Bartning für Spontane

Bartning wird aktuell für seine Notkirchen gefeiert – und gleichzeitig befinden sich einige von ihnen mitten im Um- oder Abbruch: Jüngst wurde die Versöhnungskirche aus Overath ins Freilichtmuseum Kommern versetzt. In Sundern gab man die Lukaskirche zum (Teil-)Rückbau frei. In München soll die Golgathakirche bald neuen Wohnbauten weichen. Und in Leverkusen-Manfort steht die Johanneskirche vor der Umwandlung zur Kindertagesstätte.

Wer sich weiter über das kirchliche Werk Bartnings informieren möchte, dem stehen in Berlin am ersten Adventswochenende noch Plätze offen (Voranmeldung per E-Mail bis 27. November (heute!) erforderlich) : Beim Studientag zur Sakralarchitektur der frühen Moderne am 29. November werden in der Katholischen Akademie (Hannoversche Straße 5, 10115 Berlin-Mitte) innovative Vermittlungsansätze vorgestellt – u. a. eine digitale 360-Grad-Präsentationen von Kirchenräumen. Am Abend präsentiert man ebenfalls in der Katholischen Akademie um 19 Uhr die Neuausgabe von Bartnings „Vom neuen Kirchbau“ (1919). Nicht zuletzt führt eine Buserkursion am 30. November zu vier ausgewählten Berliner Kirchen. Wer hier nicht mehr zum Zug kommt, der kann sich noch bis zum 16. Februar 2020 im Regionalmuseum Neubrandenburg die Ausstellung „Nur Beton?“ ansehen. Sie stellt die Bauten (und deren Zukunft) von Otto Bartning, Iris Dullin-Grund, Heinrich Tessenow und des Bauingenieurs Ulrich Müther in den Mittelpunkt. (kb, 27.11.19)

Würzburg, Martin-Luther-Kirche (Bild: Niko Natzschka, CC BY 2.0)

Friedberg: Hoffnung für die Welle

Es sind es gute Nachrichten, die aus Friedberg kommen: Die Schließung des evangelischen Kindergartens wird um ein Jahr verschoben. Denn die Stadt interessiert sich für den abrissbedrohten Bau und hat der Kirchengemeinde ein Kaufangebot gemacht. Der Entwurf für das Gemeindezentrum West – die verbalen Annäherungsversuche schwanken irgendwo zwischen „Psychodynamische Raumstrukturen“ und „Wellenförmiges Dilemma“ – stammt von Johannes Peter Hölzinger und Hermann Goepfert. Hölzinger, 1936 geboren in Bad Nauheim, bewegt sich mit seine Bauten lustvoll an der Nahtstelle zwischen Architektur und Skulptur – nicht umsonst arbeitete er fast 20 Jahre mit dem Zero-Künstler Goepfert in einer Planungsgemeinschaft zusammen. Seit rund 10 Jahren wird Hölzingers Schaffen in der Fachwelt neu gewürdigt: vom Symposion bis zur Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum.

Das evangelische Gemeindezentrum dient der Gruppen- und Gottedienstarbeit, als Wohnung und Kindergarten. Doch seit Monaten ringen die Verantwortlichen um das 2008 zum Kulturdenkmal erhobene Ensemble: Hübsch anzusehen sei das ja alles, aber die Folgekosten aus eindringender Feuchtigkeit für die Kirchengemeinde nicht mehr zu stemmen. In der Presse wurde wiederholt bekräftigt, 2020 könnte, sollte, müsste die Kita schließen, vielleicht sogar das ganze Gemeindezentrum. Auch das Thema Abriss stand im Raum. Nun scheint sich (bezogen auf die Kindertagesstätte) eine Hoffnung auf Erhalt abzuzeichnen. (kb, 25.11.19)

Friedberg, Gemeindezentrum West (Bild: Lixe D., via yelp.de)

Riethüsli: Eine geht, eine bleibt

Noch bietet sich im schweizerischen St.-Gallen-Riethüsli die Chance, mit einem Blick zwei besondere Kirchenbauten der Moderne zu bestaunen: Da ist die betonplatische Reformierte Kirche, fertiggestellt 1980 nach Entwürfen des Architekten Ernst Brantschen mit einer Glasgestaltung von Ferdinand Gehr. Und in direkter Nachbarschaft die 1987 geweihte Zeltkirche der katholischen Gemeinde, ein mit viel Eigenleistung errichteter „Behelfsbau“. Letzterer weist seit rund zehn Jahre starke Schäden an der Holzkonstruktion auf. Vor Ort entschied man sich aus Kostengründen gegen eine Sanierung der katholischen Kirche – und für den Abriss, der 2020 erfolgen soll.

Schon seit sechs Jahren nutzen beide Gemeinden gemeinsam die reformierten Funktionsräume. In diesem Sommer begründete man dann eine gemeinsame liturgische Nutzung der Reformierten Kirche. Im Betonbau entstand daher eine „Gebetsecke“ mit Tabernakel, Ewiglicht und Marienfigur. Auch weitere Ausstattungsstücke aus der aufgegebenen katholischen Kirche fanden ihren Platz im neuen paritätischen Gottesdienstraum. In St. Gallener Stadtteil Halden wird ein ähnliches Modell bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert. Für Riethüsli betonte Daniel Bertoldo, Diakon der Reformierten Kirche, gegenüber der Presse die Hoffnung, dass das Miteinander stärker werde – dass die katholischen Gläubigen auch in reformierte Gottesdienste hereinschauen und umgekehrt. (kb, 3.11.19)

Riethüsli, Katholische und Reformierte Kirche (Bild: Erich Gmünder, via riethuesli.ch)