„Eine Stadt müssen wir erbauen“

„Eine Stadt müssen wir erbauen“

Darmstadt, Haus Peter Behrens (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)
Haus Peter Behrens auf der Darmstädter Matthildenhöhe (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)

Die Mathildenhöhe in Darmstadt – ein herausragendes Ensemble der aufziehenden Moderne – vereint in ihren Bauten, den Gartenanlagen und Kunstwerken ein neues künstlerisches Reformprogramm: experimentelle Architektur, neue Raumkunst und zukunftsweisendes Design. Geschaffen mit dem Ziel, Kunst und Leben zusammenzuführen, bezeugt Künstlerkolonie den architektonisch-künstlerischen Aufbruch in die Moderne.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, ICOMOS Deutschland und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen veranstalten gemeinsam diese Fachtagung „‚Eine Stadt müssen wir erbauen, eine ganze Stadt!‘ Die Künstlerkolonie Darmstadt auf der Mathildenhöhe“, die vom 17. bis zum 19. April 2016 im Darmstadtium (Schloßgraben 1, 64283 Darmstadt) stattfindet. Ziel es ist, die Einzigartigkeit der „Künstlerkolonie Mathildenhöhe“ und ihre außergewöhnliche kulturhistorische Bedeutung herauszuarbeiten und beides in einem internationalen Vergleich zu diskutieren. Die Vorträge widmen sich der räumlichen, geistigen und gattungsspezifischen Vielfalt des Aufbruchs in die Moderne sowie den Impulsen, die um 1900 auf Darmstadt einwirkten, die von Darmstadt ausgingen und von hier weit in das 20. Jahrhundert hinein ausstrahlten. Die Tagung begleitet die Welterbenominierung der „Künstlerkolonie Mathildenhöhe“. Ihr Ziel ist es, international weitere Beispiele in den Blick zu nehmen, in denen sich der Willen zeigt, die Moderne umfassend künstlerisch zu gestalten. (kb, 7.2.16)

Die Südzentrale fällt

Die Fauna brachte Ende 2014 einen letzten Aufschub: Im Kesselhaus der Wilhelmshavener Südzentrale hatten sich Fledermäuse eingenistet, sodass die untere Naturschutzbehörde jegliche Bauaktivitäten am historischen Industriebau untersagte. Die geschützten Flatterer sind nun jedoch ausgezogen und die Bagger rückten an: Das gewaltige Jugendstil-Kraftwerksgebäude von 1908-15 wird seit Anfang August dem Erdboden gleichgemacht. Der jahrelange Kampf eines Vereins um den Erhalt der Stahlfachwerk-Hallen war vergebens. Auch ein Kaufangebot, ein offener Brief der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie die Tatsache, dass die Mehrheit der im Stadtparlament vertretenen Parteien den Erhalt des ehedem denkmalgeschützten Baus gerne gesehen hätten, hielten die Eigentümer nicht davon ab, tabula rasa zu machen.

Die Südzentrale war einst das Kraftwerk der Kaiserlichen Marinewerft und blieb in Diensten der Stadt Wilhelmshaven bis 1993 in Betrieb. Nach mehrmaligem Verkauf wurde das Gebäude fast 20 Jahre lang Witterung und Vandalismus überlassen. Dass dies wohl gezielt geschah, ließ sich zuletzt kaum noch verbergen. Immer wieder wurden 2013/14 zerstörerische „Sicherungsmaßnahmen“ durchgeführt. Der mutmaßlich ertrotzte Abriss dürfte die Debatte um den Sinn des Denkmalschutzes wieder einmal aufwerfen – das fatale Signal eines Ereignisses, das nur einen Sieger und etliche Verlierer zurücklässt … (db, 8.8.15)

Ergebnis jahrzehntelangen gezielten Verfalls: Die denkmalgeschützte Südzentrale in Wilhelmshaven wird abgerissen (Bild: Oliver Graw)

100 Jahre Stuttgarter Markthalle

1914 wurde in Stuttgart eine neue Markthalle eröffnet. Sie sollte der rasch wachsenden Bevölkerung gerecht werden und wirkte im Vergleich zu ihrem Vorgängerbau geradezu monumental. Ihr Schöpfer, der Architekt Martin Elsaesser, hatte sich 1911 mit gerade einmal 26 Jahren gegen zahlreiche Bewerber durchgesetzt. Sein im Jugendstil gehaltener Entwurf fügte sich besonders harmonisch ins Stadtbild ein. Die Halle weist vier unterschiedlich gestaltete Fassaden auf, die sich an der umliegenden Bebauung orientieren.

Betrachtet man das Lebenswerk Elsaessers, steht der Bau im Schatten einer anderen Halle: der Großmarkthalle in Frankfurt, 1928 eröffnet und heute Sitz der Europäischen Zentralbank. In Stuttgart hielt man seinem Frühwerk aber über die Jahre hinweg die Treue. Das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Bauwerk wurde Anfang der 1950er Jahre wieder aufgebaut. Abrisspläne stießen in den 1970er Jahren auf heftigen Widerstand der Bevölkerung. Seit 1974 steht die Halle unter Denkmalschutz. Zum Jubiläum beleuchtet eine Ausstellung im Stuttgarter Rathauses (Marktplatz (M) 1, 70173 Stuttgart, 3.OG) noch bis zum 11. September 2014 die wechselvolle Geschichte der Markthalle. (jr, 4.9.14)

Die Markthalle in Stuttgart lockt seit 100 Jahren mit einem reichhaltigen Warenangebot und guter Architektur (Bild: Thomas Wolf, www.foto-tw.de)