Streit um „Hakenkreuz-Dekor“ geht weiter

Der Streit schwelt seit zwei Jahren: Ab 2019 wollte man in Essen die Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung umgestalten – und in ein neues, weiß-neutrales Gewand hüllen. Erbaut 1937 von den Architekten Carl Conradi und Paul Dietsch, zeigte der Gottesdienstraum typische Merkmale seiner Zeit: eine neoklassizistische Wandgliederung und viel Holz. Doch dann schlug die Debatte um die figurative bzw. zeichenhafte Ausstattung der Kapelle hohe Wellen. Das Altarbild mit dem blondgelockten Jesus wurde bereits 1994 entfernt. Für die Glasgestaltung hatte Carl Bringmann eine ähnlich herbe Formensprache der 1930er Jahre gewählt. Und die Balkendecke schmückte man mit christlichen Symbolzeichen in ornamentalen, hakenkreuzartigen Verschlingungen. Trotz anhaltender Proteste wurde die Kapellendecke im Mai 2019 „aus Gründen des Brandschutzes“ abgenommen und eingelagert.

Inzwischen steht die Kapelle unter Denkmalschutz (samt Decke), aber ihr Schicksal ist weiterhin offen und macht Schlagzeilen. Vor zwei Tagen meldete „Bild“, dass der Denkmalschutz die Wiedereinweihung der Kapelle verzögere. Superintendentin Marion Greve äußerte gegenüber der Zeitung: Sollten die Hakenkreuze bleiben müssen, sei für sie eine Weiternutzung des Raums als Kapelle „ganz unvorstellbar“. Das LVR-Denkmalamt hingegen empfahl gegenüber „Bild“ eine öffentliche Diskussion, ob eine „nur teil- oder zeitweise Sichtbarmachung der Decke“ eine Alternative sein könne – und bot damit schon eine weitreichende Kompromisslösung an. Der Totalverlust könnte Essen um eine prägende Dimension seiner modernen Geschichte berauben, denn gerade solch spannungsvolle Räume lehren die Betrachter:innen – über altes Schubladendenken von „guter“ und „schlechter“ Moderne hinaus – viel über eine vielschichtige Stilepoche. (kb, 14.3.21)

Titelmotiv: Essen, Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung (Bild: StagiaireMGIMO, CC BY SA 4.0, 2018). Facebookbild: Essen, Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung (Bild: Wiki05, gemeinfrei, 2009). 

Essen: „Hakenkreuz-Dekor“ unter Schutz?

Vor gut einem Jahr sollte in Essen die Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung umgestaltet werden. Erbaut 1937 von den Architekten Carl Conradi und Paul Dietsch, zeigt der Gottesdienstraum (noch) typische Merkmale seiner Zeit: eine neoklassizistische Wandgliederung und viel Holz. Doch dann schlug die Debatte um die figurative bzw. zeichenhafte Ausstattung der Kapelle hohe Wellen: Das Altarbild mit dem blondgelockten Jesus wurde bereits 1994 entfernt. Die Glasgestaltung von Carl Bringmann zeigte eine ähnlich herbe Formensprache der 1930er Jahre. Und die Balkendecke trug christliche Symbolzeichen in ornamentalen, hakenkreuzartigen Verschlingungen. Der gesamte Kapellenraum sollte bereits im Frühjahr 2019 in ein neues, weiß-neutrales Gewand gehüllt werden.

Trotz anhaltender Proteste wurde die Kapellendecke im Mai 2019 „aus Gründen des Brandschutzes“ abgenommen und eingelagert. Nun hat das LVR-Amt für Denkmalpflege erklärt, die Kapelle samt diskutiertem „Dekor“ sei schutzwürdig: Die Stadt solle den Eintrag in die Liste vornehmen. Gegenüber dem „Nordanzeiger“ erklärte Ratsherr Walter Wandtke (Die Grünen): Der Erhalt des Kapellenraums „kann ein wichtiger Beitrag zur politischen Bildung insbesondere gegen rechtsradikale Tendenzen sein“. Am 6. Februar spricht der Ratsausschuss für Stadtplanung über die avisierte Unterschutzstellung. Gerade derart spannungsvolle Räume können einen unverzichtbaren Anstoß liefern, über altes Schubladendenken von „guter“ und „schlechter“ Moderne hinaus etwas über diese Stilepoche zu erfahren. (kb, 26.1.20/3.2.20)

Aktuell: Pressemeldung der Stadt Essen

Titelmotiv: Essen, Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung (Bild: StagiaireMGIMO, CC BY SA 4.0, 2018) 

Wenn Sie hier mehr sehen als Hakenkreuze …

Vielleicht ist es ein Zeichen wachsender Political Correctness, vielleicht aufsteigender Ängstlichkeit: In den vergangenen Monaten werden vermehrt lange gezeigte und zumindest geduldete Kunstwerke neu diskutiert, teils in Frage gestellt, teils ganz entfernt. Die Spanne reicht von der unbekleideten Schönheit bis zum nationalsozialistischen Emblem. In Essen soll nun die Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung vollständig umgestaltet werden. Erbaut 1937 von den Architekten Carl Conradi und Paul Dietsch, zeigt der Gottesdienstraum (noch) typische Merkmale seiner Zeit: eine neoklassizistische Wandgliederung und viel Holz.

Höhere Wellen schlägt die Debatte um die figurative bzw. zeichenhafte Ausstattung der Kapelle: Das Altarbild mit dem blondgelockten Jesus wurde bereits entfernt. Die Glasgstaltung von Carl Bringmann zeigt eine ähnlich herbe Formensprache der 1930er Jahre. Und die Balkendecke trägt christliche Symbolzeichen in ornamentalen, hakenkreuzartigen Verschlingungen. Der gesamte Kapellenraum soll in ein neues, ganz weiß-neutrales Gewand gehüllt werden. Dem stellt sich der „Arbeitskreis Essen 2030“ entgegen. Die erhaltene Gestaltung der Bauzeit sei auch „ein Beleg für die ideologische Durchdringung der evangelischen Kirche in den 1930er Jahren“. Da helfe kein Anstrich, nur Aufklärung. (kb, 4.12.18)

Titelmotiv: Essen, Kapelle im Krankenhaus der Evangelischen Huyssens-Stiftung (Bild: StagiaireMGIMO, CC BY SA 4.0, 2018)