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Berlin, St. Hedwigskathedrale, 1963 (Bild: Bundesarchiv BildB1101-0013-001, CC BY SA 3.0)

Schwipperts Kathedrale

Um kaum einen deutschen Kirchenbau wurde in den letzten Jahren so heftig gerungen: St. Hedwig, die Kathedrale der Berliner Katholiken, ist seit dem 1. September diesen Jahres geschlossen, die Sanierung soll bald starten. Die Bischofskirche und Basilica minor entstand 1773 als erster katholischer Kirchenneubau Berlins nach der Reformation. Später bemühten sich mehrere Architektengrößen um die Kathedrale – bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann.

Prägend blieb Schwipperts Kapellenkranz mit offenem Zugang zur Unterkirche. 2013/14 wurden zur „Modernisierung“ Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer ausgewählt. Demnach ginge Schwipperts „Doppelkirche“ verloren. Bundesweit regten sich heftige und anhaltende Proteste. Da sich Bezirksamt (dafür) und Landesdenkmalamt (dagegen) nicht einig waren, genehmigte schließlich die Oberste Denkmalschutzbehörde die Maßnahme. Nun widmet sich eine neue Publikation, frisch erschienen im Jovis Verlag, eben jenem Schwippert-Anteil am Baudenkmal. In diesem Band fordern Denkmalpfleger, Architekten, Wissenschaftler, Künstler und Autoren nicht nur den Erhalt, sondern auch die fachgerechte Wiederherstellung des denkmalgeschützten Innenraumes nach den Originalplänen Hans Schwipperts. Wir drücken die Daumen! (kb, 15.12.18)

Buslei-Wuppermann, Agatha, St. Hedwigs-Kathedrale Berlin. Hans Schwipperts Mahnmal für den Frieden, Jovis Verlag, Hardcover, 21 x 25,5 cm, 160 Seiten, ca. 70 Schwarz-Weiß- und Farbabbildungen, Deutsch, ISBN 978-3-86859-560-4, Berlin 2018.

Berlin, St. Hedwigskathedrale, 1963 (Bild: Bundesarchiv BildB1101-0013-001, CC BY SA 3.0)

Essen, Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung (Bild: StagiaireMGIMO, CC BY SA 4.0, 2018)

Wenn Sie hier mehr sehen als Hakenkreuze …

Vielleicht ist es ein Zeichen wachsender Political Correctness, vielleicht aufsteigender Ängstlichkeit: In den vergangenen Monaten werden vermehrt lange gezeigte und zumindest geduldete Kunstwerke neu diskutiert, teils in Frage gestellt, teils ganz entfernt. Die Spanne reicht von der unbekleideten Schönheit bis zum nationalsozialistischen Emblem. In Essen soll nun die Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung vollständig umgestaltet werden. Erbaut 1937 von den Architekten Carl Conradi und Paul Dietsch, zeigt der Gottesdienstraum (noch) typische Merkmale seiner Zeit: eine neoklassizistische Wandgliederung und viel Holz.

Höhere Wellen schlägt die Debatte um die figurative bzw. zeichenhafte Ausstattung der Kapelle: Das Altarbild mit dem blondgelockten Jesus wurde bereits entfernt. Die Glasgstaltung von Carl Bringmann zeigt eine ähnlich herbe Formensprache der 1930er Jahre. Und die Balkendecke trägt christliche Symbolzeichen in ornamentalen, hakenkreuzartigen Verschlingungen. Der gesamte Kapellenraum soll in ein neues, ganz weiß-neutrales Gewand gehüllt werden. Dem stellt sich der „Arbeitskreis Essen 2030“ entgegen. Die erhaltene Gestaltung der Bauzeit sei auch „ein Beleg für die ideologische Durchdringung der evangelischen Kirche in den 1930er Jahren“. Da helfe kein Anstrich, nur Aufklärung. (kb, 4.12.18)

Titelmotiv: Essen, Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung (Bild: StagiaireMGIMO, CC BY SA 4.0, 2018) 

Heidelberg, Emmertsgrund und Boxberg (Bild: historische Postkarte, Kunstverlag F. Gärtner, Heidelberg)

Heidelberg spart

In Heidelberg entsteht ein neues Gemeindezentrum, noch dazu im eher wenig großbürgerlichen Stadtteil Boxberg – das klang 2017 gut. Dass dahinter bald zwei Abrisse stecken, geht zumeist unter zwischen den Pressezeilen: 2011 fusionierten die evangelischen Gemeinden im Emmertsgrund und am Boxberg – zwei markanten Trabantensiedlungen am grünen Hang. Das Zentrum am Boxbergring (1966) musste 2016/17 einem kirchlichen Neubau weichen. Am Emmertsgrund steht die Kirche im „Forum 3“ (1974) seitdem leer. Pläne von pädagogischem Ideenhaus bis zu jüdischem Altenheim wurden im Quartier beargwöhnt (wohl wegen der bedrohten Aussicht), nun steht ein Verkauf (auf Abriss) bevor. Ansonsten wollen die Heidelberger Protestanten zunächst das Sparpotenzial bei Dienstwohnungen, Gemeindehäusern und Kindergärten ausnutzen.

