Wie wir leben wollen

Das Zuhause als Ausdruck des Lebensstils, als prägendes Element des Alltags und des eigenen Wohlbefindens: Der Frage, wie wir leben (wollen) und wie groß ist die Rolle der Innenraumgestaltung dabei ist, widmet sich die Ausstellung „Home Stories. 100 Jahre, 20 visionäre Interieurs“ im Vitra Design Museum in Weil am Rhein Vitra Design Museum (Feuerwehrhaus, Müllheimer Straße 56, 79576 Weil am Rhein). Vitra-Kurator Jochen Eisenbrand nimmt den Besucher mit auf eine Zeitreise durch 20 ausgewählte Interieurs, die die Geschichte der Innenarchitektur seit den 1920er Jahren prägten.

Die gezeigten Entwürfe stammen unter anderem von Finn Juhl, Lina Bo Bardi, Kisho Kurokawa und Verner Panton. In ihren Unterschieden zeigen sie stellvertretend, wie sich gesellschaftliche, politische und technische Veränderungen der vergangenen 100 Jahre auch im persönlichen Umfeld niederschlagen. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, nächste Veranstaltung ist am 26. März die Vorführung des Films „Koolhaas Houselife“. (db, 4.3.20)

Köln: Visiona 2 Interieur (Bild: Verner Panton Design AG Basel/VDM Presse)

Ahrenshoop: Kleinhempel-Haus vor Abriss

Seit knapp einem Jahr feiern wir genau solche Frauen wie Gertrud Keinhempel (1875-1948): Vorreiterinnen der modernen Innenarchitektur. Kleinhempel entwarf bereits um 1900 Möbel für renommierte Partner wie die Deutschen Werkstätten Hellerau. Ab 1921 lehrte sie als erste preußische Professorin an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld. Vor Kurzem wurde ihr zeichnerischer Nachlass vom Kunstgewerbe-Museum Dresden (SKD) angekauft und digital zugänglich gemacht.

Nun steht ihr einstiger Rückzugsort zu NS-Zeiten, das Kleinhempel-Haus im Künstlerort Ahrenshoop, vor dem Aus: Ein Rostocker Investor will das historische Büdner-Haus (um 1800) durch zwei neue Wohnbauten ersetzen. Vor Ort versucht der Förderkreis Ahrenshoop, auch als Freie Liste im Gemeinderat vertreten, gemeinsam mit Nachbarn den Abriss abzuwenden. Kommune und Landesdenkmalpflege hingegen erachten den Bau für nicht denkmalwürdig. Vor diesem Hintergrund haben sich bereits die Staatlichen Kunstammlungen Dresden mit einem Schreiben an die Landesdenkmalpflege für den Erhalt des Kleinhempel-Hauses ausgesprochen. Inzwischen ist Gefahr im Verzug, Teile der Ausstattung sind verkauft, der Abbruch soll unmittetbar bevorstehen. (kb, 24.11.19)

Gertrud Kleinhempel, Studie, 1903 (Bildquelle: Moderne Bauformen. Eine Sammlung von Details, Interieurs und Façaden für Architekten und Bauhandwerker Band 1, Stuttgart 1903, Tafel 57, Scan: © Schola Graphidis Art Collection, Hungarian University of Fine Arts – High School of Visual Arts, Budapest, CC BY SA 4.0)

Wohnen zeigen

Wie wohnt man richtig? Dieser Frage näherten sich in der Moderne immer wieder Ausstellungen, Fachaufsätze, Tagungen und die Populärkultur. Da man das menschliche Leben möglichst genau erfassen und funktional umgestaltet wollte, war auch das Wohnen nicht mehr privat. Der Sammelband „Wohnen zeigen. Modelle und Akteure des Wohnens in Architektur und visueller Kultur“ beleuchtet die gültigen Wohnmodelle des 20. Jahrhundert ebenso wie deren Aneignung durch die Kunst und den Menschen selbst.

Der Band wurde von Irene und Andreas Nierhaus herausgegeben. Irene Nierhaus ist Professorin für Kunstwissenschaft und Ästhetische Theorie an der Universität Bremen und leitet das Mariann Steegmann Institut Kunst & Gender mit dem Forschungsfeld „wohnen+/ausstellen“. Die Kunsthistorikern Andreas Nierhaus arbeitet als Kuratorin der Architektursammlung des Wien Museums. (jr, 10.8.14)

Nierhaus, Irene/Nierhaus, Andreas (Hg.), Wohnen zeigen. Modelle und Akteure des Wohnens in Architektur und visueller Kultur, transcript Verlag, 2014, 366 Seiten, ISBN 978-3-8376-2455-7.

„Wohnen zeigen“ nähert sich modernen Wohnmodellen (Bild: transcript Verlag)