Ron Arad bei Vitra

Angeblich ist Ron Arad eines Tages nach der Mittagspause nicht mehr an seinen Arbeitsplatz in einem Architekturbüro zurückgekehrt. Er habe sich dort gelangweilt. Ruhe scheint nicht das Lebensziel des 1951 in Tel Aviv geborenen Künstlers, Designers und Architekten zu sein. Sich sebst bezeichnet er als „Flipperkugel“: Er stoße auf interessante Dinge, springe von einem zum anderen, lasse sich gern ablenken, arbeite an vielen Themen gleichzeitig. Sein Studium begann Arad an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem, setzte es fort an der Architectural Association in London. 1981 eröffnete er dort mit Caroline Thorman sein Designbüro „One Off Ltd.“, 1989 das Studio Ron Arad Associates Ltd., London, in dem viele seiner grandios skurrilen Entwürfe entstanden.

Bereits seit den 1980ern entwirft Arad auch für Vitra, und nun widmet ihm das Vitra Design Museum in Weil am Rhein folgerichtig bis zum 14. Oktober die Schau „Ron Arad: Yes to the Uncommon!“. Vor allem frühe (Möbel-) Werke sind im Schaudepot zu sehen, dazu die Installation „Sticks and Stones“ (1987), Stühle und Metallobjekte als gepresste Würfel entlässt – Dekonstruktion in Reinkultur. Zu den bekanntesten Werken des Architekten Arad zählen das Design-Museum Holon (2006-10) und die Innenausstattung des Watergate-Hotels in Washington (2012-16). (db, 8.8.18)

Holon, Design Museum (Bild:צילום:ד“ר אבישי טייכר , CC BY SA 2.5)

Einmal Weimar-Haifa und zurück

Auch in diesem Semester geht die Uni Weimar wieder dem Thema „Identität und Erbe“ auf dem Grund. Es ist inzwischen schon gute Tradition, dass die Ringvorlesung auch Themen der Moderne in den Blick nimmt. Hier sind vor allem zwei Vorträge zu nennen: Am 17. Oktober spricht Mark Escherich um 18.30 Uhr über „Denkmalpflege und DDR-Nachkriegsmoderne“. Bei der hochaktuellen Debatte um die Architektur der 1960er und 1970er Jahre könnte der Eindruck entstehen, dass die eigentliche Hürde in der Erhaltung und Sanierung bestehe. Doch weiterhin wird in weiten Teilen der Gesellschaft grundsätzlich angezweifelt, dass diese Bauepoche erhaltenswert ist.

Damit drängen weiterhin – nicht für die Ostmoderne – die Erforschung der Baubestände und die Kommunikation über ihre Werte. Vor diesem Hintergrund dürfte der zweite modernebezogene Vortrag der Ringvorlesung nicht minder spannend ausfallen: Waleed Karkabi (Haifa) spricht am 7. November um 18.30 Uhr über „Toward a new architecture – Haifa Modernism“. Sahen viele Architekten doch in Israel ein „Labor der Moderne“, eine ideale Spielfläche für neue Formen des Bauens und Zusammenwohnens. Heute sind Städte wie Haifa für Architekturbegeisterte gerade wegen dieses modernen Erbes von besonderem Reiz. Beide Vorträge finden in der Bauhaus-Universität Weimar statt (Hörsaal D, Marienstraße 13, 99423 Weimar). (kb, 13.10.17)

Haifa, Technion im Bau, um 1913 (Bild: Technion – Israel Institute of Technology, gemeinfrei)

100 Jahre Moderne in und mit Palästina/Israel

Vor 100 Jahren suchten viele Architekten in Palästina das „Gelobtes Land“ – eine Experimentierfläche für moderne Ideen. Diesen konsequenten, mutigen, in jedem Fall sehenswerten Bauten widmet das Innsbrucker Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege eine Vortragsreihe. Jeweils um 18 Uhr sprechen im Seminarraum: 17. Mai 2017, Ulrich Knufinke (Braunschweig/Hamburg/Innsbruck): „Wilhelm Ze’ev Haller (1884-1956)“, 21. Juni 2017, UIta Heinze-Greenberg (Zürich): „Bezalel und Bauhaus“, 26. Juni, Anna Minta (Linz): „Israel baut“, 29. Juni, Regina Stephan (Mainz): „Erich Mendelsohns Architektur in Palästina“.

Wie sich diese Reformgedanken auch in der deutschen jüdischen Kultur niederschlugen, beleuchtet bis zum 24. Mai eine Ausstellung im Architekturpavillon der TU Braunschweig (Pockelsstraße 4, 38106 Braunschweig). Das Israel Jacobson Netzwerk, die Museen des Landkreises Gifhorn, die Tessenow-Runde Steinhorst und die TU Braunschweig/Bet Tfila stellen hier den Reformarchitekten Heinrich Tessenow (1876-1950) vor. Von ihm stammt z. B. das Braunschweiger „Haus der Gemeinde“, das er 1912 für das jüdische Land- und Lehrgut der Simon’schen Stiftung gestaltete. Begleitend gibt es jeweils um 18.30 Uhr Vorträge im Architektursalon: 18. Mai 2017, Olaf Gisbertz (Braunschweig): „Architekturen des Gebrauchs von Heinrich Tessenow“, 23. Mai 2017, Dr. des. Christoph Schmidt (Gifhorn): „Die Lebensreformbewegung“, 30. Mai, Prof. Dr. Carol Herselle Krinsky (New York): „Synagogen in den USA“ (letzterer im Hörsaal SN 19.3). (kb, 16.5.17)

Ramot Polin, Wohnbau von Zvi Hecker (Bild: Nehemia G., CC BY SA 2.5)