Die katholische Seite zeigt sich hingegen betont „locker“. Statt auf Vorgaben von oben zu warten, gehe man die Dinge lieber gleich an. Umgebaut, mittelfristig verkauft und abgerissen wird also ebenso. Aktuell entsteht z. B., nach Abriss des Gemeindehauses, in der Wieblinger Kirche St. Bartholomäus (1956) eine Haus-im-Haus-Lösung für mehr Funktionsfreiheit. Und St. Paul im Emmertsgrund (1972), erläutert Pfarrer Johannes Brandt vom Stiftungsrat der Katholischen Kirche der Rhein-Neckar-Zeitung, sei „ein wunderbarer Sakralraum“ – aber das Flachdach mache langsam Probleme … (kb, 24.11.18)

Titelmotiv: Heidelberg-Emmertsgrund (Bild: Postkarte, Kunstverlag F. Gärtner)

Hannover, Gerhard-Uhlhorn-Kirche (Bild: meinhof-felsmann.de)

Gerhard-Uhlhorn-Kirche: Der Umbau startet

Vier Jahre stand die Gerhard-Uhlhorn-Kirche in Hannover-Linden zum Verkauf. Der imposante Kirchenbau des Architekten Reinhard Riemerschmid aus dem Jahr 1963, malerisch an der Leine gelegen, besticht durch die Beton-Raster-Fassade, das hohe, kupfergedeckte Walmdach, das im stützenlosen Innenraum sichtbare hölzerne Tragwerk und den schlanken Glockenturm, der an eine Ähre erinnern soll. Im Jahr 2012 sah sich die evangelisch-lutherische Gemeinde gezwungen, ihre Predigtstätte zu schließen und zum Verkauf anzubieten. 2016 schließlich erwarben zwei Investoren (Dr. Meinhof und Felsmann GBS GmbH & Co. KG) den denkmalgeschützten Bau.

Nun soll es, endlich, losgehen: Entstehen werden Studentenappartements – nach Entwürfen der Architekten pfitzner moorkens. Im Prinzip „Haus im Haus“ sollen zweigeschossige Einbauten für 27 Wohnungen und einige Gemeinschaftsräume in das Kirchenschiff eingestellt werden. Damit bliebe der Raum in seiner Grundstruktur erfahrbar. Auch der Altar soll ebenso an Ort und Stelle bleiben wie das monumentale Altarkreuz, jedoch werden beide evtl. verhüllt. Die Betonfassaden werden um einige Fenster, „Loggien“ und Terrassen erweitert. (kb, 8.11.18)

Hannover, Gerhard-Uhlhorn-Kirche (Bild: meinhof-felsmann.de)

Malermeister (Bild: Lukeroberts, GFDL oder CC BY SA 2.5, 2005)

Das ewige Problem mit den Bildern

Protestanten und Kunst verbindet ja bekanntlich keine wirklich enge Liebe. Doch das könnte sich diesen November gleich doppelt ändern. Vom 9. bis 10. November 2018 findet in Marburg – nach dem Vorbild des jahrzentelang bewährten Kirchbautags – der „Erste Evangelische Bildertag“ statt. Das Marburger EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart lädt alle Interessierten mit Vorträgen und Diskussionsrunden dazu ein, neue „Bildkompetenz“ zu erwerben. Denn, so die These, die intensive Beziehung zum Wort beruhe auf einer intimen Beziehung zum Bild, „die weithin unbemerkt die religiöse Kommunikation im Protestantismus steuert“.

