Der Kapitalismus frisst seine Kinder

Freilich nur, um sie durch größere zu ersetzen. In New York macht sich eine weltbekannte Bank gerade daran, ihren in Architektenkreisen fast ebenso berühmten Firmensitz abzureißen. Die Rede ist vom JPMorgan Chase Tower in der Park Avenue. Das 215 Meter hohe Bauwerk soll bis 2019 verschwinden und durch einen noch größeren Wolkenkratzer ersetzt werden. Möglich macht dies eine neue Bauordnung aus dem Jahr 2017, welche die Höhenbeschränkung für Hochhäuser nach oben korrigierte.

Der JPMorgan Chase Tower entstand 1957 bis 1961 nach der Architektin Natalie de Blois. Er steht sinnbildlich für den International Style und das kaltkriegerische Selbstbewusstsein New Yorks als Musterstadt des Finanzkapitals. Der Abriss wurde bereits durch die Stadt bestätigt, unter Architekten und Denkmalschützern regt sich jedoch Widerstand. Nach Informationen von Wallstreet Online bemüht sich eine entsprechende Initiative, das Bauwerk noch rechtzeitig unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Die Entscheidung könnte Modellcharakter besitzen. Der JPMorgan Chase Tower dürfte nicht das einzige in die Jahre gekommende Symbol der New Yorker Bankenbranche sein, das mit sorgenvoller Miene auf die einstmals stolzen Eltern blickt. (jr, 8.3.18)

JPMorgan Chase Tower, New York City (Bild: Elisa.rolle, CC BY-SA 4.0)

Neue Nutzung fürs Schokopack

Beachtliche 27 Jahre Leerstand haben ihm keine irreparablen Schäden zugefügt, und nun sieht es so aus, als ziehe tatsächlich wieder Leben ein ins “Schokopack”-Hochhaus. Der 1957-63 errichtete Bau gilt als Dresdens erstes Betonskelett-Hochhaus. Interessanterweise wurde das Wahrzeichen des einstigen „VEB Verpackungsmaschinenbau Dresden” ab 1957 konsequent im International Style erbaut (Architekt: Johannes Junghans). Seit der Auflösung des Kombinats 1990 liegt die gesamte Anlage brach und verfällt, auch wenn das Hochhaus seit 2008 unter Denkmalschutz steht. Zuletzt wurde es regelmäßig mit rechts- wie linksradikalen Parolen beschriftet. Ein Investor wollte ab 2011 in dem Bau Altenwohnungen und Arztpraxen einrichten, wegen der Nähe zum Industriegebiet willigte die Stadt letztlich nicht ein.

Nun wechselte die Immobilie ein weiteres Mal den Besitzer: Die Bielefelder Intelligence AG erwarb das ramponierte Hochhaus und ließ bereits die Außenanlagen bereinigen. Das expandierende IT-Unternehmen will im DDR-Denkmal ein Dienstleistungszentrum einrichten, hinzu kommen Kantine, Fitnessstudio und ein Park. Man hofft, hier bis zu 550 Büro-Arbeitsplätze zu schaffen; das Investitionsvolumen beträgt 20 Millionen Euro. Die Sanierung wird durch den bisherigen Investor betreut und soll im Herbst 2018 abgeschlossen sein. (db, 20.4.17)

VEB Schokopack Dresden (Bild: S. J., gemeinfrei, Detail)

Das MoMA steht in Bielefeld

Das MoMA steht in Bielefeld

MoMa New York (Bild: Bild hibino)
Das MoMA in Bielefeld: Das glauben Sie nicht? Waren Sie etwa schon mal dort? (Bild: Bild hibino, CC BY SA 3.0)

Zwischen dem New Yorker Museum of Modern Art und dem Dessauer Bauhaus bestanden viele Verbindungen. Mit der Ausstellung und Begleitpublikation “The International Style” stellte das Museum 1932 einen Gestaltungskanon auf, der für die Klassische Moderne konstitutiv sein sollte. Er orientierte sich besonders an der “weißen” Moderne Walter Gropius’ und seiner Dessauer Kollegen – und ignorierte andere Modernisten, die nicht in dieses Raster passten. Dies begründete später den Erfolg des ehemaligen Bauhausdirektors in der US-amerikanischen Emigration. Die Ausstellung “Partners in Design. Bauhaus-Pioniere in Amerika” in der Kunsthalle Bielefeld beleuchtet mit Alfred H. Barr Jr. und Philip Johnson zwei Gründungsväter des MoMA.

1929 öffnete das Museum in New York seine Pforten. Barr fungierte als erster Direktor der Institution, Johnson leitete die Abteilung für Architektur. Die Bielefelder Ausstellung fokussiert die kuratorischen Ansätze der beiden amerikanischen Bauhausverehrer und zeigt Exponate, die durch die historischen Ausstellungen des MoMAs heute als Designklassiker gelten. Die Bielefelder Kunsthalle weist eine besondere Verbindung zu Johnson auf: Dieser zeichnete als Architekt für den Bau verantwortlich, der 2018 seinen 50. Geburtstag feiert. Die Ausstellung ist bis zum 23. Juli 2017 zu sehen. (jr, 29.3.17)