Die Kirchen und die Kunst und die NS-Zeit

Als ob es die Protestanten nicht schon schwer genug hätten mit der Kunst an sich (bunt, könnte Spaß machen, geht gar nicht …). Wenn dann das Thema NS-Zeit dazu kommt, wird es noch einmal komplizierter. Höchste Zeit also, sich der Sache mit einer Tagung kritisch anzunähern, wie es die Evangelische Akademie Loccum vom 15. bis 17. Juni unter dem Titel “Kunst und protestantische Kirche während des Nationalsozialismus” tun wird. Man will damit Suchstrategien, einschlägige Fragestellungen und Deutungshilfen für eine bundesweite Aufarbeitung kirchlicher Kunst während des Nationalsozialismus sammeln.

Wie lässt sich die Aufarbeitung von Kunstgut dieser Jahre in protestantischen Kirchen systematisch angehen? Unter welchen Bedingungen wurde Kunst damals produziert? Was kann man aus der Analyse “schwieriger Fälle” für die Deutungsarbeit gewinnen? Welches sind die nächsten Schritte hin zu einer sachgerechten Aufarbeitung von Kunstgut im Raum der protestantischen Kirche während der NS-Zeit? Angesprochen werden die Verantwortungsträger von den Kunstreferaten über die Kirchenleitungen bis zu den Kirchenvorständen. Eingeladen sind ebenso Experten aus Kunst und Denkmalpflege und interessierte Bürger. Anmeldungen sind möglich bis zum 14. Juni unter: Evangelische Akademie Loccum, Münchehäger Straße 6, 31547 Rehburg-Loccum, 05766 81-0, www.loccum.de oder bei der Tagungsleitung: Stephan.Schaede@evlka.de. (kb, 20.4.18)

Berlin-Mariendorf, Martin-Luther-Gedächtniskirche, 1935, Triumphbogen u. a. mit NS-Motiven (teil-entfernt vermutlich während der NS-Zeit) (Bild: Harald Rossa, CC BY SA 2.5, 2006)

Welchedenkmale?

“Erfassen, Bewerten und Kommunizieren des baulichen Erbes der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts” – die neue Internet-Plattform www.welchedenkmale.info hat sich die drängenden Fragen der Nachkriegsmoderne vorgenommen. Dafür haben sich die Bauhaus-Universität Weimar und die Technischen Universität Dortmund zusammengetan. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Vorhaben im Rahmen seiner Förderinitiative “Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen”.

Einbezogen werden Wissenschaftler der Architektur, Denkmalpflege, Kunstgeschichte und der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung. Allen geht es um die Frage: Wie, warum und von wem wird die Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wahrgenommen, wertgeschätzt und weiterverwendet? Hierzu hält die Plattform drei Angebote bereit. Im Bereich Material werden ausgewählte Objekte vorgestellt. Der Blog informiert über Publikationen des Forschungsverbunds und neue Entwicklungen zum Thema. Und in der dritten Rubrik Meine Moderne kann sich jeder an der Diskussion beteiligen: “Was ist für Sie die Moderne, wer oder was ist davon denkmalwert?” (kb, 7.8.14)

Welche Denkmale welcher Moderne? (Bild: www.welchedenkmale.info)

Baukultur im Kanton Solothurn

Für den Kanton Solothurn beginnt die Erfassung nachkriegsmoderner Bauten bereits mit dem Jahr 1940. Als in Deutschland kriegsbedingt kaum noch an ziviles Bauen  zu denken war, wurde in der Schweiz beeindruckende Architektur geschaffen. Die Bauten der Nachkriegsmoderne geraten nun – darin unterscheiden sie sich nicht von ihren deutschen Zeitgenossen – unter Druck. Nur allzu häufig werden sie bis zur Unkenntlichkeit saniert oder gleich ganz beseitigt.

Daher steht die Denkmalpflege vor der großen Aufgabe, den Bestand zu erheben und zu bewerten. Für den Kanton Solothurn hat man prägende Bauten ausführlich dargestellt und darüber hinaus alle inventarisierten Objekte kurz dokumentiert. Damit entstand nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Forschung, sondern ebenso eine unverzichtbare Grundlage für das weitere denkmalfachliche Handeln. (kgb, 25.7.14)

Michael Hanak, Baukultur im Kanton Solothurn. 1940-1980. Ein Inventar zur Architektur der Nachkriegsmoderne, hg. von der Kantonalen Denkmalpflege Solothurn, Parkbooks, 2013, gebunden, 280 Seiten, rund 800 vielfach farbige Abbildungen, 20,5 x 26,5 cm, ISBN 978-3-85881-394-7.

Baukultur im Kanton Solothurn (Bild: Parkbooks)