Auch im Ruhrgebiet fragt eine Tagung nach der „Ambivalenz der Bilder in Kunst und Religion“. In Bochum (Kunstmuseum Bochum, Kortumstraße 147, 44787 Bochum) will das CERES-Institut (Centrum für Religionswissenschaftliche Studien) der Ruhr-Universität vom 7. bis 9. November 2018 neu über die „Bilderfrage“ nachdenken. Die Tagung steht im Rahmen der Ausstellung „Bild Macht Religion“ im Kunstmuseum Bochum, die den jahrhundertealten Widerstreit zwischen Bilderkult und Bilderkampf neu aufrollt. Damit können die Tagungsbesucher eben nicht nur viel hören und reden, sondern auch viel schauen, was es mit den Bildern und dem Christentum wirklich auf sich hat. (kb, 29.10.18)

Maler bei der Arbeit (Bild: Lukeroberts, GFDL oder CC BY SA 2.5, 2005)

Oberursel, Liebfrauenkirche (Bild: KuA-Concult)

Oberursel: 1,7 Millionen für Schwarz-Kirche

Erst jüngst gab es schlechte Nachrichten für zwei von Rudolf Schwarz entworfene Kirchen: Heilige Familie in Oberhausen könnte die caritative Nutzung verlieren, St. Albert in Andernach ist geschlossen und steht zum Verkauf. Erfreulicher sieht es für die Liebfrauenkirche in Oberursel bei Frankfurt am Main aus. Rudolf Schwarz (1897-1961) und Maria Schwarz (1921-2018) gestalteten den 1967 geweihten Bau – nach dem Vorbild der Trierer Liebfrauenkirche – auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, in dessen Winkeln Konchen eingebracht sind. (Wer mag, kann darin eine auf die Namenspatronin verweisende Rose sehen.)

Bereits 1965 wurde die Kirche „vom Hessischen Staat als vorbildliche Leistung ausgezeichnet“. Seit gut 50 Jahren genießt die Liebfrauenkirche in Fachkreisen große Anerkennung. Inzwischen gehört sie als eine von neun Kirchen zur Gemeinde St. Ursula – Katholische Kirche in Oberursel und Steinbach. Aktuell wird der denkmalgeschützte Bau für insgesamt 1,7 Millionen Euro saniert. In den vergangenen Jahren waren das Dach, der Beton, der das Backsteinmauerwerk einfasst, und die vom österreichischen Künstler Giselbert Hoke gestaltete Verglasung renovierungsbedürftig geworden. Bis zum Herbst 2019 sollen alle Arbeiten in zwei Phasen abgeschlossen sein. Den Löwenanteil von 90 Prozent der Sanierungskosten trägt das Bistum Limburg.(kb, 9.10.18)

Oberursel, Liebfrauenkirche (Bild: KuA-Concult)

Adelsried, Maria Schutz der Reisenden (Bild: historische Postkarte)

Älteste Autobahnkirche wird 60

Am 12.Oktober 1958 wurde eine bundesweite Neuheit eingeweiht: Mit „Maria Schutz der Reisenden“ war in Adelsried, an der Schnellstraße zwischen Stuttgart und München, Deutschlands erste Autobahnkirche entstanden. Der Papierfabrikant Georg Haindl hatte das Geld, Raimund Freiherr von Doblhoff den Entwurf beigesteuert. Die Kubatur entspricht einer typischen bayerischen Dorfkirche, doch die Materialien weisen bereits in Richtung Moderne. Denn der Betonskelettbau wird großflächig in Klarglasscheiben aufgelöst, die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwimmen.

Seit inzwischen 60 Jahren wird „Maria Schutz der Reisenden“ betreut durch Dominikaner des Konvents Hl. Kreuz in Augsburg. Bis heute ist die Autobahnkirche ein willkommener Rastpunkt für Reisende, die sich hier die Füße vertreten, kulturell begeistern oder geistlich auftanken können. Inzwischen hat sich das Konzept „Autobahnkirche“, mit Neubauten ebenso wie mit ausgewiesenen historischen Orten, als Erfolgsmodell bewährt – bundesweit werden über 40 Standorte gezählt. Die meisten von ihnen finden sich im Süden und Westen der alten Bundesländer, sie verteilen sich annähernd gleich auf die beiden großen Konfessionen. Die Kirche von Adelsried wurde rechtzeitig vor dem bevorstehenden Jubiläum frisch saniert, für den 14. Oktober 2018 ist u. a. ein Festgottesdienst geplant. (kb, 1.10.18)

Adelsried, Maria Schutz der Reisenden (Bild: historische Postkarte)

Berlin, St. Hedwig (Bild: Schlaier, gemenfrei)

Berlin: St. Hedwig gibt Anlass zur Klage

Eigentlich ist die letzte Messe gesungen: St. Hedwig ist seit dem 1. September geschlossen, die Sanierung soll bald starten. Die Bischofskirche und Basilica minor entstand 1773 als erster katholischer Kirchenneubau Berlins nach der Reformation. Später bemühten sich mehrere Architektengrößen um die Kathedrale – bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann. Prägend blieb Schwipperts Kapellenkranz mit offenem Zugang zur Unterkirche. 2013/14 wurden zur „Modernisierung“ Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer ausgewählt. Demnach ginge Schwipperts „Doppelkirche“ verloren. Bundesweit regten sich Proteste. Da sich Bezirksamt (dafür) und Landesdenkmalamt (dagegen) nicht einig waren, genehmigte die Oberste Denkmalschutzbehörde die Maßnahme.

