckarstadt-Ost liegt ein traditionsreiches Industrieareal (das unerklärlicherweise nicht einmal teilweise unter Denkmalschutz steht): Die ehemaligen Felina-Werke, in denen von 1898 bis 2004 BHs und Miederwaren hergestellt wurden. Felina ist mittlerweile in der “European Lingerie Group” aufgegangen. Das Werk in Mannheim mit Bauteilen von 1898-1914, 1928-33, 1936 und aus den 1950ern wird von der Firma nur noch zu einem kleinen Teil genutzt, der Rest ist bereits länger an diverse Firmen und städtische Einrichtungen vermietet. Jetzt hat der Projektentwickler Cube Real Estate das rund 8.500 Quadratmeter große Areal von einem Kreis privater Investoren gekauft. Innerhalb der kommenden 4 bis 5 Jahre plant man die Umnutzung in ein “urbanes Stadtquartier” mit Wohn- und Gewerbenutzung. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Zu den derzeitigen Mietern gehören unter anderem die Stadt Mannheim mit dem Jugendamt und einer Theaterakademie, Felina selbst mit Verwaltungseinheiten und einem Outlet-Store, ein Rewe-Supermarkt und der Textildiscounter NKD. Beim sukzessiven Umbau hin zu einem nachhaltigen Stadtquartier will sich der Investor eng mit den Bestandsmietern und der Stadt Mannheim abstimmen. Auch die vorhandene Bausubstanz soll größtenteils erhalten bleiben. In den Gewerbe- und Produktionshallen sind unter anderem kompakte Wohnungen, Büros, Ateliers sowie Flächen für Handel, Gastronomie und Medizin entstehen. Ziel sei es, das Quartier durch Nutzungsarten, die viele verschiedene Menschen und Zielgruppen anziehen, zu beleben. Auch bei der Namensgebung des neuen Quartiers soll die Historie des Areals einbezogen werden. (db, 19.11.21)

Mannheim, Felina (Bild: Frank C. Müller, CC BY-SA 4.0)

Industriekultur in Brandenburg

Kulturland Brandenburg, die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte, wird 2021 die Industriekultur in den Mittelpunkt der jährlichen Veranstaltungen zur Landeskultur rücken: Angesichts andauernder Transformationsprozesse in einstigen Wirtschaftsregionen des Landes benötige die Industriekultur neue Impulse für die Herausforderungen der Zukunft. Die unmittelbare Erfahrbarkeit der Industrie im Alltag sieht man auch in Brandenburg durch die Entmischung von Stadtfunktionen, der Verlagerung von Produktionsstätten, zunehmender Automation und Digitalisierung immer weniger wahrnehmbar. Daher soll das Themenjahr “Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Brandenburg” die Industriekultur weg leiten vom reinen Rückblick auf untergegangene Industrieregionen hin zum wegweisenden politischen, gesellschaftlichen und baukulturellen Handlungsfeld.

Das Themenjahr 2021 führt den konzeptionellen Ansatz der vorhergehenden fort, das kulturelle Erbe, die Vielfalt der Region, aber auch Zäsuren und Brüche in der Geschichte sichtbar werden zu lassen. Und daher werden nun Ideen für Projekte zur “Zukunft der Vergangenheit” gesucht: Bis zum 15. Juni 2020 sollten diese bei der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg, Brigitte Faber-Schmidt, Schloßstr. 12, 14467 Potsdam, eingereicht werden – oder per Mail an: b.faber@kulturland-brandenburg.de. Gewünscht sind eine kurze Projektskizze mit Konzept sowie erste Eckdaten des Kosten- und Finanzierungsplans (bestehend aus Gesamtkosten, der gewünschten Fördersumme, evtl. Eigenanteilen und/ oder angestrebten/beantragten Co-Finanzierungen). Mehr Details hier. (db, 14.5.20)

Rüdersdorf, Zechenhaus (Bild: Frank Gaudlitz, Kulturland Brandenburg)

Industriekultur am Main

Frankfurt am Main und die Nachbarstadt Offenbach sind seit je her wichtige Industriestandorte. Und natürlich bieten die Mainmetropolen auch etliche bedeutende Bauwerke vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre. Der Bildband Industriekultur in Frankfurt und Offenbach zeigt nun in acht Abschnitten die Entstehungsbedingungen etlicher Industrie- und Ingenieursbauten. Unter ihnen sind berühmte wie die ehemalige Hauptverwaltung der Farbwerke Hoechst von Peter Behrens (1920-24) und die Festhalle von Friedrich von Thiersch (1907-1909). Aber auch – bislang – wenig beachtete Denkmäler wie der Offenbacher EVO-Hafenkran (1902/1947) und die 1968 eingeweihte Frankfurter U-Bahn-Station Grüneburgweg von Artur C. Walter werden in Szene gesetzt. Die erläuternden Texte sind, eher ungewöhnlich, in Interviewform verfasst.

Die drei Autoren des Werks wissen freilich sehr gut, worüber sie sich unterhalten: Der Frankfurter Architekt DW Dreysse wirkte lange an der Straßburger Architekturschule und arbeitete an der Route der Industriekultur Rhein-Main mit. Der Stadt- und Regionalplaner Peter Lieser leitete das Projekt Grüngürtel in Frankfurt und arbeitete mit an der IBA Emscher Park. Matthias Matzak, Designer und Fotograf, dokumentierte unter anderem die Siedlungen des Neuen Frankfurt. Am 30. Oktober 2019 präsentiert DW Dreysse das Buch im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt, es folgt ein Gespräch mit Matthias Alexander von der FAZ und Ex-FR-Redakteur Jürgen Schultheis (db, 21.10.19).

Offenbach, EVO-Hafenkran (Bild: Offenbacherjung, CC BY-SA 4.0)