Wellenbrecher in Jülich

Viele Jahre bildete das „Kurzwellenzentrum Jülich„, die Sendeanlage der Deutschen Welle auf der Merscher Höhe, eine beeindruckende Landmarke. Nicht zuletzt machte sie deutlich, dass die Stadt im Kreis Düren in Wissenschaft und Technik eine führende Rolle über die Region hinaus spielte. Doch schon lange legt die Deutsche Welle keinen Wert mehr auf terrestrische Ausstrahlung ihres Programms und ist weitgehend ins Internet gewechselt, was die Sendeanlage obsolet werden ließ. Böse Zungen behaupten ja, das digitale Senden würde deshalb bevorzugt, weil es in Krisengebieten und totalitären Staaten flott abgeschaltet werden kann oder gar nicht erst zur Verfügung steht und man sich so diplomatische Verstrickungen ersparen können. Aber das ist eine andere Geschichte…

Seit 2009 liegt die Sendeanlage nun jedenfalls still, und der imposante Antennenpark wurde bereits ein Jahr später demontiert. Heute existiert nur noch das Sendegebäude samt einiger Nebenbauten, den Rest des Areals nimmt das neue Gewerbegebiet „Brainergy Park“ ein. Interessierte Jülicher Bürger*innen, die teilweise eine berufliche Vergangenheit mit der Sendeanlage verbindet, haben sich in einem Arbeitskreis innerhalb des Jülicher Geschichtsvereins zusammengeschlossen, um sich für eine museale Nutzung der Reste der DW-Anlage einzusetzen. Nun erhalten die Hoffnungen aber einen Dämpfer: Ende Juni wurde nun (wohl entgegen früheren Zusagen) entschieden, dass zwar der Sender erhaltenswert sei, sein Gebäude, das sogenannte „Glashaus,“ aber nicht. Das Dilemma: Ohne Gebäude ist es praktisch nicht möglich, die Technik als solche funktionierend zu erhalten und sinnvoll wie erfahrbar auszustellen. Nun rücken die Bagger an, Teile der Sendetechnik sollen vorm Abriss aber gesichert und später in einem neuen Pavillon ausgestellt werden, so Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs. (db, 7.7.21)

Jülich, „Glashaus“ (Bild: Geschichtsverein Jülich)