Die Konsum-Kathedrale kommt weg

Die Ladenpassage am Wulfener Markt steht seit 2016 leer, und der Riesenbau von Josef Paul Kleihues ist auch definitiv dem Abriss geweiht, hierfür stehen mittlerweile Fördermitteln des Landes NRW zur Verfügung. Die Fläche soll anschließend neu genutzt werden, es ist ein offener Architekten- und Investorenwettbewerb vorgesehen. In der nun beginnenden Bürgerbeteiligung sollen die Rahmenbedingungen für mögliche Investoren diskutiert und festgelegt werden. Am 17. März lädt die Stadt Dorsten hierfür um 18 Uhr ins Gemeinschaftshaus Wulfen. Stadtbaurat Holger Lohse wird an diesem Abend eine erste Rahmenplanung vorstellen. Das Büro Bäumle aus Darmstadt wird die Durchführung des Wettbewerbs begleiten und das Verfahren erläutern. Sobald ein Siegerentwurf feststeht, werden die Bürger*innen bei der Konkretisierung ebenfalls eingebunden. Anmeldungen zur Veranstaltung sind möglich per E-Mail an planung-und-umwelt@dorsten.de oder telefonisch unter 02362 / 664881 (Frau Döbber). Für die Teilnahme gilt die 3 G-Regelung.

Gebaut wurde das Wohn- und Einkaufszentrum 1979-82 nach Plänen von J.P. Kleihues und den Architekten Eckert, Presse, Jakubik. Funktioniert hat das Gebäude, dessen zentrale Passage leider ins Niemandsland führt, nie wirklich. Die hohe Ladenfluktuation und die unwirtliche Atmosphäre des rationalistischen Baus haben den Erfolg auf Dauer vereitelt. Die Käuferfrequenz war gering, längerfristige Leerstände kamen hinzu. Der Eigentümer Medico Fonds ging 2015 Pleite, danach leerte sich der Bau zügig, auch die Wohnungen mussten geräumt werden. Nach wachsenden Vandalismusschäden ist der Wulfener Markt mittlerweile abgesperrt. Demnächst beginnt das große Entrümpeln, ehe die Bagger kommen. (db, 15.3.22)

Wulfen, Wulfener Markt 2022 (Bild: Katantuk, CC BY-SA 4.0)

Sieben Säulen in Kornwestheim

1984 veröffentliche der Architekt und Lehrmeister Josef Paul Kleihues (1933-2004) sein Manifest die „Sieben Säulen der Architektur”. In sieben passend illustrierten Texten werden Geometrie, Konstruktion, Harmonie, Vollkommenheit, Funktion, Utopie und Poesie als ebenjene Säulen erläutert. Mithin ist die Architektur als künstlerische Tätigkeit definiert. Und so sollte es sein: Der im Westfälischen Rheine geborene Kleihues war unter anderem ab 1979 Planungsdirektor der IBA Berlin 1987, den Begriff der “Kritischen Rekonstruktion” prägte er wie kein Zweiter. Auch die 1990 eröffnete Städtische Galerie Kornwestheim ist ein Kleihues-Entwurf – der sich eng an den Gestaltungsparametern des Baumeisters orientiert: Parallelogramm, Dreieck, Rechteck und Kreis als wiederkehrende Formen erzeugen ein aus ihrer Komposition hervorgehendes Spannungsfeld.

Zum 30-jährigen Jubiläum widmet sich hier nun eine Sonderausstellung dem Bau selbst ebenso wie dem Museum für Contemporary Art in Chicago und dem Museum für Zeitgenössische Kunst Hamburger Bahnhof in Berlin. Darüber hinaus sind unterschiedlichste von Josef Paul Kleihues gestaltete Objekte zu sehen, die seinen ganzheitlichen Gestaltungsansatz verdeutlichen. Der Start am 28. März war von Corona ausgebremst, nun ist bis zum 7. März 2021 Gelegenheit, “Josef Paul Kleihues – Geometrie und Poesie” anlässlich des Jubiläums von 30 Jahren Kunst im Kleihues-Bau zu besuchen; geöffnet ist Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. (db, 8.6.20)

Kornwestheim, Museum im Kleihues-Bau (Bild: Thomas Ledl, CC BY-SA 4.0)