Umnutzung von Industriedenkmälern

Was Harry Potter das „Trimagische Turnier“, ist der Denkmalpflege der trinationale Industriekulturtag: Seit einigen Jahren arbeitet das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des „Weimarer Dreiecks“ intensiv mit der französischen Region Nord-Pas de Calais und der Woiwodschaft Schlesien in Polen zusammen. Bereits seit dem Jahr 2010 gibt es die jährliche Konferenz zur Industriekultur statt. Einen Schwerpunkt bildet dabei „der Austausch von Erfahrungen aus Projekten sowie die Entwicklung von Strategien zur Neu- und Umnutzung von altindustriellen Flächen und Industriedenkmälern sowie zur touristischen Inwertsetzung und Vermarktung des industriellen Erbes“.

Am 5. November 2015 findet die diesjährige trinationale Industriekulturtagung zum Thema „Umnutzung von Industriedenkmälern“ statt. Wie in der Vergangenheit wird uns dazu eine französische und eine polnische Delegation besuchen. Tagungsort ist diesmal das Forum Produktdesign, im ehemaligen Solinger Hauptbahnhof. Die Referenten berichten über Themen wie „Innovative Firmen auf postindustriellen Flächen: ‚Neu‘ Gliwice“,  „Die Neunutzung einer ehemaligen Porzellanfabrik in Katowice“ oder „Die Datenbank umgenutzter Industriedenkmäler in Nord-Pas de Calais“. Die Tagungsteilnahme ist kostenlos, weitere Informationen und Anmeldung erhalten Sie unter: Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW, Jürgensplatz 1, 40219 Düsseldorf, 0211/38435255, Rainer.Klenner@mbwsv.nrw.dewww.industriekultur-nrw.de. (kb, 3.11.15)

Essen, Zeche Zollverein am letzten Arbeitstag, den 23. Dezember 1986 (Bild: Neptuul, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Torpedo

Nein, wir haben nicht in die Militaria-Ecke gewechselt. Vielmehr hat sich die 7. International Industrial Heritage Conference ein ungewöhnliches, aber vielleicht gerade deshalb ungewöhnlich lohnendes Thema ausgesucht. Vom 19. bis 21. Mai 2016 wird man im kroatischen Rijeka tagen, denn hier wurde vor 150 Jahren der erste Torpedo erfunden. Der „Whitehead-Torpedo“, wie seine modernen Nachfolger eine Unterwasserwaffe mit Eigenantrieb, sollte in den folgenden Jahrzehnte leider Karriere machen. Vor allem im Ersten und Zweiten Weltkrieg schrieb diese Erfindung Geschichte, auch Industriegeschichte.

Neben allgemeinen Themen und Sitzungen zur internationalen Industriekultur will die Konferenz in Rijeka den Spuren der Herstellung von, aber auch der Zerstörung durch den Torpedo nachgehen. Noch bis zum 1. Januar 2016 können sich Interessierte mit einem Paper zur Tagung bewerben. Willkommen sind Zusammenfassungen von bis zu 300 Worten und bis zu 6 Schlüsselworten. Der Summary sollte u. a. beinhalten: Name des Autors, Titel des Summary, (Mail-)Adresse des Autors. Die Entscheidung der Veranstalter wird den Bewerbern bis zum 1. März 2016 mitgeteilt. Auf Anfrage kann die Teilnehmergebühr für Studenten reduziert werden, die ein Paper zum Tagungsthema eingereicht haben. (kb, 13.10.15)

„Torpedo. History and Heritage“ (Bild: International Industrial Heritage Conference)

Loheland: Von der Schiene unters Dach

Im hessischen Loheland, der wohl ältesten anthroposophischen Siedlung Deutschlands, steht eines der ungewöhnlichsten Baudenkmäler Lohelands: die »Waggonia«. Vier ausrangierte Reichsbahnwaggons wurden über Eck auf Sandsteinfundamente gesetzt und mit Satteldächern und einer Holzverschalung versehen. Das Ensemble beherbergte die Lederwerkstatt und die Schneiderei der Loheland Werkstätten GmbH, die Wohnstube eine der Komponistinnen Lohelands sowie die kunsthistorisch bedeutsame Lichtbildwerkstatt Loheland.

Am 8. Oktober beginnt der Expertenworkshop „Von der Schiene unters Dach“ um 10 Uhr im Tagungshotel Wiesenhaus (Loheland).  Das Atelier-Ensemble vertritt als Denkmal so sowohl Aspekte der Technik- als auch solche der Kulturgeschichte aus der Zeit der Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts. Impulsvorträge führen ins Thema ein und laden zum Gespräch. Der Workshop wird vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen und der Loheland-Stiftung veranstaltet und richtet sich an Kunsthistoriker, Architekten, Kultur- und Sozialwissenschaftler, Bahn-Enthusiasten und alle, die Interesse haben, kulturhistorisches Erbe zu entdecken und weiter zu tragen. Um Anmeldung wird gebeten an: M.Geyer@denkmalpflege-hessen.de. (kb. 12.9.15)

Renovierungsbedürftig und im Mittelpunkt eines Expertenworkshops: die 1927 aus vier Eisenbahnwaggons zusammgenfügte „Waggonia“ (Bild: K. Berkemann)