Anfang September wurde bekannt, dass an der Nachkriegsfassung von St. Hedwig beteiligte Künstler/deren Nachfahren den juristischen Weg beschreiten. Mithilfe des Urheberrechts wollen sie – einmal gegenüber dem Bezirksamt, einmal gegenüber dem Bistum – die Sanierung verhindern. Die Gerichte prüfen, ob, wie und wann verhandelt werden soll. Inzwischen ist als „Baustellenbespielung“ (ein Förderbescheid für den Umbau steht noch aus) die Installation „Glowing Core“ von Rebecca Horn eingezogen, welche die Raummitte mit Trichtern und Spiegeln neu inszeniert. Gegenüber dem Tagesspiegel erklärte Domprobst Tobias Przytarski, man hoffe damit auch Skeptiker von den Vorteilen eines zentrierten Altars zu überzeugen. (kb, 28.9.18)

Berlin, St. Hedwig, 2005 (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

Andernach, St. Albert (Bild: kaschper69, via waymarking.com, 2017)

Andernach: Schwarz-Kirche wird geschlossen

Die Anfang des Jahres verstorbene Maria Schwarz – Architektin, private und berufliche Partnerin von Rudolf Schwarz – kämpfte in ihren letzten Jahren zäh und oft erfolgreich um die Zukunft der Schwarz’schen Kirchenbauten. Gegenüber „koelnarchitektur.de“ bezeichnete sie 2006 den Verlust, den Abriss eines Gottesdienstraums als „Mord“. Damals benannte sie die Kirche St. Albert, 1954 fertiggestellt nach Plänen von Rudolf Schwarz, im rheinland-pfälzischen Andernach noch als Vorzeigebeispiel. In vielen Gesprächen habe sie mit dem dortigen Pfarrer eine „vorübergehende“ Raum- und Gottesdienstordnung für kleine liturgische Feiern von großer Dichte entwickelt: mit einem Holzaltar in der Mitte, einem freistehenden Ambo und einander gegenüberstehenden Bankreihen.

Nun scheint es in Andernach, dem einstigen Hoffnungsprojekt, doch zum Äußersten zu kommen, zumindest zur Schließung. Als Grund werden die weiter sinkenden Gottesdienstbesucherzahlen angeführt. Und jetzt habe auch noch die Heizung einen „Totalschaden“. So werde sich die Gemeinde schweren Herzens auf einen Standort konzentrieren: Die gerade in der Sanierung befindliche Michaelskapelle aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Schließung von St. Albert ist für den 25. November diesen Jahres angesetzt, im Frühjahr 2019 will man einen Käufer für den denkmalgeschützten Bau suchen. (kb, 15.9.18)

Andernach, St. Albert (Bild: kaschper69, via waymarking.com, 2017)

Eberswalde-Finow, St. Theresia (Bild: Krank-Hover, CC BY SA 3.0, 2012)

Kirchenbau vor 1938

Mit dem Siegeszug der Stadt und dem Bedeutungsverlust der beiden großen Konfessionen brachen ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch für den Kirchenbau bewegte Zeiten an. Neben den Architekten griffen weitere Kräfte in den Planungsprozess ein: die Gemeinden ebenso wie die Vereine, Behörden und landeskirchliche Ämter. Zudem wandelt sich mit der Verstädterung auch das Verständnis von Seelsorge und von dem, was einen Kirchenbau ausmacht. Vor diesem Hintergrund behandelt die Tagung „Evangelischer und katholischer Kirchenbau zwischen 1848 und 1938 in den deutschsprachigen Gebieten östlich der Elbe“ den Kirchenbaus in Ostdeutschland und Westpolen.

