Kalter Krieg und Architektur


Nach 1945 prägten die vier alliierten Siegermächte – Großbritannien und Frankreich, die USA und die Sowjetunion – mit ihrer jeweiligen Kulturpolitik für viele Jahre auch die Architektur in Österreich. Wien avancierte gar zu einem zentralen Schauplatz des Kalten Kriegs. Vor diesem Hintergrund zeigt die Ausstellung „Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945“ im Architekturzentrum Wien das damalige Baugeschehen im Nachkriegs-Österreich erstmals im Kontext des globalen Ost-West-Konflikts.

Architektur im Wettstreit der Systeme – mit diesem Ansatz möchten die Wiener Ausstellungsmacher neue Aspekte der Architekturgeschichte aufschließen. In die vier Besatzungszonen untergliedert, formt sich aus Fotografien, Plänen, Filmen und Originalzeichnungen so „ein Sittenbild der Nachkriegsmoderne“. Die Ausstellung wird eröffnet am 16. Oktober 2019 um 19 Uhr, im Anschluss ist die Schau zu sehen bis zum 24. Februar 2020. Begleitend erscheint bei Park Books die gleichnamige Publikation sowie deren englische Ausgabe. (kb, 20.9.19)

Ferdinand Kitt, Paula-Preradović-Haus, Alpbach (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung)

Berlin: Abhörstation bald auf der Denkmalliste?

Das bauliche Relikt des Kalten Kriegs ist heute ein beliebtes Fotomotiv für Filmemacher, Modestrecken und Street-Art-Freunde: Viele Jahre war die einstige US-Abhörstation auf dem Berliner Teufelsberg dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Unter dem von 1950 bis 1972 aufgeschütteten und naturierten Berg befinden sich noch die Reste der von Albert Speer geplanten Wehrtechnischen Fakultät. Ab 1955 nutzten die USA ein Areal auf der höchsten Erhebung Berlins (120 Meter) für ihre Spionageanlagen, in denen bis 1992 bis zu 1.500 Menschen arbeiteten. Danach dienten die Türme der zivilen Flugüberwachung, bis eine Investorengemeinschaft das Gelände vom Land Berlin erwarb, um Luxuswohnungen und ein Hotel zu bauen. Daraus, wie auch aus etlichen weiteren Plänen, wurde nie etwas.

Seit rund drei Jahren bemüht sich ein privater Pächter um eine neue Nutzung des Geländes, u. a. von einer Künstlerkolonie ist die Rede. Einstweilen ist der Ort mit der einmaligen Aussicht auf die Hauptstadt gegen Eintritt/zu Führungen zu besichtigen. Gegenüber dpa hat die Senatskulturverwaltung, so berichtet heute der Deutschlandfunk, eine baldige Unterschutzstellung angekündigt: „Wir versuchen, sie noch in diesem Jahr auf die Liste zu bekommen“. Ein Antrag auf Unterschutzstellung besteht seit 2011, nun scheinen die letzten juristischen Schritte zum Greifen nahe. (kb, 23.9.18)

Berlin, Teufelsberg (Bild: Oscar, CC BY SA 4.0)

Was wird aus Checkpoint Charlie?

Er ist Sinnbild des Kalten Krieges und eine der meistfrequentierten Touristenattraktionen der Bundeshauptstadt: Der Grenzübergang Checkpoint Charlie in der Berliner Friedrichstraße. Die raumgreifenden Grenzanlagen wurden nach der Wiedervereinigung zwar entfernt, eine originalgetreue Replik der amerikanischen Kontrollbaracke hält die Erinnerung aber im Straßenbild ebenso präsent wie die großen umliegenden Freiflächen, die seit Kriegsende unbebaut sind. Dies könnte sich jedoch bald ändern.

Die weitere Entwicklung der brach liegenden Grundstücke steht in Berlin derzeit auf der politischen Agenda. Eine Investorengruppe strebt die Bebauung der Freiflächen an, das Land Berlin setzt sich für ein Museum, Wohnungen und Gewerbeflächen in den neuen Gebäuden ein. Ob diese Pläne in die Tat umgesetzt werden, ist aber noch offen: Der angestrebte Bebauungsplan soll auf einer umfassenden Bürgerbeteiligung fußen. Den Auftakt bilden eine Ortsbegehung am 28. Mai 2018 um 16.30 Uhr (Treffpunkt: Ecke Friedrichstraße/Zimmerstraße) und eine Informationsveranstaltung am Abend desselben Tages (18:00 Uhr, asisi Panorama Berlin am Checkpoint Charlie, Friedrichstraße 205). Bereits im Vorfeld gibt es Stimmen, die der Bebauung skeptisch gegenüber stehen. So empfiehlt das Berliner Landesdenkmalamt, die Umgebung des Checkpoints in der heutigen Form so weit wie möglich zu erhalten, da nur so die stadträumliche Wirklichkeit des Kalten Krieges sichtbar bleibe. (jr, 27.5.18)

Berlin, Checkpoint Charlie (Bild: Adrian Purser, CC BY SA 3.0)