Schlagwort: Israel

Haifa, Technion im Bau, um 1913 (Bild: Technion - Israel Institute of Technology, gemeinfrei)

Einmal Weimar-Haifa und zurück

Auch in diesem Semester geht die Uni Weimar wieder dem Thema „Identität und Erbe“ auf dem Grund. Es ist inzwischen schon gute Tradition, dass die Ringvorlesung auch Themen der Moderne in den Blick nimmt. Hier sind vor allem zwei Vorträge zu nennen: Am 17. Oktober spricht Mark Escherich um 18.30 Uhr über „Denkmalpflege und DDR-Nachkriegsmoderne“. Bei der hochaktuellen Debatte um die Architektur der 1960er und 1970er Jahre könnte der Eindruck entstehen, dass die eigentliche Hürde in der Erhaltung und Sanierung bestehe. Doch weiterhin wird in weiten Teilen der Gesellschaft grundsätzlich angezweifelt, dass diese Bauepoche erhaltenswert ist.

Damit drängen weiterhin – nicht für die Ostmoderne – die Erforschung der Baubestände und die Kommunikation über ihre Werte. Vor diesem Hintergrund dürfte der zweite modernebezogene Vortrag der Ringvorlesung nicht minder spannend ausfallen: Waleed Karkabi (Haifa) spricht am 7. November um 18.30 Uhr über „Toward a new architecture – Haifa Modernism“. Sahen viele Architekten doch in Israel ein „Labor der Moderne“, eine ideale Spielfläche für neue Formen des Bauens und Zusammenwohnens. Heute sind Städte wie Haifa für Architekturbegeisterte gerade wegen dieses modernen Erbes von besonderem Reiz. Beide Vorträge finden in der Bauhaus-Universität Weimar statt (Hörsaal D, Marienstraße 13, 99423 Weimar). (kb, 13.10.17)

Haifa, Technion im Bau, um 1913 (Bild: Technion – Israel Institute of Technology, gemeinfrei)

Ramot Polin, 2007 (Bild: Nehemia G., CC BY SA 2.5)

100 Jahre Moderne in und mit Palästina/Israel

Vor 100 Jahren suchten viele Architekten in Palästina das „Gelobtes Land“ – eine Experimentierfläche für moderne Ideen. Diesen konsequenten, mutigen, in jedem Fall sehenswerten Bauten widmet das Innsbrucker Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege eine Vortragsreihe. Jeweils um 18 Uhr sprechen im Seminarraum: 17. Mai 2017, Ulrich Knufinke (Braunschweig/Hamburg/Innsbruck): „Wilhelm Ze’ev Haller (1884-1956)“, 21. Juni 2017, UIta Heinze-Greenberg (Zürich): „Bezalel und Bauhaus“, 26. Juni, Anna Minta (Linz): „Israel baut“, 29. Juni, Regina Stephan (Mainz): „Erich Mendelsohns Architektur in Palästina“.

Wie sich diese Reformgedanken auch in der deutschen jüdischen Kultur niederschlugen, beleuchtet bis zum 24. Mai eine Ausstellung im Architekturpavillon der TU Braunschweig (Pockelsstraße 4, 38106 Braunschweig). Das Israel Jacobson Netzwerk, die Museen des Landkreises Gifhorn, die Tessenow-Runde Steinhorst und die TU Braunschweig/Bet Tfila stellen hier den Reformarchitekten Heinrich Tessenow (1876-1950) vor. Von ihm stammt z. B. das Braunschweiger „Haus der Gemeinde“, das er 1912 für das jüdische Land- und Lehrgut der Simon’schen Stiftung gestaltete. Begleitend gibt es jeweils um 18.30 Uhr Vorträge im Architektursalon: 18. Mai 2017, Olaf Gisbertz (Braunschweig): „Architekturen des Gebrauchs von Heinrich Tessenow“, 23. Mai 2017, Dr. des. Christoph Schmidt (Gifhorn): „Die Lebensreformbewegung“, 30. Mai, Prof. Dr. Carol Herselle Krinsky (New York): „Synagogen in den USA“ (letzterer im Hörsaal SN 19.3). (kb, 16.5.17)

Ramot Polin, Wohnbau von Zvi Hecker (Bild: Nehemia G., CC BY SA 2.5)

Netzwerk Weiße Stadt Tel Aviv

Tel Aviv, Shenkin St. 2012 (Bild: A. Klei)
Tel Aviv , hier die Shenkin St. 2012, birgt (noch) viele Zeugnisse des Neuen Bauens (Bild: A. Klei)

Am Wochenende 10./11. September 2016 findet in Berlin zum 24. Mal der Tag des offenen Denkmals statt. Das Schwerpunktthema lautet „Gemeinsam Denkmale erhalten“. Über 330 Angebote verzeichnet das vom Landesdenkmalamt zusammengestellte Programm.