Einzelne Vorträge widmet sich der Kirchbaulandschaft Berlins und einzelner Bauprojekte in Stettin. Ebenso werden Kirchenbau und -kunst während des Nationalsozialismus sowie das Verhältnis von Tradition und Moderne thematisiert. Die Konferenz findet vom 20. bis 22. September 2018 in der Katholischen Akademie in Berlin (Hannoversche Straße 5, 10115 Berlin) statt. Neben den Vorträgen werden für angemeldete Teilnehmende Exkursionen zu Berliner Kirchen angeboten sowie ein Plenum am Ende der Tagung. Achtung: Anmeldungen sind nur noch bis zum 11. (!) September möglich unter: team@berlinerkirchenbauforum.de, 030 2830950 (Katholische Akademie, Konstantin Manthey). In seinem öffentlichen Abendvortrag präsentiert Daniel Lordick am 21. September 2018 um 20 Uhr, wie computergestützte Techniken angewendet werden können, um historische Formensprachen in aktuelle Bauvorhaben einzufügen. (kb, 10.9.18)

Eberswalde-Finow, St. Theresia, 1934, Josef Bachem (Bild: Krank-Hover, CC BY SA 3.0, 2012)

Mechernich, Bruder-Klaus-Kapelle (Bild: David Kasparek, CC BY 2.0, 2010)

Unterwegs zu Peter Zumthor

Wer einen Bau entwirft, der 1996 eingeweiht und 1998 unter Schutz gestellt wird, der hat es als Architekt eigentlich schon geschafft. Eine Würdigung, die der 1943 in Basel geborene Architekt Peter Zumthor sicher zu schätzen weiß, arbeitete er doch selbst zehn Jahre als Denkmalpfleger im Kanton Graubünden. 1979 eröffnete er dann sein eigenes Architekturbüro in Haldenstein bei Chur und reüssierte rasch mit klaren, materialstarken, auf ihren jeweiligen Standort rückgebundenen Entwürfen. Die Fachwelt hat Zumthor – im obigen Fall seiner Therme Vals – schon vor rund 20 Jahren das Siegel des Zeitlosen verliehen. Es folgten renommierte Auszeichnungen wie 2009 der Pritzker-Preis und 2017 der Große BDA-Preis.

Im Kirchenbau brillierte Zumthor vor allem durch zwei Projekte im Jahr 2007: Den Umbau der Kolumba-(Ruinen-)Kirche zum Kunstmuseum der Erzdiözese Köln und die expressive Bruder-Klaus-Feldkapelle in Mechernich-Wachendorf. Zum umfangreichen Werk von Peter Zumthor bietet die Katholische Akademie Schwerte vom 13. bis zum 14. Oktober 2018 eine Veranstaltung an. Das Seminar mit Exkursion „Architektur und Vision (2): Peter Zumthor“ will anhand der Zumthor’schen Schriften und Bauten in sein Bauen und Denken einführen. Auf einer Halbtagesexkursion nach Mechernich wird die Bruder-Klaus-Kapelle besichtigt. Eine Anmeldung ist bis zum 28. September 2018 erforderlich, es wird ein Teilnahmebeitrag erhoben. (kb, 8.9.18)

Mechernich, Bruder-Klaus-Kapelle (Bild: David Kasparek, CC BY 2.0, 2010)

Bielefeld-Schildesche, St. Johannes Baptist (Bild: Mat-Wiki, CC BY SA 4.0, 2018)

4 x Denkmalschutz für Bielefeld

20 Kirchen wurden angeschaut, vier davon sollen es werden: In Bielefeld wurden die Nachkriegskirchen auf ihre Denkmalwürdigkeit hin überprüft. In Sennestadt haben gleich zwei Kirchen die Aufmerksamkeit der Fachleute erregt: St. Thomas Morus (1961) und St. Kunigunde (1951), die seit einem Umbau von 1985 besondere postmoderne Gestaltungsmerkmale aufweist. Hinzu kommen St. Meinolf (1957) und in St. Johannes Baptist (1911/66) in Bielefeld-Schildesche. St. Thomas Morus steht bereits kurz vor der Denkmal-Eintragung, die drei übrigen stehen noch auf einer „Positivliste“, werden also noch mit kirchlichen Baubehörden abgestimmt.

In Bielefeld ist die Kirchenlandschaft bereits seit Jahren in Bewegung. In Gadderbaum findet sich eine der bekanntesten Umnutzungen: Die Martinikirche (1898) wurde 2005 zur Gaststätte „Glück und Seligkeit“. Die katholische Nachbarkirche St. Pius (1958) musste 2017 für Wohnbauten weichen. Abgerissen wurde ebenso St. Johannes (1970) in Senne. Die Neuapostolische Kirche (1982) in Stieghorst wurde 2017 zum Verkauf angeboten. St. Elisabeth (1956) in Altenhagen wurde bereits veräußert und scheint für Wohnzwecke umgenutzt zu sein. Im selben Stadtteil diskutiert man für die Johanneskirche (1970) den Abriss des Schiffs – für Wohnbauten. (kb, 3.9.18)

Titelmotiv: Bielefeld-Schildesche, St. Johannes Baptist (Bild: Mat-Wiki, CC BY SA 4.0, 2018)