Christophery-Bau bleibt

Die 1851 in Iserlohn gegründete Firma Christophery begann ihre Produktion mit der Fertigung von Näh-, Stopf- und Packnadeln. 2001 meldete das Traditionsunternehmen Insolvenz an. Seinerzeit war der 1934 nach Plänen der Architekten Albert Brünninghaus errichtete Hauptbau schon länger im Visier des Denkmalschutzes. Der dreigeschossige Riegel ist eines der wenigen Beispiele der klassisch modernen Industriearchitektur in der Gegend. Nach der Christophery-Pleite und jahrelangem Leerstand, zunehmendem Verfall und erfolgloser Investorensuche stand ein Abbruch des Gebäudes im Rahmen einer Altlastensanierung im Raum, ein Beschluss hierfür wurde 2012 eigentlich schon gefasst.

Die von LWL 2005 in Gang gesetzte Ausweisung als Kulturdenkmal wurde auch 2008 unter Verweis auf Bauschäden ausgesetzt. Drei Jahre später fand sich die Christophery-Fabrik freilich im „Dehio“ als Kunstdenkmal wieder (Bd. Nordrhein-Westfalen II, S. 506). Das sorgte offenbar für Skrupel beim Abbruchvorhaben; 2015 wurde durch die Stadt zunächst das teilweise eingestürzte Dach gesichert. Mittlerweile sind weitere Jahre des Planens und Untersuchens möglicher Altlasten vergangen. Ende Mai kam nun das positive Gutachten: Die Entsorgung der lösemittelverseuchten Bereiche auf dem Fabrikareal ist ohne Abriss des Gebäudes möglich. Zukünftig ist eine Wohnnutzung des Baudenkmals vorstellbar. (db, 31.5.20)

Iserlohn, Christophery-Bau um 2012 (Bild: Stadt Iserlohn)

Hallo und Tschüss?

Im März vergangenen Jahres konnten wir erfreuliches aus dem Sauerland berichten: Dem 1974 fertiggestellten Rathaus von Iserlohn schien eine gesicherte Existenz unter Denkmalschutz beschieden zu sein. Im Vorfeld liefen bereits Gespräche über einen Neubau im Rahmen der Umgestaltung des Schillerplatzes. Man entschied sich trotzdem für eine Kernsanierung. So weit, so sicher! Im Verlaufe des Jahres wurden allerdings etliche Hiobsbotschaften für den Betonbau verlautbart. Schon seit Juni stehen zwei Etagen wegen eklatanter Brandschutzmängel leer, weitere Büros mussten unlängst geräumt werden. Möglicherweise muss demnächst der gesamte Komplex geschlossen werden.

Der Rat der Stadt beauftragte vergangene Woche die Verwaltung, den Abriss zu prüfen. Um alles vorschriftsgemäß zu richten, müsste der Komplex nahezu in den Rohbauzustand überführt werden – so Baudezernent Thomas Grote. Eine Sanierung mit Einbau von Sicherheitsschleusen und Brandschutzeinrichtungen würde die Stadt mit einigen Millionen Euro teuer zu stehen kommen. Ein Abriss mit anschließendem Neubau aber ebenso. Man kann nur hoffen, dass die Gutachter dem noch relativen jungen Schützling kein vorzeitiges Ende bescheren. (jm, 10.11.19)

Iserlohn, Rathaus (Bild: Sauerlandtom, via mapio.de)

Rathaus Iserlohn soll „kernsaniert“ werden

Bis 1974 war die Welt in Iserlohn noch in Ordnung: Da gab es ein malerisches Rathaus, das der Architekt Wilhelm Raffloer 1875 im verspielten Stil der Neorenaissance gestaltet hatte. Doch seit Mitte der 1970er Jahre dient dieser Bau als Stadtbücherei, denn Iserlohn hatte nach rund 100 Jahren ein neues Rathaus erhalten. Ein Architektenteam unter der künstlerischen Oberleitung von Ernst Dossmann brachte die zuvor über die Stadt verteilten Verwaltungsfunktionen von 1972 bis 1974 in einem klaren kantigen Betonbau am Schillerplatz zusammen.

Und diese Betonschönheit steht seit der Jahreswende unter Denkmalschutz. Noch 2014, zum 40-jährigen Jubiläum der Einweihung, hatte man – im Zuge der avisierten Neugestaltung des Schillerplatzes – laut über einen Neubau nachgedacht. Nun ist von einer „Kernsanierung“ Anfang der 2020er Jahre die Rede. Der neue Schutzstatus wird dabei auch die Denkmalpflege mit an den Verhandlungstisch bringen. Zusätzlich wirft die Stadt mit ihrem neuen Kulturdenkmal ein Auge auf Fördertöpfe wie für die „Regionale 2025“. Während der Betonbau heute vor Ort nicht nur geliebt wird, war man 1974 voller Stolz. In einer Broschüre zur Einweihung hieß es: „Das Auffälligste am neuen Rathaus ist seine Schönheit.“ Dem haben wir nichts hinzuzufügen. (kb, 25.3.18)

Iserlohn, Rathaus (Bild: Sauerlandtom, via mapio.de)