Am Ende des langen Denkmalwochenendes, am 11. September, lädt Senator Andreas Geisel um 18 Uhr zur gemeinsamen Abschlussveranstaltung ins Berliner Rathaus (Großer Saal, Rathausstr. 15 in Berlin-Mitte, Bahnhof Alexanderplatz) ein. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Vorgestellt wird das deutsch-israelische Kooperationsprojekt „Netzwerk Weiße Stadt Tel Aviv“.  Die „Weiße Stadt“ in Tel Aviv, seit 2003 UNESCO-Weltkulturerbe, ist das weltweit größte Ensemble von Gebäuden der klassischen Moderne. Sie ist eng mit dem Schicksal deutscher und europäischer Architekten jüdischen Glaubens verbunden, die Deutschland nach 1933 verlassen mussten. Viele Gebäude bedürfen heute einer denkmalgerechten Sanierung. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit fördert den Aufbau eines Zentrums für denkmalgerechtes Bauen in Tel Aviv bis zum Jahr 2025 mit insgesamt 2,8 Mio. Euro. (kb, 26.8.16)

Die Theorie der zentralen Orte

Arieh Sharon (Bild: Ynhockey, via wikimedia commons, gemeinfrei)
Der Architekt Arieh Sharon (1900-84) prägte maßgeblich den Aufbau des Staates Israel (Bild: Ynhockey, via wikimedia commons, gemeinfrei)

Ist es möglich, zwischen dem israelischen „Sharonplan“ und dem  „Generalplan Ost?“ der deutschen Nationalsozialisten eine konzeptionelle Verbindungslinie zu ziehen, die ihren Ursprung in W. Christallers „Theorie der zentralen Orte“ hat? Das Leitbild dieser 1933 veröffentlichten Theorie zielt darau, die Wirtschaftsfaktoren zu optimieren und die Bevölkerung im Raum zu verteilen.

Der Autor des Buchs „Die Theorie der zentralen Orte in Israel und Deuschland“, der Berliner Architekturtheoretiker Joachim Trezib, geht einer unerwarteten Parallelität nach, die er als Muster räumlicher Herrschaft sowohl in den NS-Plänen zur „Neuordnung“ Europas als auch in der israelischen Nationalplanung nach der Staatsgründung 1948 identifiziert. Der Vergleich zeigt einen exemplarischen Fall, wie sich die junge Wissenschaft der Raumplanung im 20. Jahrhundert als Herrschaftsmittel instrumentalisieren ließ. (kb, 12.8.16)

Trezib, Joachim, Die Theorie der zentralen Orte in Israel und Deutschland. Zur Rezeption Walter Christallers im Kontext von Sharonplan und „Generalplan Ost“ (Europäisch-jüdische Studien – Kontroversen, Band 3), de Gruyter Oldenbourg-Verlag, Berlin 2014, gebunden, ISBN 978-3-11-033825-6.

Architektur in Palästina 1918-1948

Architektur in Palästina (Bidl: Bauhausarchiv Dessau)
Architektur in Palästina 1918-1948 (Bild: Bauhausarchiv Dessau)

Sie bauten das neue Land schon, bevor es offiziell bestand. Als Israel im Jahr 1948 politisch aus der Taufe gehoben wurde, hatten viele jüdische Auswanderer bereits architektonische Fakten geschaffen. Auch zahlreiche deutsche Architekten gestalteten mit an den Grundlagen des modernen Israel: Ihre funktionale Formensprache traf im Morgenland auf besondere örtliche Traditionen, Klimabedingungen und Nutzungsanforderungen.

Das Architekturschaufenster Karlsruhe zeigt noch bis zum 17. Juli 2014 die Ausstellung „Architektur in Palästina 1918-1948“. Vorgestellt werden Projekte aus dem Städte- und Siedlungsbau, Wohn- und Landwirtschaftsbauten sowie öffentliche und religiöse Räume. Die Wanderausstellung, die u. a. bereits in Berlin, Dessau und New York zu sehen war, bereitete Dr. Myra Warhaftig (1930-2008) vor. Ihr Nachlass wird aktuell am Institut für Kunst- und Baugeschichte Karlsruhe erschlossen. (kgb, 5.7.14)